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Faeser: «Höchste Zeit» für Demokratiefördergesetz

Berlin (dpa) - Bundesinnenministerin Nancy Faeser dringt vor dem Hintergrund des Kampfes gegen den Rechtsextremismus auf eine schnelle Verabschiedung des von der Regierung vorgelegten Demokratiefördergesetzes.

Die SPD-Politikerin sagte der «Rheinischen Post», jetzt müsste all denen den Rücken gestärkt werden, die die Demokratie stark und lebendig machten. «Das sind unzählige zivilgesellschaftliche Initiativen in unserem Land. Um sie dauerhaft und verlässlich zu unterstützen, brauchen wir endlich das Demokratiefördergesetz, das wir schon vor einem Jahr vorgelegt haben», sagte Faeser. «Der Bundestag sollte es jetzt beschließen. Es ist höchste Zeit dafür.»

Das Demokratiefördergesetz soll Vereine und Organisationen, die sich für die Stärkung der Demokratie und die Prävention von Extremismus einsetzen, künftig mit einer besseren finanziellen Grundlage ausstatten.

Faeser lobt Demos gegen Rechtsextremismus

Faeser begrüßte die neuerlichen Demonstrationen gegen Rechtsextremismus, bei denen bundesweit erneut Hunderttausende Menschen auf die Straße gingen. «Eine wache Zivilgesellschaft ist die stärkste Brandmauer gegen Rechtsextremisten. Auch an diesem Wochenende schlug das Herz unserer Demokratie auf unseren Straßen und Plätzen», sagte die Ministerin. «Dass gerade auch in kleinen Städten, gerade auch in den ostdeutschen Bundesländern, so viele Menschen Gesicht und Haltung zeigen, das ist Ermutigung und Auftrag zugleich», betonte die SPD-Politikerin.

Die Menschen erwarteten «ganz klar, dass wir uns als wehrhafter Rechtsstaat den Extremisten entgegenstellen und all diejenigen schützen, die Rassismus, Ausgrenzung und Hass erleben müssen». Für sie komme es daher weiter darauf an, «rechtsextreme Netzwerke zu zerschlagen, ihre Finanzquellen trockenzulegen, ihnen Waffen zu entziehen und Hetzer und Gewalttäter strafrechtlich hart zu verfolgen».

Appell der Nachfahren von NS-Widerständlern

Nachkommen deutscher Widerstandskämpfer haben gegen den Nationalsozialismus in einem Appell vor dem Zusammenbrechen der Demokratie gewarnt und mehr Engagement für eine offene Gesellschaft gefordert. «Es waren unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die sich dem NS-Unrecht damals als Widerstandskämpfer entgegengestellt haben», heißt es in dem Aufruf, den die «Berliner Morgenpost» im Wortlaut veröffentlichte. «Deshalb melden wir uns als Angehörige und Nachkommen heute zu Wort und fordern alle Mitbürger dazu auf, der Neuen Rechten in unserem Land und europaweit die Stirn zu bieten.» Alle sollten sich dafür verantwortlich fühlen, die liberale und rechtsstaatliche Demokratie zu bewahren und zu verteidigen.

Das Schreiben mit dem Titel «Aus der Geschichte lernen, die Demokratie stärken!» wurde von mehr als 280 Frauen und Männern unterzeichnet, unter anderem den Nachfahren von Dietrich Bonhoeffer, Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Carl Friedrich Goerdeler.

Weitere Demonstrationen

Auch heute sind in mehreren deutschen Städten Demonstrationen geplant. In Frankfurt am Main hat ein breites Bündnis zu einer Kundgebung am Römerberg aufgerufen. Dem Aufruf unter dem Titel «Frankfurt steht auf für Demokratie» haben sich mehr als 100 Organisationen angeschlossen, wie die Organisatoren mitteilten.