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Fünf Gangster, sechs Geiseln, eine Bank: So gut ist die neue Serie von "4 Blocks"-Star Kida Ramadan

Geisel Vanessa (Ruby O. Fee) muss als Schutzschild für die Bankräuber Barro (Veysel Gelin, links), Keko (Kida Khodr Ramadan, Mitte) und Stulle (Frederick Lau) herhalten. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)
Geisel Vanessa (Ruby O. Fee) muss als Schutzschild für die Bankräuber Barro (Veysel Gelin, links), Keko (Kida Khodr Ramadan, Mitte) und Stulle (Frederick Lau) herhalten. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)

Dem ewigen Gangster Kida Khodr Ramadan glückt in der ARD Mediathek ein atembraubendes Bankräuber-Experiment: "Testo" ist ein rastloser Thriller in sieben aufregenden Akten.

Einmal Gangster, immer Gangster. Trotzdem ist alles anders in der neuen Serie von Kida Khodr Ramadan. "Testo" ist ein experimentelles Thrillerformat, das am Freitag, 2. Februar, in der ARD Mediathek und am späten Abend auch kompakt an einem Stück im Ersten (ab 22.20 Uhr) in sieben etwa viertelstündigen Episoden zeigt, wie ein Banküberfall aus dem Ruder laufen kann. Oder wie es "4 Blocks"- Star Ramadan in seiner Rolle als Keko ausdrückt: "Es ist ganz normal, dass das SEK da ist. Das ist ein Banküberfall. Was ist denn los mit euch?"

Die Aufregung seiner Kumpel kann Keko jedenfalls nicht verstehen. Die fünf Freigänger der JVA Moabit haben in Berlin eine Bank überfallen und sich mit sechs Geiseln verschanzt. Das war so nicht geplant, aber ist nun mal nicht zu ändern. Man muss nun zusammen das Beste aus der Situation machen. Was allerdings bedeutet, dass viele schlechte Entscheidungen getroffen werden.

Co-Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller Kida Khodr Ramadan lässt sich in "Testo" treiben. Fest stand die Grundidee: fünf Gangster, sechs Geiseln, eine Bank. Die Drehbücher, die Ramadan mit Jonas Hartmann, Christoph Gampl und Olivia Retzer schrieb, ließen Raum für Improvisation. "Freestyle" sei das Motto für die Umsetzung gewesen, heißt es bei den Serienmachern, die den Darstellern und Darstellerinnen ziemlich viele Freiräume ließen.

Keko (Kida Khodr Ramadan, Mitte) plant mit seinen Kumpeln Stulle (Frederick Lau, links) und Pepsi (Stipe Erceg) ein großes Ding, um nicht mehr in den Knast zurück zu müssen. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)
Keko (Kida Khodr Ramadan, Mitte) plant mit seinen Kumpeln Stulle (Frederick Lau, links) und Pepsi (Stipe Erceg) ein großes Ding, um nicht mehr in den Knast zurück zu müssen. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)

Große Freiheiten beim Dreh

"Wir waren in dieser Bank und haben die Schauspieler um uns versammelt, mit denen wir gerne und gut arbeiten", erläutert Kida Ramadan den Ansatz. "Wir haben gesagt: Lasst uns diese Geschichte zusammen erzählen. Wenn ihr Ideen habt, dann bringt sie ein. Wir waren ganz offen, haben größtmögliche Freiheit erlaubt."

Die Drehbücher sind vor allem eine Richtlinie gewesen, "verhandelbar", sagt Ramadan. "Mir ist es lieber, wenn am Set etwas Aufregendes und Spannendes entsteht, als wenn man sich sklavisch an das Geschriebene klammert." Das Gerüst sei gut gewesen, aber beim Drehen ist etwas ganz Eigenes entstanden, "das viel besser war".

Einen Anteil daran hatte Ramdans Co-Regisseurin und Co-Autorin Olivia Retzer. Auch ihr war Beweglichkeit ganz wichtig: "Keiner sollte auf seinen Positionen verharren." Deswegen wurde das Drehbuch im Verlauf des Drehs immer wieder angepasst, neue Ideen wurden aufgenommen. "Teilweise", erinnert sich Retzer, "habe ich mit den Schauspieler:innen der Geiseln abgesprochen, spontan überraschende Dinge zu sagen, um die Darsteller der Gangster zu fordern und authentische Reaktionen zu bekommen."

In der Bank müssen die Geiseln Edith (Kathrin Angerer, links), Vanesssa (Ruby O. Fee, Mitte) und Tanju (Tanju Bilir) durch die Hölle gehen. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)
In der Bank müssen die Geiseln Edith (Kathrin Angerer, links), Vanesssa (Ruby O. Fee, Mitte) und Tanju (Tanju Bilir) durch die Hölle gehen. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)

Who-is-Who der deutschen Filmprominenz

Herausgekommen ist eine Serie, die stets unberechenbar ist, auch wenn man davon ausgehen kann, dass Ramadan nicht umsonst alte Bekannte anheuerte, um seinen filmischen Coup durchzuziehen. Die Gangster sind mit Frederick Lau, Stipe Erceg und den Rappern Veysel und Mortel besetzt, sie alle haben mit Ramadan schon bei "4 Blocks" oder der Knast-Serie "Asbest" zusammengearbeitet. Man versteht sich also. Der Rest der Besetzung ist ein Who-is-Who der deutschen Filmprominenz: Katharina Thalbach, Jeanette Hain, Nicolette Krebitz, Ronald Zehrfeld, Ruby O. Fee, Uwe Preuss spielen größere oder kleinere, immer aber uneitle Rollen.

Krebitz etwa spielt die Streifenpolizistin Sybille Fischer, die sich gerne Billy nennt und bei der Geiselnahme unverhofft den Polizeieinsatz leiten muss. Zumindest solange, bis die Gangster wegen offener Rechnungen ihren Lieblingsermittler anfordern: Sie verhandeln nur mit "Schweinebacke" (Zehrfeld) oder gar nicht. Eine tote Geisel verleiht ihrer Forderung Nachdruck.

Wenn in "Testo" jemand erschossen wird, dann ist das übrigens auf eine Art und Weise brutal, die realistischer ist als die überzogene Gewalt in vielen hochpreisigen Produktionen von Netflix, Amazon, Disney und Co. Es steht nicht das Bild des zerplatzenden Schädels einer anonymen Figur im Mittelpunkt, sondern die Tat und was sie mit den Menschen macht, die den Abzug drücken oder hilflos zusehen müssen.

Streifenpolizistin Billy (Nicolette Krebitz, links) ist als erste am Tatort - und wird von den Gangstern nicht ernst genommen. (Bild: ARD Degeto / Armin Franzen)
Streifenpolizistin Billy (Nicolette Krebitz, links) ist als erste am Tatort - und wird von den Gangstern nicht ernst genommen. (Bild: ARD Degeto / Armin Franzen)

Niemand ist smart, alle sind überfordert

Was den Echtzeit-Thriller so besonders macht, ist die Rast- und Ratlosigkeit. Glatt geht in "Testo" gar nichts. Die Gangster sind nicht smart, die Polizisten schon gar nicht. Hier liegen die Nerven liegen blank, und alle sind ständig am Limit. Die Geiseln sowieso aber auch die Gangster. Dynamiken in den Gruppe verschieben sich, und auch bei der Polizei ändern sich die Hierarchien.

Im Arbeitszeugnis der Beamten müsste übrigens der Satz "Sie waren stets bemüht" stehen: Sie können sich nie entscheiden, ob sie einfach überfordert oder völlig inkompetent sind. Wobei zur Entschuldigung gesagt werden muss, dass die Bankräuber einige merkwürdige Forderungen stellen und zum Beispiel Fußball mit dem Sohn spielen wollen.

"Bei einem Banküberfall ist immer alles anders als geplant", ist übrigens noch so eine Weisheit, die Keko seinen Kumpeln hinrotzt. Er wusste schon als Kind, welcher Beruf für ihn realistisch ist. Während seine Freunde auf dem Bolzplatz davon träumten, Pilot, Architekt, Tierarzt oder Bürgermeister zu werden, hat Keko seine Zukunft etwas präziser vorhergesehen: "Ich will eine Bank überfallen."

Statt mit Billy (Nicolette Krebitz) wollen die Geiselnehmer lieber mit dem eigentlich suspendierten "Schweinebacke" (Ronald Zehrfeld) verhandeln. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)
Statt mit Billy (Nicolette Krebitz) wollen die Geiselnehmer lieber mit dem eigentlich suspendierten "Schweinebacke" (Ronald Zehrfeld) verhandeln. (Bild: ARD Degeto / Marco Fischer)