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Tuchel? Ich verstehe das absolut

Liebe Fußball-Freunde, die Sorgen beim FC Bayern sind logischerweise enorm groß mit Blick auf die sich weiter zuspitzende Personalsituation beim Rekordmeister nach der Verletzung nun auch von Kingsley Coman. Du kannst mal jemanden von der einen auf die andere Position verschieben – aber jetzt, wo auch noch Konrad Laimer verletzt ist...

Die Liste ist lang, vor allem angesichts der Wochen der Wahrheit, die nun anstehen: Erst das Bundesliga-Topspiel gegen Bayer-Leverkusen am 10. Februar, dann die K.o.-Spiele in der Champions League gegen Lazio Rom. Das tut schon weh - und kann böse enden für den FC Bayern.

Was das Wortgefecht von FCB-Coach Thomas Tuchel mit der Bank des FC Augsburg beim hart erkämpften 3:2-Sieg angeht, kann ich nur sagen: Das gehört dazu, ich verstehe das absolut. Und, wie Tuchel das dann hinterher wegmoderiert hat: Absolut sympathisch.

Zur Verpflichtung des FC Bayern von Sacha Boey (23 Jahre alter französischer Abwehrspieler von Galatasaray Istanbul, mit Vertrag bis 2028, Anm. d. Red.): Sie haben Kieran Trippier nicht bekommen, deshalb ist es nun Boey geworden.

Ich finde die Lösung sehr gut, weil du einen jungen Spieler kriegst und eben keinen 33-Jährigen. Auch, wenn der vielleicht mehr Erfahrung hat und relativ schnell funktionieren dürfte in einer neuen Mannschaft, siehe Eric Dier.

Boey kann auf allerhöchstem Niveau performen

Ich habe Boeys Spiele der Bayern gegen Gala in der Champions League gesehen: Er kann auf allerhöchstem Niveau performen. Er wird schnell in den Rhythmus kommen.

Schwer tue ich mir dagegen bei der Bewertung der Bestrafung von Union Berlins Coach Nenad Bjelica, nach dessen Tätlichkeit gegen Leroy Sané, im Nachholspiel gegen die Bayern (0:1). Klar, das Verhalten war nicht richtig, er hätte sich sofort bei Sané entschuldigen müssen - das, wie auch die Aktion selbst, war ein Fehler.

“Ich fand auch gut, was Sané gesagt hat“

Man kann nun darüber diskutieren, ob er sich zu spät entschuldigt hat, aber er hat es dann ja getan. Die Leute müssen aber auch begreifen, was für ein unfassbarer Druck in diesem Geschäft herrscht, auf der Couch kannst du das als Fan nicht verstehen.

Von daher fand ich auch gut, was Sané gesagt hat, dass es halt immer Emotionen im Fußball gibt. Sané ist das ja selbst auch passiert beim Länderspiel gegen Österreich.

Die Union-Verantwortlichen haben nun reagiert und gesagt: Es gab eine Bestrafung, und nun arbeiten wir mit dem Trainer erst mal weiter.

Bjelica? „Die Strafe ist verhältnisgemäß“

Ich glaube, die Strafe ist verhältnisgemäß, auch wenn es natürlich fünf Spiele Sperre hätten sein können. Dazu gab es eine Geldstrafe.

Ich werde den Finger da nicht heben. Ich glaube, man kann auch mal darüber hinweggehen, verzeihen und sagen: So wurde das jetzt entschieden, und das kann man nun auch so akzeptieren.

Wie gesagt: Wir können immer über ein Strafmaß diskutieren. Und natürlich haben auch Trainer eine Vorbild-Funktion – doch das haben die Spieler doch auch, wenn du die Sache nun im Vergleich zu anderen Ausrastern bei Spielern siehst.

Bis bald,

Euer Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 gehört der 55-Jährige zum festen Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1.