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Fischer prangern «Aal-Gemetzel» bei Hochrhein-Kraftwerk an

Zürich (dpa) - Mit erschreckenden Bildern von verstümmelten und verendeten Aalen prangert der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) das Tierleid im Hochrhein an. Es geht um Aale, die in den Turbinen des Kraftwerks Schaffhausen verletzt werden. Der Verband spricht von einem «qualvollen Aal-Gemetzel». Die Aale lägen zerstückelt im Wasser, mit gebrochenen Wirbelsäulen, sagt SFV-Geschäftsführer David Bittner der Deutschen Presse-Agentur. «Manchen sieht man die Verletzung nicht an, aber sie winden sich und verrecken elendig.»

Der Verband, die Dachorganisation Schweizer Fischerinnen und Fischer, fordert seit vielen Jahren Maßnahmen. Er will auch, dass auf deutscher Seite keine jungen Aale mehr im Bodensee ausgesetzt werden. Mit Artenschutz habe das nichts zu tun, sagt Bittner. Sie würden nur aus wirtschaftlichen Gründen, insbesondere für die Berufsfischer, ausgesetzt. In der Schweiz ist der Aal-Fang seit Ende 2020 verboten. Aale sind dort als vom Aussterben bedroht eingestuft. «Ein Aalfangverbot wäre ein vernünftiger Schritt», sagt Bittner. «Aber für den Aal ist das überhaupt nicht die Maßnahme, die ihn rettet. Ihn bringen die Turbinen um.»

Hunderte verendete Aale seien dieser Tage am Ufer bei Rüdlingen gegenüber der Mündung der Thur zu sehen, «aber das ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt Bittner. Viele trieben ungesehen auf dem Grund. Zwischen November und Februar könnten Zehntausende Aale verenden.

Aale wandern in den Wintermonaten Richtung Rheinmündung und weiter zur Sargassosee vor der Küste des US-Bundesstaates Florida. Dort pflanzen sich die Tiere im Alter von 15 bis 20 Jahren einmal in ihrem Leben fort. Die kleinen Aale wandern dann zurück.

Verband verlangt fischfreundliche Turbinen

Im Bodensee werden auf deutscher Seite Aale ausgesetzt. Von denen, die in die Sargassosee wandern wollen und nicht gefangen werden, verendeten mehr als 90 Prozent bei der ersten Turbinenpassage, sagt Bittner. Dahinter kommen zahlreiche weitere Kraftwerke. Praktisch kein Aal überlebe bis zur Rheinmündung. Für die Aale werde nichts getan, bemängelt der Verband.

Marco Nart, Sprecher des Kraftwerks Schaffhausen, sagt, beim Fischabstieg Richtung Mündung gebe es noch keine praxistauglichen Lösungen. Laut Gewässerschutzgesetz müssten «ökologische Beeinträchtigungen, beispielsweise bei der Fischwanderung», erst bis 2030 beseitigt werden.

Der Fischerei-Verband verlangt langfristig fischfreundliche Turbinen, die nicht nur kleine Fische, sondern auch die bis zu einem Meter langen Aale schützen können. Eine andere Möglichkeit sei es, Aale vor dem ersten Kraftwerk zu fangen und Hunderte Kilometer weiter hinter dem letzten Rheinkraftwerk vor der Mündung wieder auszusetzen.

Nart nennt drei Lösungsansätze, an denen die Wasserkraftbranche arbeite: Ein «Aal-Taxi», wie er sagt, also das Abfischen vor den Turbinen und Aussetzen hinter den Kraftwerken, die zeitweise Einschränkung des Kraftwerkbetriebs während der Aalwanderungen oder ein physisches Hindernis, das die Aale um das Kraftwerk herum leitet.