Werbung

Fall Maddie McCann: Taucher finden Gegenstände in portugiesischem Stausee

Aktualisiert am 01.06., 13:20 Uhr

Maddie McCann gilt seit fast 16 Jahren als vermisst. Polizei-Taucher stießen nun bei einer Suchaktion in einem Stausee in Portugal, den der Hauptverdächtige Christian B. häufiger besucht haben soll, auf Gegenstände, die möglicherweise neue Hinweise geben könnten.

Maddie McCann verschwand in der Algarve in Portugal während eines Familienurlaubs (Bild: REUTERS/Hugo Correia)
Maddie McCann verschwand in der Algarve in Portugal während eines Familienurlaubs (Bild: REUTERS/Hugo Correia)

Gut 16 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden von Madeleine McCann im Süden Portugals hatten die zuständigen Ermittler eine neue Suchaktion begonnen. Dies sei vom deutschen Bundeskriminalamt (BKA) beantragt worden wie die portugiesische Kriminalpolizei mitgeteilt hatte. Hintergrund waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft "Entwicklungen in jüngster Zeit". Fokus der dreitägigen Suche war der Arade-Stausees unweit der Gemeinde Silves in Portugal. Dort hatte sich der verdächtige Deutsche Christian B. laut den Informationen der Ermittler oft aufgehalten.

Taucher finden mehrere Gegenstände

Bei den Tauchgängen in der vergangenen Woche wurden mehrere Gegenstände sichergestellt. "Ob einzelne der Gegenstände tatsächlich einen Bezug zu dem Fall Madeleine McCann haben, lässt sich derzeit noch nicht sagen", teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Donnerstag mit. Die Gegenstände sollen in den kommenden Tagen ausgewertet werden. Das Suchgebiet befindet sich rund 50 Kilometer nordöstlich der Ferienanlage des Badeortes Praia da Luz, aus der das britische Mädchen kurz vor ihrem vierten Geburtstag am 3. Mai 2007 spurlos verschwand. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen einen vorbestraften Deutschen. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass der heute 46 Jahre alte Christian B. das Mädchen entführt und getötet hat. Doch eine Leiche wurde nie gefunden.

Portugiesische Medien berichten vom Ufer des Arade Stausees, in dem die Suchaktion durchgeführt wurde. (Bild: Horacio Villalobos/Getty Images)
Portugiesische Medien berichten vom Ufer des Arade Stausees, in dem die Suchaktion durchgeführt wurde. (Bild: Horacio Villalobos/Getty Images)

Eltern von Maddie McCann geben die Hoffnung noch nicht auf

"Herzlichen Glückwunsch, Madeleine!", schrieben Kate und Gerry McCann in Onlinenetzwerken an ihre am 12. Mai 2003 geborene Tochter gerichtet. "Immer noch verschwunden. Du fehlst uns immer noch sehr. Wir suchen immer noch weiter. So lange, wie es nötig ist."

In dem Video anlässlich von Maddies Geburt vor 20 Jahren schrieben ihre Eltern: "Wir lieben Dich, und wir warten auf Dich. Wir werden Dich niemals aufgeben." Der auf Facebook und Youtube veröffentlichten Erklärung fügten sie ein Video bei, in dem die Öffentlichkeit aufgerufen wird, bei den Ermittlungen zu Maddies Verschwinden mitzuhelfen.

Der Fall Madeleine McCann - alle Infos und Hintergründe

Es ist der Albtraum aller Eltern: Sie kommen in das Zimmer, in dem sie ihr Kind zurückgelassen haben, und plötzlich ist es weg. So soll es im Fall Maddie McCann passiert sein. Die damals dreijährige Tochter der britischen Familie McCann verschwand während eines Familienurlaubs aus einem Ferienappartement in Praia da Luz an Portugals Südküste. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens bewegt auch heute noch die Welt – vermutlich auch deshalb, weil Maddies Eltern immer noch nach Antworten suchen.

Es ist der 3. Mai 2007: Kurz vor ihrem vierten Geburtstag verschwindet Madeleine McCann – von allen Maddie genannt. Die Eltern Kate und Gerry McCann gehen im Ocean Club zum Abendessen, während Maddie und ihre zwei Geschwister im Hotelzimmer schlafen. Die Mutter bemerkt nach eigenen Angaben bei einem Kontrollgang das Verschwinden des Mädchens. Die McCanns starten eine weltweite Medienkampagne und bitten um Mithilfe bei der Suche nach der vermissten Maddie. Auf der Webseite "Find Madeleine" sammelt die Familie Hinweise und Spenden, die bei der Aufklärung des Falls helfen sollen.

Kate und Gerry McCann. (Bild: Steve Parsons - PA Images/PA Images via Getty Images)
Kate und Gerry McCann. (Bild: Steve Parsons - PA Images/PA Images via Getty Images)

Das Mädchen wurde nie gefunden, ihre Leiche auch nicht. Ob sie noch am Leben ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Ihre Eltern geraten kurz nach Maddies Verschwinden ins Visier der Ermittler. Es wird vermutet, sie könnten ihre Tochter versehentlich getötet haben und versuchen wollen, die Tat auf diese Weise zu vertuschen. Weil sie über eine mögliche Tatbeteiligung der Eltern berichten, müssen britische Medien Kate und Gerry McCann eine Entschädigung in Höhe von 550.000 Pfund zahlen. Die portugiesische Polizei hebt den Status des Paares als Tatverdächtige kurze Zeit später auf.

Fall Maddie eingestellt und wieder aufgenommen

Weil es kaum noch neue Hinweise und Spuren gibt, stellt die portugiesische Polizei die Ermittlungen im Fall Maddie am 21. Juli 2008 ein. Doch im Laufe der Jahre gibt es immer wieder neue Hinweise auf mögliche Tatverdächtige. 2009 führt eine Spur die Ermittler zu einem 64-jährigen Sexualstraftäter aus Aachen, der sich zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden an der Algarve aufgehalten haben soll, doch der Verdacht bestätigt sich nicht. Auch zwei weitere Männer aus Deutschland werden verdächtigt. Es bleibt aber eine Sackgasse. Eine weitere Spur führt nach Griechenland, leider ebenfalls ohne Ergebnis.

Sogar US-Talkstar Oprah Winfrey hilft bei der Suche nach Maddie McCann. 2010 präsentiert sie dem Publikum in ihrer Sendung ein computergeneriertes Bild, das zeigen soll, wie Maddie möglicherweise im Alter von sechs Jahren aussieht. Auch Scotland Yard glaubt, das Mädchen könne noch am Leben sein. Es wird ein weiteres Foto veröffentlicht, das Maddie mit neun Jahren zeigen soll.

2013 dann eine erneute Wende. Maddies Eltern erscheinen in der Fernsehshow "Aktenzeichen XY…ungelöst" und bitten um Mithilfe. Hunderte von neuen Hinweisen trudeln ein, darunter auch einer, der zu dem Mann führt, der am 3. Juni 2020 als Verdächtiger genannt wird. Die portugiesische Polizei nimmt die Ermittlungen wieder auf. 2014 entschließen sich die Ermittler, an dem Ort zu graben, an dem Maddie verschwand, doch leider ebenfalls ohne Ergebnis.

Ermittlungen gegen Tatverdächtigen Christian B.

Seit Juni 2020 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Christian B., einen Sexualtäter aus Braunschweig. Die Polizei glaubt, dass der Deutsche Maddie verschleppte und tötete. Das sagte der leitende BKA-Ermittler Christian Hoppe in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY…ungelöst". Man habe "nicht einfach nur Hinweise, sondern belastbare Indizien dafür, dass das Mädchen getötet wurde", sagte der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters gegenüber der SZ. "Es gibt Beweise, aber eben nicht forensisch."

Der Mann lebte ganz in der Nähe, als Maddie McCann aus dem Ferienapartment mutmaßlich verschleppt wurde. Mit seinem Handy war er im Umkreis des Tatorts eingeloggt. Eine Anklage gibt es bisher noch nicht.

Tatverdächtiger im Fall Maddie McCann: Wer ist Christian B.?

Instagram-Account aus Polen sorgt für neue Aufmerksamkeit

Anfang 2023 behauptete die Polin Julia Faustyna dann die vor 16 Jahren verschwundene Maddie McCann zu sein. Sie teilte auf ihrem inzwischen gelöschten Instagram-Kanal Bilder, die Ähnlichkeiten mit dem Mädchen zeigen sollen.

Sie selbst sei sich nicht sicher, ob sie das vermisste Mädchen sei, aber sie suche nach Antworten und wurde von der polnischen und britischen Polizei bisher ignoriert. Die 21-Jährige vergleicht individuelle Merkmale, zeigt sogar, dass sie das gleiche sogenannte Kolobom, eine Spaltbildung im Bereich des Auges, zu haben scheint.

Sie teilte auch ein Bild von sich aus ihrer Kindheit und ein computergeneriertes Bild, das der Daily Star von Maddie McCann veröffentlichte. Doch könnte sie wirklich Maddie McCann sein?

Die Frau wuchs in Polen auf und hatte nach eigenen Angaben lange nichts von dem Fall des vermissten Mädchens gehört. Sie stieß bei ihren eigenen Ermittlungen darauf, weil sie anfing, ihre Identität zu hinterfragen. Ihre Eltern hätten sich immer wieder in Widersprüche verstrickt.

"Ich erinnere mich nicht an den größten Teil meiner Kindheit, aber meine früheste Erinnerung ist sehr deutlich", schreibt Julia auf Instagram. Sie erinnere sich an warme Orte, an denen es Strände, Schildkröten und sehr helle Gebäude gab. Aber: "Ich sehe meine Familie nicht in dieser Erinnerung", sagt sie.

War Julia Opfer eines Sexualverbrechens?

Sie könne sich allerdings daran erinnern, als Kind missbraucht worden zu sein. Das Foto der Person, die für den Missbrauch verantwortlich sein soll, habe sie auf der Webseite "Find Madeleine" gefunden. Dabei handelt es sich um eine tatverdächtige Person im Fall Maddie McCann. Ein Foto der Person teilte Julia ebenfalls auf Instagram. Wer durch Julias Instagram-Profil scrollte, konnte tatsächlich Ähnlichkeiten mit Maddie McCann entdecken.

Ist Julia wirklich Maddie McCann? Gesichtserkennung schließt es aus

Laut Christian Fehrlin, CEO und Gründer von Ava-X, einem Hersteller von Gesichtserkennungssoftware aus der Schweiz, könne auch ohne DNA-Test ausgeschlossen werden, dass es sich bei Julia und Maddie um ein und diesselbe Person handele. „Es ist nahezu ausgeschlossen, dass diese Frau Maddie McCann ist“, sagte Christian Fehrlin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) im Februar 2023, „zu 99 Prozent“.

Laut seiner Software sei es abwegig, dass es sich bei Maddie McCann und Julia um die gleiche Person handeln könnte. Nicht nur die Nasenpartie sei demnach anders, auch die Augenbrauen hätten eine andere Form und die Augen seien bei Maddie McCann deutlich weiter auseinander als im Gesicht von Julia.

Julia Faustyna ist nicht die vermisste Maddie

Nach Medienberichten zeigt ein DNA-Test aber eindeutig, dass es sich bei der 21-jährigen Polin nicht um das vermisste Mädchen handeln kann. "Es gibt momentan nichts zu berichten", sagte ein Sprecher der Familie gegenüber der "New York Post". "Sollte dies doch der Fall sein, wird es von der Metropolitan Police kommen."

Mit ihren Behauptungen hatte Faustyna tausende Follower auf den Sozialen Medien gesammelt und war in der US-Talkshow von Dr. Phil aufgetreten. Ihre Sprecherin, Fia Johansson, äußerte sich ebenfalls zu den Resultaten der gerichtsmedizinischen DNA-Analyse. "Die Test-Ergebnisse zeigen, dass sie zu 100 Prozent polnischer Abstammung ist mit zu vernachlässigenden Einflüssen aus Litauen und Russland." Dabei betonte Johansson aber, dass es Faustyna nie um Internet-Ruhm gegangen sei. "Sie hat wirklich geglaubt, was sie gesagt hat und mit so vielen Fragen zu ihrer Kindheit ist es leicht zu verstehen, wodurch das entstanden ist."

Wurde Faustyna nach Polen verschleppt?

Noch vor wenigen Wochen hatte Johansson gegenüber "RadarOnline.com" gesagt: "Wir haben im Moment eine Menge Beweise, die zeigen, dass Julia definitiv von einer internationalen Sexhandelsgruppe aus einem anderen Land nach Polen verschleppt wurde." Anfang März erklärte Polizeichef Pawel Noga von der Landespolizeidirektion in Breslau jedoch gegenüber der polnischen Nachrichtenagentur Gazeta, dass „ausgeschlossen" werden könne, dass Julia wirklich Maddie sei. Zwar würden die Ermittlungen weiter andauern, es gebe aber bereits jetzt zahlreiche Zweifel an der Geschichte der 21-Jährigen, wie er gegenüber "Gazeta.pl" sagte der Breslauer Polizeichef Paweł Noga. Der DNA-Test scheint nun sämtliche Zweifel auszuräumen.

(mit AFP/dpa)

Im Video: Verdächtiger im Fall Maddie McCann - Grausame Details und eine neuer Zeugenaufruf