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Der ewig Polarisierende

Angesprochen auf seine Investitionen in Hannover 96 hat Martin Kind eine durchaus bemerkenswerte Bilanz gezogen. „Man kann es auch als Fehlentscheidung beschreiben“, sagte Kind am Montag in der ARD-Sendung „Hart aber fair“.

Und als Moderator Louis Klamroth noch mal nachhakte, ob er wirklich von einer „Fehlentscheidung“ gesprochen habe, bekräftigte Kind: „Ja, natürlich!“

1997 stieg der Millionär bei Hannover 96 ein, half dem finanziell in Schieflage geratenen und sportlich bis in die damals drittklassige Regionalliga abgestürzten Verein wieder auf die Beine. Mehr als 50 Millionen Euro soll der Unternehmer, der die gleichnamige Hörgeräte-Firma zu einem Marktführer gemacht hat, in den Klub gesteckt haben.

DFL kippt Investorenpläne auch wegen Causa Hannover

Doch gelohnt hat sich die Investition aus unternehmerischer Sicht in seinen Augen nicht. „Sie können in Deutschland - mit wenigen Ausnahmen - kein Geld verdienen“, erläuterte Kind. Der 79-Jährige war bis zuletzt ein genereller Befürworter der Investorenpläne, die die DFL nun am Mittwoch offiziell auf Eis legte.

In seiner Begründung verwies Hans-Joachim Watzke in seiner Funktion als Sprecher des DFL-Präsidiums auf die zwar als rechtswirksam angesehene Abstimmung der 36 Erst- und Zweitligisten, die im Dezember mit einer knappen Zweidrittel-Mehrheit für die Investorenpläne gestimmt hatten. „Gleichwohl darf nicht verkannt werden, dass es diesem Votum aufgrund der Vorgänge um Hannover 96 an breiter Akzeptanz fehlt“, ergänzte Watzke.

Dabei geht es um die Rolle von Kind, der sich bis zuletzt beharrlich wehrte, sein Abstimmungsverhalten offenzulegen. Der Mutterverein Hannover 96 e.V. hatte Kind angewiesen, gegen die Investorenpläne zu votieren, doch Kind handelte mutmaßlich entgegen dieser Weisung. Dies wäre ein Verstoß gegen die 50+1-Regel.

„Darüber hinwegzugehen, darf vor dem Hintergrund des hohen Guts, das wir mit der 50+1-Regel in unseren Händen halten, nicht unser Ansatz sein. Das DFL-Präsidium steht einmütig zur 50+1-Regel“, betonte Watzke.

Kind: „50+1-Regel hat Geburtsfehler“

Kind kämpft seit Jahren gegen die Regelung, die die Mitsprache von Investoren bei Profiklubs einschränkt und besagt, dass ein Geldgeber nicht die Mehrheit an einem Profiverein übernehmen nehmen darf. „Diese 50+1-Regel hat einen Geburtsfehler“, betonte Kind bei „Hart aber fair“.

Schon während der Corona-Pandemie, als viele Vereine aufgrund der wegbrechenden Zuschauereinnahmen nach neuen Geldquellen suchten, machte Kind Stimmung gegen 50+1. „Ich persönlich empfehle, dass die Regel fällt. Denn für mich sind Bundesligavereine Wirtschaftsunternehmen“, sagte Kind damals im Doppelpass auf SPORT1.

Seinen Klub Hannover 96, bei dem er - mit einer kurzen Unterbrechung - zunächst Aufsichtsratsvorsitzender, dann Präsident und schließlich Geschäftsführer war, führte er entsprechend. „Durch seinen Einsatz und seine finanziellen Möglichkeiten verstand er sich immer als derjenige, der das Recht hat, zu entscheiden, was mit dem Verein passieren soll. Und so wurde er vom loyalen Geldgeber und Fan zum Sonnenkönig vom Maschsee“, schrieb der Stern 2022 in einem Portrait über ihn.

Machtkämpfe bei Hannover 96

Die sportlichen Erfolge - angefangen bei der Rückkehr in die Bundesliga über immerhin 14 Jahre Erstligafußball bis hin zu zwei Europapokal-Teilnahmen - in der Ära Kind verblassen vor den andauernden Machtkämpfen und Querelen bei 96 in den letzten Jahren. Der Streit zwischen e.V. und Kind gipfelte in der Abberufung Kinds als Geschäftsführer der Profiabteilung, gegen die der Patriarch 2022 allerdings juristisch mit Erfolg vorging.

Seither tauchten immer wieder „Kind muss weg“-Plakate in der Fankurve auf. Im Zuge der Proteste gegen den DFL-Investorendeal wurde beim Spiel in Hamburg mit einem Plakat mit seinem Konterfei im Fadenkreuz allerdings eine Grenze überschritten.

Eine Aktion, die auch Robin Krakau, Vorstandsmitglied des 96 e.V. verurteilte. Krakau bezeichnete das Plakat in der Neuen Presse als „die unschöne Spitze einer seit Langem befeuerten Eskalationsspirale“. Und er fügte hinzu: „Niemand sollte sein Gesicht in einem Fadenkreuz sehen müssen, auch Herr Kind nicht.“