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Erinnerungen an Tic Tac Toe: In diesem ARD-Improfilm zerstört eine KI eine Girlband

Drei Chartstürmerinnen, eine XXL-Pressekonferenz und eine fiese KI: Die ARD-Impro-Produktion "Boom" exerziert den Aufstieg und Fall einer Girlband in einem kreativen Potpourri. Der bisweilen wilde Kurzfilm erinnert an Tic Tac Toe - und verschafft unter anderem Gülcan Kamps und Eko Fresh Gastauftritte.

Ein KI-Fanartikel bringt die Welt der Popband Boom ins Wanken, von links: Sue (Via Jikeli), Izzy (Sira-Anna Faal) und Peggy (Lea Drinda). (Bild: ARD Kultur / DRIVEbeta / Lukas Schmidt)
Ein KI-Fanartikel bringt die Welt der Popband Boom ins Wanken, von links: Sue (Via Jikeli), Izzy (Sira-Anna Faal) und Peggy (Lea Drinda). (Bild: ARD Kultur / DRIVEbeta / Lukas Schmidt)

Derb, obszön, frech: Mitte der 90er-Jahre drehte die Girlband Tic Tac Toe die deutsche Musikszene auf links. Ricarda Wältken, Marlene Tackenberg und Liane Wiegelmann avancierten zu gefeierten Stars, verkauften als Trio etwa fünf Millionen Musikträger - und verabschiedeten sich mit einem Knall. Eine geplante öffentliche Versöhnung geriet zum wortgewaltigen Schlagabtausch vor laufenden Kameras und besiegelte das Ende der Musikgruppe. Ähnlich brisant ist die Stimmung im ARD-Improprojekt "Boom" (ab 7. Februar, ARD-Mediathek).

Mit Tic Tac Toe hat die titelgebende Girlgroup vor allem die auffälligen Styles und die speziellen Charaktere gemein. Die extravagante Sue (Via Jikeli) fällt eher durch ihre kecken Sprüche, denn durch gesangliches Talent auf. Ihre launische Kollegin Izzy (Sira-Anna Faal) strebt eigentlich eine Solo-Karriere an - erst recht, nachdem sie erfährt, dass ihr ein Songschreiber die Arbeit abnehmen soll. Dritte im Bunde ist das psychisch labile Nervenbündel Peggy (Lea Drinda, "Der Greif").

Gülcan Kamps und Collien Ulmen-Fernandes gastieren in ARD-Improfilm

Im Mittelpunkt des knapp einstündigen Impro-Films von Regisseurin Hanna Seidel steht eine Pressekonferenz vor 150 Journalisten. Dort sollen die Musikerinnen ihr neuestes Merchandising-Produkt vorstellen: die Boom Bubble. Der futuristische Apparat mit der matten Oberfläche und dem optisch auffälligen Bullauge verspricht den Fans von Boom einen digitalen KI-Zwilling der Bandmitglieder.

Die Sängerinnen von Boom sind der strahlendste Stern am Pop-Himmel. (Bild: ARD Kultur / DRIVEbeta / Lukas Schmidt)
Die Sängerinnen von Boom sind der strahlendste Stern am Pop-Himmel. (Bild: ARD Kultur / DRIVEbeta / Lukas Schmidt)

Doch das vermeintlich coole Gimmick entfaltet mit fortlaufender Dauer sein gruppengefährdendes Potenzial. Was mit harmlosen Fragen Sues und Peggys nach dem Verbleib der im Hotel verschwundenen Izzy beginnt, nimmt einen unvorhergesehenen Verlauf. Die KI gibt Geheimnisse der einzelnen Bandmitglieder preis, die das Pop-Phänomen Boom merklich ins Wanken versetzen. Das bringt vor allem die schüchterne PR-Dame Paule (Alicia Rittberg) in die Bredouille, die ausgerechnet auf "der wichtigsten PK der Bandgeschichte" Bandmanagerin Alex (Collien Ulmen-Fernandes) vertritt. Die gierige Managerin sieht man nach dem Genuss vergammelter Austern bei ihren wenigen Auftritten beinahe durchgehend in einen Eimer reihern.

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Schon der Beginn von "Boom" macht den experimentellen Ansatz der Produktion deutlich: Eko Fresh grüßt aus einer in Neonfarben getauchten Badewanne und kündigt in seinem Gastauftritt mit direkter Ansprache ans Publikum eine "Impro Mensch gegen Maschine" an. Auch sonst kramen die Macher mit Begeisterung im kreativen Werkzeugkasten - von den improvisierten Dialogen mit der extra für den Film programmierten KI über einen selbstironischen Auftritt von Ex-Viva-Moderatorin Gülcan Kamps bis zu einem im wahrsten Sinne des Wortes radikalen Schnitt am Ende. Zwar zünden nicht alle Ideen, der Mut zum Unkonventionellen erlaubt aber dennoch eine Würdigung.

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