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Fahrer wird mit Laptop auf dem Roller erwischt – Polizei reagiert

Mobiles Arbeiten extrem

Unterwegs auf einem Motorroller sollte man sich eigentlich auf den Straßenverkehr konzentrieren – nicht auf ein Zoom-Meeting. (Symbolbild: Getty Images)
Unterwegs auf einem Motorroller sollte man sich eigentlich auf den Straßenverkehr konzentrieren – nicht auf ein Zoom-Meeting. (Symbolbild: Getty Images)

Ständige Erreichbarkeit über Messagingdienste und Smartphones, Überstunden der Karriere wegen, arbeiten bis zum Burnout: Die Hustle-Culture hat viele Arbeitnehmer*innen noch immer fest im Griff, zu verbreitet ist die Denkweise, dass man ständig arbeiten und sich uneingeschränkt einsetzen muss, um auf dem beruflichen Weg erfolgreich zu sein.

Während in Europa eine Abkehr davon zumindest ins Auge gefasst wird, die Gen Z einen größeren Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance legt und die 4-Tage-Woche immer größeren Anklang findet, sieht das in anderen Wirtschaftsregionen noch völlig anders aus. Wenn du also glaubst, dass du schon sehr hart "hustlest", wenn du abends auf der Couch dein Arbeitshandy neben dir liegen hast, zeigt ein kurioses Video auf X, dass es noch viel, viel krasser geht.

Darauf zu sehen? Ein Rollerfahrer, der während (!) der Fahrt auf den belebten Straßen der indischen Stadt Bengaluru (auch bekannt als Bangalore) seinen Laptop benutzt und anscheinend an einem Zoom-Meeting teilnimmt.

Mobiles Arbeiten extrem

Das Video, das der X-Account Peak Bengaluru kürzlich geteilt hat, lädt wahrlich zum Kopfschütteln ein: Unterwegs auf einem Motorroller hat ein Mann einen Laptop auf seinem Schoß platziert, auf dem Display ist zu erkennen, dass der während der Fahrt an einem Videocall teilnimmt. Die Verkehrssicherheit darf hier genauso infrage gestellt werden wie die Konzentrationsfähigkeit für das Meeting – und doch lässt schon der Name des Accounts, der das Video geteilt hat, vermuten, dass dieses Bild für die IT-Hauptstadt Indiens nicht allzu ungewöhnlich ist.

Peak Bengaluru postet regelmäßig Fotos und Videos aus der Hightech-Metropole, die zeigen sollen, dass die Welt hier ein bisschen anders aussieht. Laut ndtv.com machten so schon Videos die Runde, in denen Menschen im Kino oder auf dem Rücksitz eines Motorrads mit Laptop bei der Arbeit zu sehen waren. Freizeit? Fehlanzeige.

Arbeit ist hier das oberste Gebot, wie auch die Forderung des indischen Software-Unternehmers N. R. Narayana Murthy deutlich macht: Ende letzten Jahres hat er gegenüber der BBC gefordert, das junge Arbeitnehmer*innen 70 Stunden pro Woche arbeiten (wollen) sollten – ihrem Land zuliebe. "Das würde einem Arbeitstag von 14 Stunden bei einer Fünf-Tage-Woche beziehungsweise zehn Stunden bei einer Sieben-Tage-Woche entsprechen", wie die Technik-News-Seite t3n vorrechnet. Wo da noch Zeit zum Pendeln bleibt, von Erholungsphasen gar nicht zu sprechen? Offenbar gar nicht, weswegen Arbeitnehmer*innen auch schon Leib und Leben riskieren, um selbst bei der Fahrt auf einem Motorroller aktiv am Arbeitsalltag teilzunehmen.

Typisch Bengaluru: X-Nutzer*innen nicht überrascht

Das vermutet auch ein X-Nutzer, der unter dem Video kommentiert: "Der Junge muss für ein IT-Unternehmen arbeiten, weil er vielleicht Schwierigkeiten hat, seine 70 Stunden pro Woche vollzumachen." Wie riskant das ist, wird ebenfalls angemerkt: "Ein Kunden-Anruf und der Tod können jederzeit eintreffen."

Ein*e andere*r fühlt sich an den englischen Spruch "Riding the waves of productivity" (zu Deutsch: "Die Produktivitätswelle reiten") erinnert – in diesem Fall wohl eher wörtlich ausgelegt. Und auch das Wortspiel "Work-Bike-Balance" wird hier und da eingeworfen.

So unterhaltsam diese Kommentare sind, ist doch klar, dass hier nichts passiert, das in irgendeiner Form erstrebenswert ist – oder Nachahmer*innen finden sollte. Entsprechend beruhigend ist es auch, dass manche User*innen die Verkehrspolizei der Stadt Bengaluru unter dem Post verlinkt haben, die auch durchaus Interesse an dem Vorfall zeigt:

"Bitte teilen Sie uns die genauen Standortangaben mit."

Ein X-Nutzer gibt allerdings zu bedenken, dass womöglich nur Telefone im Straßenverkehr verboten sind, nicht aber Laptops – dann hätte der Fahrer sich hier ja gar nicht strafbar gemacht. Nur eben sein Leben und das seiner Mitmenschen riskiert, wie wir hinzufügen möchten.