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Eigenes Kraftwerk auf dem Balkon – so erzeugen wir Strom einfach selbst

Photovoltaikanlagen gehören zu den beliebtesten Methoden zur eigenen Stromerzeugung. Der Vorteil: Balkonkraftwerke lassen sich bereits auf kleinstem Raum installieren. Auch Discounter bieten die Solar-Anlagen zum Schnäppchenpreis an. Doch lohnt sich das?

Mit Balkonkraftwerken kannst du deinen eigenen Strom erzeugen (Symbolbild: Getty Images)
Mit Balkonkraftwerken kannst du deinen eigenen Strom erzeugen. (Symbolbild: Getty Images)
  • Was sind Balkonkraftwerke?

  • So funktionieren Balkonkraftwerke

  • Welche Voraussetzungen müssen vor der Anschaffung erfüllt sein?

  • Lohnt sich eine Solar-Anlage auf dem Balkon?

  • Gibt es Subventionen?

  • Discounter verkaufen Anlagen ab 200 Euro – wie effektiv arbeiten die günstigen Anlagen?

Viele Menschen möchten gerne ihren eigenen Strom erzeugen. Die Gründe: das Streben nach umweltfreundlicheren Erzeugungsmethoden, Effizienzsteigerung, Unabhängigkeit von gängigen Strom- und Energieanbietern und die Möglichkeit, dadurch Geld zu sparen.

Eine Photovoltaikanlage, die mittels Solarplatten die Sonnenstrahlen in Strom umwandelt, gehört dabei zu den Klassikern: Eine Solaranlage ist einfach nachzurüsten – die Installation auf dem Haus- oder Garagendach ist relativ schnell erledigt, der Preis für Solarzellen ist in den vergangenen Jahren gesunken und die Platten generieren auch bei geringer Sonneneinstrahlung oder bewölkten Verhältnissen Strom, der auch gespeichert werden kann.

Auch einige Discounter wollen nun den Boom um Balkonkraftwerke ausnutzen und bieten preiswerte Mini-Solaranlagen: Nach Netto und Lidl will ab Juni auch Supermarkt-Riese Aldi nachziehen und kündigte den Verkauf eines eigenen Balkonkraftwerks ab 1. Juni 2023 an. Doch taugen die günstigen Anlagen was und lohnt sich die Investition?

Was sind Balkonkraftwerke?

Ab dem 1.Juni erhältlich: das Balkonkraftwerk von Aldi Nord. (Bild: Aldi Nord)
Ab dem 1. Juni erhältlich: das Balkonkraftwerk von Aldi Nord. (Bild: Aldi Nord)

Wer den Einstieg ins Thema Solarenergie wagen möchte oder lediglich einen Balkon zur Verfügung hat, für den ist eine Mini-Photovoltaikanlage genau das Richtige, denn nichts anderes sind Balkonkraftwerke: Die Anlagen bestehen aus einzelnen, kleinen Photovoltaik-Modulen (PV-Modul oder -platten mit einem Wechselrichter, die an eine Schuko-Steckdose in der Nähe des Montageorts angeschlossen werden).

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Obwohl die kleinen Photovoltaikanlagen durchaus effizient arbeiten und je nach persönlichem Verhalten etwa den jährlichen Verbrauch von Geschirrspüler, Waschmaschine und Wäschetrockner decken können, sind Balkonkraftwerke korrekt betrachtet Haushaltsgeräte, da der erzeugte Strom direkt in den Kreislauf fließt und in der Regel unmittelbar verbraucht wird.

Da Balkonkraftwerke im Durchschnitt 600 Watt Leistung nicht überschreiten, eignen sie sich nicht, um in Sachen Stromversorgung völlig autark zu werden; dazu wäre eine Photovoltaikanlage mit 3.000 bis 20.000 Watt Leitung erforderlich. Mini-Solaranlagen leisten aber dennoch einen zusätzlichen Beitrag, um die eigenen Energiekosten bedeutend zu reduzieren.

Das Praktische: Die Handhabung der Balkonkraftwerke ist denkbar einfach, man kann sie im Falle eines Umzuges einfach ab- und an anderer Stelle wieder aufbauen, manche Modelle sind sogar für die Nutzung auf dem Campingplatz geeignet.

So funktionieren Balkonkraftwerke

Die einzigen Vorrichtungen, die für die Installation eines Balkonkraftwerkes vonnöten sind: ein geeignetes Balkongeländer sowie eine Steckdose für den Anschluss. Sind die PV-Module angebracht und mittels Kabel mit der Steckdose verbunden, wird Strom produziert: Die Sonnenenergie wird von den Solarpanels in Gleichstrom und dann vom Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt, der in den Stromkreis der Wohnung fließt – und sich dort weiter durch die Wohnung bewegt, sofern er nicht direkt verbraucht wird.

Wieviel Strom generiert wird, hängt von mehreren Faktoren ab, mithilfe eines handelsüblichen Strommessgeräts zwischen Stecker und Steckdose oder sogenannten intelligenten Steckdosen aus dem Smarthome-Sortiment kann die Einspeiseleistung jedoch ganz einfach gemessen werden.

Überschüssiger Strom wird zwar ins Stromnetz eingespeist, aber nicht vergütet; dies bietet nicht nur einen steuerlichen Vorteil, sondern wäre mit bürokratischem Aufwand und zusätzlichen Kosten verbunden, die sich nicht rechnen. Pro Stromkreis – typischerweise also pro Wohnung – ist übrigens nur ein Balkonkraftwerk 600 Watt zugelassen. Die im Handel angebotenen Solarpanels bzw. Packages berücksichtigen diese Vorgaben und bieten dementsprechend passende Module an.

Welche Voraussetzungen müssen vor der Anschaffung erfüllt sein?

Grundsätzlich gibt es keine baulichen Voraussetzungen für die Installation eines Balkonkraftwerks, lediglich bei sehr alten Häusern kann es ratsam sein, eine*n Expert*in zurate zu ziehen und checken zu lassen, ob Anschluss und Stromzähler geeignet sind. Unter Umständen müssen die Stadtwerke den alten Drehscheibenzähler gegen eine sogenannte moderne Messeinrichtung (mME) austauschen, einen elektronischen Zähler, der je nach Ausführung auch die Einspeisung ins Netz messen kann.

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Entscheidender ist eher, ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt und ob die geplanten Solar-Module auch ausreichend Exposition zur Sonne haben, um Energie zu generieren. Wer in einer eher niedrigen Etage umringt von hohen Häusern wohnt, hat es ggfs. schwer, genügend Sonnenlicht zu sammeln.

Für Mieter*innen Pflicht: Einem Balkonkraftwerk muss vorab von Vermieter*innenseite zugestimmt werden; selbiges gilt für Wohnungseigentümer*innen, die einen Mehrheitsbeschluss der Eigentümergemeinschaft benötigen. Wird eine Genehmigung verwehrt, kann eine rechtliche Prüfung Klarheit bringen, denn hinsichtlich Klimawandel und Energiewende ändert sich die Rechtslage stetig – es soll in Zukunft immer einfach werden, auf alternative Energieerzeugung umzurüsten.

Lohnt sich eine Solar-Anlage auf dem Balkon?

Ob sich die Installation eines Balkonkraftwerkes lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem wie bereits erwähnt vom vorgesehenen Platz für die Solaranlage. Die aufgeführten Zahlen sind nur dann realistisch, wenn die Solaranlage hoch am Haus, senkrecht an Balkon oder Wand und in unverschatteter Südlage angebracht wird – und damit das Maximum an Licht- und Sonneneinstrahlung abbekommt.

Wer allerdings, auch mit Blick auf Energieengpässe durch Krisenlagen, eine möglichst große Unabhängigkeit anstrebt und auf erneuerbare Energie umsteigen möchte, ist mit einem Balkonkraftwerk gut beraten. Schließlich haben wir in den vergangenen Monaten alle erfahren, dass die Versorgungssicherheit fragil oder zum Teil stark gefährdet sein kann.

Natürlich gibt es Spezifikationen und Parameter, mit denen sich berechnen lässt, wie sinnvoll ein Balkonkraftwerk und ob die erzeugte Leistung für die persönlichen Bedürfnisse ausreichend ist: Ein Balkonkraftwerk mit Modulen à 300 Watt Leistung generiert etwas mehr als 260 Kilowattstunden pro Jahr/Modul, bei zwei Panels kommt man so auf rund 530 Kilowattstunden im Jahr.

Gemessen am Durchschnittsverbrauch einer dreiköpfigen Familie in einem Mehrfamilienhaus (liegt bei rund 2.600 Kilowattstunden/Jahr) kann ein Balkonkraftwerk mit 600w ein Fünftel des Jahresverbrauchs abdecken, elektrisch erzeugtes Warmwasser von rund 4.000 kWh/Jahr mit eingerechnet.

Nicht außer Acht gelassen werden sollte die Tatsache, dass der von einem Balkonkraftwerk erzeugte Strom direkt in den Stromkreislauf der Wohnung fließt und auch fast im 1:1-Verhältnis verbraucht wird. Sprich: Wer hauptsächlich abends oder eben nach Einbruch der Dunkelheit kochen oder waschen will, kann in diesem Fall so gut wie gar nicht auf den alternativ erzeugten Strom zurückgreifen.

Bei einer genauen Berechnung des individuellen Verbrauchs und der tatsächlichen Möglichkeit der Selbstversorgung hilft der Stecker-Solar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) aus Berlin.

Mit einem intelligenten Energiezähler kann man die Energieeffizienz im Auge behalten. (Bild: Getty Images)
Mit einem intelligenten Energiezähler kann man die Energieeffizienz zusätzlich im Auge behalten. (Bild: Getty Images)

Gibt es Subventionen?

Derzeit gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen, eine bundesweite Förderung gilt seit Januar 2023 durch den Wegfall der Mehrwertsteuer beim Kauf eines Balkonkraftwerks. Dies gilt nicht nur für die Solar-Module, sondern auch für Zubehör wie Speicher, Kabel, Halterungen und Wechselrichter.

Weiter hat die Anschaffung eines Balkonkraftwerks steuerliche Vorteile, denn die Kosten für die Anschaffung und Installation können als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden.

Regional gibt es weitere Subventionen in Form von Förderprogrammen: Mit dem Förderprogramm "Photovoltaik-Batteriespeicher" des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) können beispielsweise bis zu 30 Prozent der Anschaffungskosten für eine Solaranlage mit einem Batteriespeicher gefördert werden. Auch das KfW-Programm "Energieeffizient Bauen und Sanieren" sowie das BAFA-Programm "Energieeffizient Sanieren" bietet Unterstützung.

Welche Finanzierungen und Zuschüsse je nach Bundesland möglich sind, zeigt unter anderem der Online-Berater des Solaranlagen-Herstellers Enpal.

Discounter verkaufen Anlagen ab 200 Euro – wie effektiv arbeiten die günstigen Anlagen?

In der Regel bestehen steckerfertige Balkonkraftwerke aus einem oder mehreren Solar-Modulen sowie dem Wechselrichter, der den produzierten Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt; optional kommen noch Zubehörteile wie Anschluss- und Verlängerungskabel dazu.

Auch einige Discounter wollen nun den Boom um Balkonkraftwerke ausnutzen und bieten preiswerte Mini-Solaranlagen: Nach Netto und Lidl will ab Juni auch Supermarkt-Riese Aldi nachziehen und kündigte den Verkauf eines eigenen Balkonkraftwerks ab 1. Juni 2023 an.

In den Filialen von Aldi Nord wird es dann eine kleinere Anlage, die aus zwei Solarpanels (mit voraussichtlich 150 Watt pro Modul) besteht, geben; wieviel die Mini-PV-Anlage kosten soll ist nicht bekannt, bei Lidl kostete das Balkonkraftwerk unter 200, bei Netto ab 499 Euro.

Mit insgesamt 300 Watt fällt die Leistung der Discounter-Anlage eher gering aus, sollte aber ausreichen, um einen signifikanten Teil des Grundbedarfs eines Haushalts abzudecken.