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"Exil ist wie der Tod": Hier sprechen Künstler über "Zwangsmigration"

Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist nicht nur einer der berühmtesten Künstler unserer Zeit, sondern auch einer der berühmtesten Kreativen, die im Exil leben, in seinem Fall in Portugal. (Bild: Jonny Müller-Goldenstedt/Gebrüder Beetz Filmproduktion)
Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist nicht nur einer der berühmtesten Künstler unserer Zeit, sondern auch einer der berühmtesten Kreativen, die im Exil leben, in seinem Fall in Portugal. (Bild: Jonny Müller-Goldenstedt/Gebrüder Beetz Filmproduktion)

Sie sind vor Krieg, Verfolgung oder Unterdrückung aus ihren Heimatländern geflohen. Doch was bedeutet es für das Werk Kunstschaffender, ihren vertrauten Kulturraum hinter sich zu lassen? Regisseurin Nuray Sahin stellt bekannte und weniger bekannte Künstler und Künstlerinnen und ihre Geschichten vor.

"Was bedeutet es, wenn Menschen überall sein dürfen, nur nicht in dem Land, in dem sie aufgewachsen sind?", fragt die kurdisch-deutsche Filmemacherin Nuray Sahin zu Beginn ihrer Dokumentation "Die Kunst, frei zu sein - Kreative im Exil". Wie wirkt sich die neue Freiheit auf ihre Kunst aus? Kann es ihnen gelingen, sich wie Phoenix aus der Asche neu zu erfinden? Sahin lässt in ihrem spannenden Beitrag, der am Mittwoch, 14. Februar, um 21.50 Uhr, bei ARTE ausgestrahlt wird, mehrere Kreative aus unterschiedlichen Ländern zu Wort kommen, die in Europa Exil gefunden haben.

Der berühmteste von ihnen, neben Mitgliedern des russischen Anti-Putin-Kunstkollektivs Pussy Riot, ist der chinesische Künstler Ai Wei Wei. Aufgrund seiner regierungskritischen Werke war er 2011 für 81 Tage gefangen gehalten, verhört und gefoltert worden. Seine Erfahrung verarbeitete er in seiner Kunst. Bei Ai Wei Wei stehen die für China wichtigen Themen Menschenrechte und freie Meinungsäußerung im Zentrum, sein Werk ist oft provokant. Im Film äußert er sich einmal mehr kritisch, auch den Europäern und ihrem selektiven Umgang mit Exilsuchenden gegenüber.

Die junge ukrainische Balletttänzerin Anastasiia Ilnytska floh vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland. Sie tanzt im neu gegründeten Kammerballett in Hamburg mit weiteren jungen Flüchtlingen. (Bild: Jonny Müller-Goldenstedt/Gebrüder Beetz Filmproduktion)
Die junge ukrainische Balletttänzerin Anastasiia Ilnytska floh vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland. Sie tanzt im neu gegründeten Kammerballett in Hamburg mit weiteren jungen Flüchtlingen. (Bild: Jonny Müller-Goldenstedt/Gebrüder Beetz Filmproduktion)

Worte und Kunst sprechen für sich

Emotionaler präsentiert sich die in Hollywood erfolgreiche iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani. Exil sei wie der Tod, sagt die 40-Jährige, die in ihrer Heimat als Staatsfeindin und Agentin angeklagt worden war, nachdem sie 2008 an der Seite von Leonardo DiCaprio in "Der Mann, der niemals lebte" zu sehen war. Farahani möchte nicht politisch sein, sondern mit ihrer Kunst andere inspirieren und ihnen Hoffnung geben, erklärt sie. Seit 2009 lebt sie in Paris, doch ihr Zuhause sei die Liebe in ihr, kein Ort.

Ergreifend erzählt sie davon, dass das Exil Freiheiten erlaube, Betroffenen aber auch das Recht nehme, die eigenen Eltern zu begraben. Ähnliches berichtet auch die junge ukrainische Balletttänzerin Anastasiia Ilnytska, die vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Hamburg floh. Hier tanzt sie mit anderen jungen Flüchtlingen im für sie neu gegründeten Kammerballett. In ihrem völlig neuen Leben sei der Tanz ein kleiner Teil aus ihrem alten, verrät die junge Frau, die im Übrigen den Begriff "Zwangsmigration" bevorzugt, denn "Exil" beinhalte, dass man seine Heimat freiwillig verlassen habe, so Ilnytska.

Berührend ist auch die Geschichte des ägyptisch-sudanesischen Karikaturisten Anwar, der 2019, nach dem Scheitern des Arabischen Frühlings wegen seiner kritischen Zeichnungen aus Ägypten ausgewiesen wurde. Seither lebt er in Deutschland, führt seine politische Kunst fort. Dass er hier plötzlich als Schwarzer gesehen wurde, war eine neue negative Erfahrung für Anwar, dessen Familie seit vier Generationen in Ägypten lebt. Den Sudan besucht er im Film nun zum ersten Mal. Eine emotionale Reise und neue Inspiration für seine Kunst.

Regisseurin Nuray Sahin beweist bei der Auswahl ihrer so unterschiedlichen Protagonisten ein gutes Händchen. Deren Worte und Kunst für sich sprechen zu lassen, ohne allzu viel zu kommentieren oder zu erklären, erweist sich als große Stärke des Films, in dem allerdings die generellen Erfahrungen als Exilanten zuweilen einen größeren Schwerpunkt einnehmen als die Frage nach den künstlerischen Möglichkeiten im Exil.

Die Schauspielerin Golshifteh Farahani entfloh der Unterdrückung in ihrer Heimat Iran, wo sie als Staatsfeindin und Agentin angeklagt wurde, nachdem sie 2008 im Hollywoodfilm "Der Mann, der niemals lebte" mit Leonardo DiCaprio gespielt hatte. Sie lebt heute in Paris. (Bild: Daniel Lam/Gebrüder Beetz Filmproduktion)
Die Schauspielerin Golshifteh Farahani entfloh der Unterdrückung in ihrer Heimat Iran, wo sie als Staatsfeindin und Agentin angeklagt wurde, nachdem sie 2008 im Hollywoodfilm "Der Mann, der niemals lebte" mit Leonardo DiCaprio gespielt hatte. Sie lebt heute in Paris. (Bild: Daniel Lam/Gebrüder Beetz Filmproduktion)