Einst ein Weltstar: Was wurde eigentlich aus dem Schauspieler Josh Hartnett?

André Wagner
·Freier Autor
·Lesedauer: 6 Min.

Lange war von Josh Hartnett nichts mehr zu hören. Dabei stand ihm Anfang des Jahrtausends eine erfolgreiche Karriere bevor. Doch dann zog sich der Frauenschwarm Mitte der 2000er aus Hollywood zurück. 2021 wird er wieder auf der großen Leinwand zu sehen sein. Doch was hat er seitdem eigentlich gemacht?

Josh Hartnett im Mai 2017 bei den 70. Film-Festspielen in Cannes. (Bild Reuters)
Josh Hartnett im Mai 2017 bei den 70. Film-Festspielen in Cannes. (Bild Reuters)

Zu Beginn des Jahrtausends stand Josh Hartnett vor einer vielsprechenden Karriere als Schauspieler. Nach seinen Hauptrollen in den beiden Blockbustern "Pearl Harbor" und "Black Hawk Down" aus dem Jahr 2001 lag dem damals 23-Jährigen Hollywood zu Füßen.

Das "People Magazin" nahm Hartnett in seine Liste der schönsten Männer auf und Poster mit seinem Antlitz klebten an den Zimmerwänden unzähliger Teenager rund um den Globus.

Mit Filmen und Affären machte er von sich reden

Hartnett war kein gewöhnlicher Schauspieler, der in Los Angeles auf eine ruhmreiche Karriere hoffte, er war vielmehr ein kulturelles Phänomen. Im Alter von 19 bis 23 Jahren spielte er bereits in zehn Filmen mit, darunter, neben den bereits oben genannten, auch im äußerst erfolgreichen SciFi-Horror-Streifen "Faculty".

Neben seinen filmischen Erfolgen machte Hartnett vor allem durch seine Liebschaften von sich reden. So hatte er eine zweijährige Beziehung mit Scarlett Johansson ("Avengers") und Affären mit der Sängerin Rihanna und Schauspielkollegin Amanda Seyfried.

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Fast 20 Jahre nach seinen beiden Welterfolgen ist es um Josh Hartnett sehr ruhig geworden. Er wurde Opfer seines eigenen Erfolges, der ihm Hollywood den Rücken kehren ließ, anstatt auf dem Karrieregleis weiterzurasen.

"Ich war auf dem Cover jedes Magazins. Ich konnte nirgendwo wirklich hingehen. Ich habe mich in meiner eigenen Haut nicht wohl gefühlt. Ich war allein", gestand Hartnett im Jahr 2014 in einem Interview mit dem Magazin "Details".

Josh Hartnett in a scene from the film 'Pearl Harbor', 2001. (Photo by Buena Vista/Getty Images)
"Pearl Harbor" machte Josh Hartnett berühmt. (Bild: Buena Vista/Getty Images)

Mitte der 2000er wandte er sich von Hollywood ab

Zwar mangelte es Hartnett nicht an hervorragenden Rollenangeboten, dennoch zog er es Mitte der 2000er vor, Hollywood vorerst hinter sich zu lassen und in seine Heimat zurückzukehren.

"Ich habe niemandem getraut. Also ging ich zurück nach Minnesota und kam wieder mit meinen alten Freunden zusammen – am Ende kam ich für eine Weile wieder mit meiner High-School-Freundin zusammen – und ich habe 18 Monate lang nicht gedreht. Ich bin immer noch dabei, meinen Weg durch all das zu finden."

Für längere Zeit drehte Hartnett keine Filme mehr, sogar Hauptrollen in den Filmen "Batman Begins" (2005) und "Superman Returns" (2006) lehnte Hartnett ab, er wollte nicht in die Superhelden-Schublade gesteckt werden. Ein Fehler, wie er einige Jahre später zugab.

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"Ich habe definitiv zu einigen der falschen Leute 'Nein‘ gesagt. Das ist verpönt in dieser Branche. Die Leute mögen es nicht, wenn man 'Nein‘ sagt", sagte Hartnett einst dem Magazin "Playboy".

"Ich habe meine Lektion gelernt, als [Drehbuchautor und Regisseur] Christopher Nolan und ich über 'Batman‘ sprachen. Ich entschied, dass es nichts für mich war. Dann wollte er mich nicht in 'The Prestige' einsetzen. Sie haben ihren Batman dafür engagiert [Christian Bale]."

“Ich wollte nicht in eine Schublade gesteckt werden”

"Ich war so darauf fokussiert, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden und hatte so viel Angst davor, auf eine spezielle Rolle reduziert zu werden ... Christian Bale dabei zu beobachten, wie er so viele andere Dinge macht, war einfach großartig. Ich meine, er hat es geschafft, das zu überwinden. Warum konnte ich das damals nicht sehen? ... Ich weiß jetzt, dass ich etwas nicht ablehnen würde, nur weil es eine Superheldenrolle ist."

Für Christian Bale bedeutete die Hauptrolle in "Batman Begins" den endgültigen Durchbruch. Kein Wunder also, dass sein Manager und die Agenten von Hartnetts Absagen alles andere als begeistert waren. Kurz darauf trennten sich dann auch deren Wege.

Morgan Freeman, Katie Holmes and Christian Bale during "Batman Begins"  Rome Photocall at Hotel St.Regis in Rome, Italy. (Photo by Ernesto Ruscio/FilmMagic)
"Batman"-Star Christian Bale mit Morgan Freeman und Katie Holmes bei der "Batman begins"-Weltpremiere. Josh Hartnett hatte die Rolle zuvor abgelehnt. (Bild: Ernesto Ruscio/FilmMagic)

"Ich hatte diese Agenten danach nicht mehr lange," sagte er. "Es gab eine Menge Machtkämpfe zwischen meinem Manager und meinen Agenten, die versuchten, herauszufinden, wem sie die Schuld in die Schuhe schieben konnten. Es kam zu dem Punkt, an dem keiner von uns mehr in der Lage war, zusammenzuarbeiten."

Zwar wurde Josh Hartnett nach seinem plötzlichen Abschied von Hollywood nicht zur Persona non grata erklärt, dennoch war mit lukrativen Hauptrollen-Angeboten erst einmal Schluss. Nach dem er auch in Minnesota nicht mehr so richtig glücklich wurde, fing er wieder an mit dem Filme machen, doch trotz seiner großen Erfolge der Vergangenheit musste Hartnett fast wieder von vorne anfangen.

Independent-Filme statt Hollywood-Blockbuster

Statt in großen Hollywood-Blockbustern war Hartnett nun hauptsächlich in Independent-Movies zusehen, das große Comeback sollte ihm mit diesen Streifen aber vorerst nicht gelingen. "Oft – zu oft – kamen Leute zu mir und sagten 'Ich habe 'Der Börsen-Crash' auf DVD gesehen' oder 'Ich habe 'Lucky Number Slevin' auf Showtime gesehen'", so der Schauspieler. Im Kino waren diese beiden Filme eher ein Flop.

"Ich bekomme zum Glück immer noch Film- und TV-Rollen angeboten, aber vor Jahren, wenn ich eine Rolle sah, die ich wollte, gab es eine gute Chance, dass ich sie bekommen konnte", fügte er hinzu. "Wenn ich jetzt eine Rolle sehe, muss ich darum kämpfen. Das ist nicht schlecht. Es ist sogar noch lohnender. Es ist deprimierend, wenn etwas nicht so läuft, wie man will, aber nur für eine Minute."

2014 machte Josh Hartnett nach vielen Jahren wieder weltweit von sich reden. In der US-amerikanisch-britischen Horrorserie "Penny Dreadful" stand der heute 42-Jährige neben den beiden Bond-Stars Timothy Dalton und Eva Green gemeinsam vor der Kamera.

Seine Karriere scheint also wieder ins Rollen gekommen zu sein und auch privat läuft es bei Hartnett gut. 2011 lernte er bei den Dreharbeiten zu “The Lovers” die britische Schauspielerin Tamsin Egerton kennen und lieben. Mit ihr zusammen hat Josh Hartnett zwei Kinder. Im Vergleich zu vielen anderen Prominenten geben Hartnett und Egerton jedoch nicht all zu viel von ihrem Privatleben preis.

Seit 2012 ist Josh Hartnett mit der britischen Schauspielerin Tamsin Egerton zusammen. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder. (Bild: Reuters)
Seit 2012 ist Josh Hartnett mit der britischen Schauspielerin Tamsin Egerton zusammen. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder. (Bild: Reuters)

2021 wird Hartnett wieder im Kino zu sehen sein

2021 wird Josh Hartnett wieder auf der großen Leinwand zu sehen sein. In dem Drama "Cash Truck" von Star-Regisseur Guy Ritchie konnte er eine Rolle ergattern.

Und sollte ihm erneut eine Superhelden-Rollen angeboten werden, würde sich Hartnett durchaus gesprächsbereit zeigen: "Ich würde sagen, 'Lasst uns darüber reden und sehen, ob wir uns einigen können.' Kompromisse machen mir keine Angst mehr", so der Schauspieler.

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