In nur sechs Jahren: Forschende wollen Wollhaarmammut "wiederbeleben"

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Es geht nicht nur darum, eine ausgestorbene Art wiederzubeleben. Das Biotech-Startup "Colossal" hat weitaus größere und ehrgeizigere Ziele.

Ben Lamm (li.).und George Church wollen Mammut wiederbeleben
Ben Lamm (li.).und George Church wollen mit ihrem Biotech-Start-Up "Colossal" das Wollhaarmammut auf die Erde zurückholen. (Bild: AP / Business Wire)

Dauert es nur noch sechs Jahre, bis der filmgewordene Traum von "Jurassic Park" Realität wird? Zumindest, wenn es nach Tech-Unternehmer Ben Lamm und Harvard-Genetiker George Church geht. Sie wollen ein ausgestorbenes Tier wiederbeleben.

Das Wollhaarmammut soll zurückkehren

Die Idee trägt Church seit vielen Jahren mit sich herum, bislang fehlte ihm aber das nötige Kleingeld. Das hat sich nun geändert, wie diese Woche unter anderem CNBC berichtet. Demnach haben die beiden Visionäre insgesamt 15 Millionen US-Dollar (rund 13 Millionen Euro) an Investitionen eingesammelt und finanzieren damit das gemeinsame Start-Up "Colossal".

Es hat zum Ziel, in nur sechs Jahren das ausgestorbene Wollhaarmammut wiederzubeleben. Oder zumindest ein Tier zu erschaffen, das dem ausgestorbenen Elefanten-Vorfahren sehr nahekommt.

Idee begeistert schon lange

Im Interview mit CNBC sagt Church, der die "Robert Winthrop-Professur" für Genetik an der medizinischen Fakultät von Harvard innehat, dass ihm die Mammut-Idee schon vor langer Zeit kam: "Wir konnten dafür in den vergangenen 15 Jahren aber gerade Mal 100.000 US-Dollar (rund 85.000 Euro) an Investitionen gewinnen. Was weit weniger ist, als wir für andere Labor-Projekte an der Uni gesammelt haben. Deshalb blieb es lange nur ein Traum." Dennoch sei die Begeisterung für die Idee immer da gewesen.

Allerdings, schreibt CNBC, ist Church neben seiner Lehrtätigkeit in der Zeit nicht untätig gewesen: Er gründete bislang über 20 Unternehmen und hält über 100 Patente.

Gewinnabsicht – aber erst in der Zukunft

Dank Ben Lamm kommt jetzt mindestens ein Unternehmen und vielleicht das ein oder andere Patent hinzu. Denn Lamm kontaktierte Church vor rund zwei Jahren, nachdem er von dem unterfinanzierten Mammut-Projekt gelesen hatte und witterte darin eine Geschäftsidee. Seither konnte er ebenfalls zahlreiche Investor*innen davon überzeugen – so wurden aus 150.000 US-Dollar die jetzt verkündeten 15 Millionen US-Dollar.

Auch wenn es sich bei "Colossal" um ein Unternehmen mit Gewinnabsicht handelt, sind die Investor*innen vorerst nicht auf sofortige Rendite aus. Lamm sagt dazu im Interview mit CNBC: "Niemand von den Investor*innen will das schnelle Geld machen, und das ist großartig."

Sechs Jahre dauert es mindestens

Für ihr Vorhaben, ein Mammut wiederzubeleben, geben sich die beiden Unternehmer mindestens sechs Jahre. Dann wollen sie ein erstes Jungtier erschaffen haben. Weil ihnen aber nicht ausreichend genetisches Material zur Verfügung steht, können sie das Wollhaarmammut nicht klonen. Ihr Plan ist deshalb, Urzeit-Gene mit Genen des Asiatischen Elefanten zur kombinieren – sie kreieren also genau genommen eine neue Art. Diese wollen sie dann in arktischen Regionen in Nordkanada, Alaska und Sibirien aussiedeln und auf diese Weise zerstörte oder geschädigte Ökosysteme renaturieren.

Nicht einfach nur Arten wiederbeleben

Das übergeordnete Ziel von Church und Lamm ist demzufolge komplexer, es endet nicht beim "de-exctinction" – also der Umkehr des Arten-Aussterbens. Sie wollen mit ihrer Technologie von genetischen Neukombinationen einige große Probleme der Menschheit lösen.

Das "Neo"-Wollhaarmammut soll etwa den Klimawandel verlangsamen und gleichzeitig den Fortbestand der gefährdeten Asiatischen Elefanten sichern. Denn die Elefanten würden heute, erklärt Church, vor allem durch zwei Faktoren gefährdet: Das Herpes-Virus, das unter der Art weitverbreitet ist, und der Nähe zum Menschen. Die neue Art soll deshalb an ein neues Gebiet, die Arktis, angepasst werden. Was dank des Mammut-Fells möglich sein wird. So kann es sich weit entfernt von menschlichem Einfluss ausbreiten. Gleichzeitig soll die neue Art gegen das Herpes-Virus immun sein.

Tundra soll aussehen, wie vor Zeitalter des Menschen

In den arktischen Regionen soll sich das Mammut aber nicht einfach nur vermehren, sondern gleichzeitig das dortige Ökosystem zum Positiven zurück-verändern: Ziel ist, dass beispielsweise die russische Tundra wieder wie in prähistorischen Zeiten aussieht – mit hellem Steppengras bewachsen und nicht mit dunkleren Koniferen-Gewächsen, die dort heute dominant sind. Das Mammut soll die kleineren Bäume umknicken und damit das Wachstum der Gräser fördern. 

Das hätte laut Church einen gewaltigen Effekt – das hellere Gras würde im Vergleich zu den dunkleren Bäumen weit mehr Sonnenstrahlen, und damit Wärme, reflektieren. Dadurch würde das gesamte Ökosystem abkühlen und die dortigen Permafrostböden geschützt. Das ist wichtig, weil darin Unmengen an Methan gespeichert ist, ein stark klimawirksames Treibhausgas. "Methan wirkt 30-fach schlimmer als Kohlenstoffdioxid bezogen auf den Klimawandel", sagt Church.

Mammut nur der Anfang

Klimaschutz durch das Wollhaarmammut soll für Colossal dabei nur der Anfang sein. Church hofft, dass er noch viel mehr Tier- und Pflanzenarten wiederbeleben kann und damit weitere akute Probleme der Gegenwart angehen. Denn, so heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens, jeden Tag würden geschätzt 150 Arten aussterben. Deshalb könne die Innovation gar nicht schnell genug kommen und zum Wohle eingesetzt werden.

Im Video: Sensationsfund in Sibirien - Fischer entdecken Mammut-Skelett mit Gewebe und Haaren

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