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Das Ende der Papierkritzelei? Smarte Notizbücher im Vergleich

Das Smart Paper von Lenovo dient vor allem als digitales Notizbuch und E-Book-Reader. (Bild: Lenovo)
Das Smart Paper von Lenovo dient vor allem als digitales Notizbuch und E-Book-Reader. (Bild: Lenovo)

Google News statt Tageszeitung, Streaming statt DVD oder Spotify statt CDs und Co.: Medien werden mittlerweile fast ausschließlich digital konsumiert - und auch meist digital generiert, wenn man sich die Nutzungszahlen von Social-Media-Plattformen ansieht. Nur für die Kritzelei von Skizzen, Notizen oder sonstigen, oft noch unsortierten Gedanken auf Notizblöcken, Schmierzetteln oder Post-Its scheint die Digitalisierung noch keine richtige Antwort gefunden zu haben.

Klar, ToDo- oder Notiz-Apps gibt es in den Appstores zur Genüge, aber sie übersetzen nur einzelne Teilaufgaben des guten, alten Notizblocks in die digitale Welt. Und was immer fehlt: das Gefühl des Stifts auf Papier. Immerhin haben sich in den vergangenen Jahren einige Nischenprodukte entwickelt, und zwei neue digitale Notizbücher geben Grund zur Hoffnung für Fans kreativen Gekritzels.

Guter Mix für Traditionalisten: Echtes Papier, smarter Stift

Ein Klassiker unter den halb digitalen Notizbüchern ist das Smart Writing Set aus der Kultreihe von Moleskine. Allerdings dient hier als Basis immer noch echtes, oder wie Moleskine es nennt: Ncoded-Papier. Der smarte Stift überträgt dabei sowohl Tinte ins Notizbuch als auch die relevante Information in die dazugehörige App. Vorteil: Das Schreibgefühl ist original und die Daten werden in Echtzeit digitalisiert - oder zwischengespeichert, bis wieder eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone mit der App besteht. Klarer Nachteil: Ist das Buch vollgeschrieben oder -gemalt, muss Ersatz besorgt werden. Das Starter-Kit liegt mit Stift, Buch und Ladekabel bei 249 Euro, die Ersatz-Büchlein liegen je nach Größe und Lineatur bei 11 bis 23 Euro.

Nochmal 100 Euro günstiger als das Smart Writing Set von Moleskine ist das Bamboo Slate von Wacom - der Preis von 149 Euro wird hierbei vor allem für den Stift, die passende App und eine Art Kladde fällig. Welches Papier man verwendet, bleibt dabei dem User überlassen, der smarte Stift synchronisiert unabhängig vom Untergrund in die App. Auch bei diesem - leider laut Hersteller zukünftig nicht mehr weiterentwickelten - Produkt überwiegt das echte Schreibgefühl auf dem Lieblingspapier, Tinte und ein neuer Schreibblock werden dabei aber natürlich fällig.

Voll digitale Notizbücher mit analogem Schreibgefühl

Noch einen Schritt weiter gehen voll digitale Lösungen wie das aktuelle Remarkable 2 oder das Ende 2023 erschienene Smart Paper von Lenovo. Je nach Sichtweise handelt es sich bei den Geräten entweder um E-Book-Reader mit erweiterter Funktionalität oder um abgespeckte Tablet-PCs. Was alle Produkte in dieser Geräteklasse vereint, ist das speziell für das klassische Schreibgefühl präparierte (monochrome) Display: sprich mit strukturierter statt glatter Oberfläche, um den papiertypischen Widerstand beim Schreiben zu simulieren.

Außerdem bieten sie eine Vielzahl von Features für Freunde von Bleistiften, Füllern und anderen traditionellen Schreibgeräten. So kann der Nutzer entscheiden, ob er mit dem Grafitstift schraffiert, mit dem Textmarker markiert, mit der Feder kalligrafiert oder klassisch mit dem Kugelschreiber notiert. Zusätzlich gibt es eine umfangreiche Auswahl an "Papier", also typischerweise kariert, liniert, komplett weiß oder mit anderen Hilfslinien oder -punkten verstehen. Auch Checklisten, Kalender, Notenblätter, Agenden, etc. gehören zur Auswahl, bei Lenovo auch Spielfelder für Fußball und Co. für die digitalen Strategen von morgen.

Remarkable 2: Schreiben wie gestern, zu einem Preis von heute

Das Remarkable 2 ist nicht günstig, bietet aber ein klassisches Schreibgefühl (Bild: Remarkable)
Das Remarkable 2 ist nicht günstig, bietet aber ein klassisches Schreibgefühl (Bild: Remarkable)


Eins der spannendsten Features beim Remarkable 2 ist die Umwandlung von gekritzeltem in maschinengeschriebenen Text - und das funktioniert erstaunlich gut, auch bei kaum lesbaren Notizen oder schnell skizzierten Ideen. So lassen sich mit wenigen Knopfdrücken die Brainstorming-Ergüsse umwandeln und dann auch per Mail verschicken, ob als PDF, JPG oder DOC.

Das Ganze ist beim Remarkable 2 verpackt in eine schlichte, elegante Hülle, wahlweise aus Leder, sodass nicht nur das Schreibgefühl, sondern auch die gesamte Haptik den User zurückversetzt in die Zeiten der Kladde in der Aktentasche. Leider hat diese analoge Reminiszenz auch ihren Preis. Für das Gerät selbst werden 349 Euro fällig, für den Stift inkl. Ersatzspitzen nochmal 79 Euro. Wer nicht via Display-Funktion, sondern klassisch mit der Stiftrückseite radieren möchte, zahlt sogar 129 Euro. Hinzu kommen 69 bis 159 Euro für die Hülle, je nach Sentimentalitätsgrad des Nutzers von Synthetik bis Leder. Verzichten können solche, die auf der Suche nach einem Notizbuchersatz sind, getrost auf die optionale Tastatur, die nochmal mit 199 Euro zu Buche schlagen würde. Die macht das ohnehin nicht leichte Gerät auch nochmal schwerer. Mit Hülle bringt es über 400 Gramm auf die Waage, und erleichtert den Geldbeutel gleichzeitig um knapp 500 bis zu 650 Euro je nach Ausstattung. Sinnvoll ist außerdem, das Connect-Feature zu nutzen, um die Notizen in der Cloud zu speichern und vom Desktop und der App. Die Anbindung an Google Drive, Dropbox oder Microsoft OneDrive ist ebenfalls möglich, um z.B. Word-Dokumente oder Powerpoint-Präsentationen aufs Gerät zu laden.

Lenovo Smart Paper: Schlicht und funktional

Etwas weniger edel geht es bei Lenovo zu. Bei dem asiatischen Hersteller geht meist Funktionalität vor Design, was man auch dem Smart Paper ansieht. Doch das tut der intuitiven und angenehmen Nutzung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die vermeintlich hässliche Beule für die Stift-Aufbewahrung (bei Lenovo ist er übrigens kostenlos dabei) sorgt nämlich dafür, dass er nicht so häufig verloren geht wie beim Remarkable. Dort ist er magnetisch an der flachen Außenseite fixiert, löst sich von dort aber leider immer wieder.

Inklusive der Standardhülle für pauschal 499 Euro zu haben, rangiert also am unteren Ende der Remarkable-Varianten, bietet aber rein technisch fast denselben Funktionsumfang. So ist der Cloud-Sync beschränkt auf Google Drive, die Textumwandlung lange nicht so ausgefeilt wie beim Wettbewerber. Aber: Das Gerät punktet beispielsweise mit optionaler Hintergrundbeleuchtung. Ansonsten bewegt es sich mit einer Displaygröße von 10,3 Zoll (ca. 26 cm) und einem Gewicht knapp über 400 Gramm in derselben Liga. E-Books verarbeitet das Lenovo Smart Paper genauso einfach wie Word-Dokumente oder PDFs. Also ebenfalls ein vollumfänglicher, vom Schreibgefühl ansprechender Ersatz für Papier und Stift. Doch während das Remarkable 2 eher auf dem antiken Eichenschreibtisch seinen Platz finden wird, ist es beim Lenovo Smart Paper wohl eher der Konferenztisch, allein aus optischen Gründen.

Oder doch ein normales Tablet?

Beiden gemein ist der doch recht hohe Preis für einen - nüchtern betrachtet - Ebook-Reader mit ausgefeilter Schreibfunktionalität. Verzichten muss man dafür auf farbige Fotos, Videos, das Surfen im Web, und andere nette Features aktueller Tablets. Diese als auch die kompatiblen Stifte - sogenannte aktive kapazitive Stylus - gibt es in allen Preislagen: Die Geräte selbst von wenigen hundert Euro für Android-Modelle bis über 1.000 Euro bei Apples aktuellem iPad Pro; Stifte teilweise schon für 20 Euro, aber auch für 200 Euro, je nach Hersteller, Gewicht oder Akkulaufzeit.

Aber ganz ehrlich: Wer möchte bei der manchmal gedankenlosen, aber oft hoch konzentrierten Kritzelei, Zeichnerei und Schreiberei schon auf das typische, kratzende Gefühl und das leise, schabende Geräusch unter der Stiftspitze verzichten?