Eifriger Erzeuger: Forscher soll Vater von 600 Kindern sein

In den 1940er Jahren gründete der gebürtige Österreicher Bertold Wiesner gemeinsam mit seiner Frau Mary Barton in London eine Fruchtbarskeitsklinik. Etwa 1.500 Kinder kamen hier dank künstlicher Befruchtung zur Welt. Wie sich jetzt herausstellte, hatte Wiesner mit dem Mutterglück zahlreicher Frauen in der Klinik offenbar mehr zu tun als bislang bekannt war - denn er selbst zählte zu den eifrigsten Samenspendern. Schätzungen zufolge könnte er leiblicher Vater von etwa 600 Kindern sein.

Eifriger Erzeuger: Forscher soll Vater von 600 Kindern sein (Symbolbild: ddp images)Wie die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“ berichtete, ging man eigentlich davon aus, dass die Samenspender für die Klinik aus einem kleinen Kreis hochintelligenter Freunde Wiesners stammten. Durch Tests stellte sich nun jedoch heraus, dass etwa zwei Drittel der in der Barton-Klinik erzeugten Kinder Wiesner selbst zum Vater haben könnten. Das fanden zwei Söhne des Forschers heraus, die ebenfalls in der Klinik durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden.

Die beiden Männer hatten zunächst durch Nachforschungen festgestellt, dass sie denselben Vater hatten. Danach ergaben 18 DNA-Tests an weiteren Personen, die zwischen 1943 und 1962 in der Klinik gezeugt wurden, dass zwölf von ihnen ebenfalls Wiesner zum Vater hatten. „Nach vorsichtiger Schätzung könnte er 20 Samenspenden pro Jahr gegeben haben“, so Gollancz gegenüber der „Sunday Times“. Auf der Grundlage von Standardannahmen für Lebendgeburten – inklusive der Wahrscheinlichkeit für Zwillings- und Fehlgeburten – ergebe sich aus einer Hochrechnung, dass Wiesner bis zu 600 Kinder gezeugt habe.

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Dass ein- und derselbe Samenspender zur Zeugung zahlreicher Kinder bei künstlichen Befruchtungen verwendet wird, ist heutzutage verboten. 1990 wurde die Zahl der Samenspenden pro Mann in Fruchtbarkeitskliniken mit dem „Human Fertilisation and Embryology Act" reguliert, so der „Daily Telegraph“. Zu hoch ist das Risiko, dass die Nachkommen sich eines Tages kennenlernen und – nichtsahnend, dass sie Halbgeschwister sind – selbst eine Familie gründen. Aufgrund der nahen Verwandtschaft zwischen den Eltern können die Kinder mit schwerwiegenden genetischen Problemen belastet sein. Damals war nicht bekannt, dass Wiesner offenbar der Hauptspender der Proben war.


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