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Faktencheck: Putins Behauptungen im umstrittenen Fox-Interview

Faktencheck: Putins Behauptungen im umstrittenen Fox-Interview

Das Interview von Wladimir Putin mit Ex-Fox News Moderator Tucker Carlson hat weltweit Aufsehen erregt. Der russische Präsident wiederholte nicht nur unwahre Aussagen über den Krieg in der Ukraine, sondern auch eine Reihe anderer falscher Behauptungen.

Wie Carlson das Interview arrangiert hat, wurde zudem in den sozialen Medien stark diskutiert und kritisiert.

Die Ukraine hat den Krieg begonnen

In dem umstrittenen Interview behauptete Putin wieder einmal, dass die Ukraine den Krieg begonnen habe und Russland ihn beenden wolle. Das entspricht nicht der Wahrheit.

Russland hat den Krieg ursprünglich 2014 begonnen, als es die Krim annektierte und später Teile der ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk besetzte. Im Februar 2022 begann Russland dann mit einer Invasion der gesamten Ukraine, trotz wiederholter Beteuerungen Putins, dass er nichts dergleichen plane. Russland ignoriert seitdem die Aufforderungen der UN und des Internationalen Gerichtshofs, sich zurückzuziehen.

Die Ukraine ist kein suveräner Staat

In den ersten 30 Minuten des Interviews präsentierte Putin ein Argument, das die Staatlichkeit der Ukraine leugnet und behauptet, die Ukraine sei ein historischer Teil Russlands.

Tatsache ist, dass die Ukraine ein souveräner Staat ist, der von den UN-Mitgliedern, einschließlich Russland selbst, anerkannt ist. Die jahrhundertealte Geschichte der Ukraine ist eine anerkannte historische Tatsache.

Schutz der russischsprachigen Bevölkerung

Putin sagte auch, dass der Konflikt notwendig sei, um die Ukraine zu "entnazifizieren", die russischsprachige Bevölkerung zu schützen und dass Ukrainer und Ukrainerinnen sich immer noch als Russen betrachten, was falsch ist.

Die ukrainische Nation kämpft gegen Russland. Sowohl die ukrainisch- als auch die russischsprachigen Bewohner:innen des Landes. Die Ukraine ist fest entschlossen, alle besetzten Gebiete zu befreien. Und verfolgt ihren eigenen Weg, bei der sie russische Einmischung ablehnt.

Keine Interviewanfragen an Putin?

Es war allerdings nicht nur Putin, der falsche Behauptungen aufstellte. Bei der Interviewankündigung sagte Carlson, er sei der einzige westliche Journalist, der seit Beginn der Invasion in der Ukraine versucht hat, mit Putin in Kontakt zu treten.

Das stimmt nicht. Verschiedene Journalisten haben erklärt, dass ihre Anfragen für ein Interview mit Putin wiederholt abgelehnt wurden.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, sagte, dass Carlson falsch liege. Sie haben viele Anfragen für Interviews mit Putin erhalten.

Die Todesliste der Ukraine

Eine weitere falsche Behauptung besagt, dass Carlson aufgrund des Interviews auf die "Todesliste" der Ukraine gesetzt worden sei. Dieser Tweet wurde über zwei Millionen Mal gesehen und suggeriert, dass Carlson nach dem Putin-Interview auf die Myrotvorets-"Todesliste" gesetzt wurde.

Die Myrotvorets-Liste ist ein unabhängiges Projekt, das vermeintliche Feinde der Ukraine aufspüren will. Zwar sind einige Menschen nach dem Eintrag auf der Liste gestorben, doch gibt es keine nachgewiesene Verbindung zwischen diesen beiden Fällen. Außerdem stand Carlson schon vor dem Interview auf der Liste.