Frau von U-Bahn erfasst: Tunnel wäre Rettung gewesen

 

Diese Sicherheitsnische hätte der Frau das Leben retten können. (Bild: MVG)

Eine Touristin aus den USA ist in München auf die U-Bahn-Gleise gefallen. Ihr Lebensgefährte versuchte noch sie zu retten, doch die U-Bahn fuhr ein und erfasste die Frau. Sie starb noch am Unfallort. Der Rettungstunnel unter dem Sicherheitsstreifen hätte der Frau das Leben gerettet.

Es war ein tragischer Unfall, der sich an den U-Bahn-Gleisen im Herzen Münchens abspielte. Auf den Videoaufzeichnungen, die der Polizei vorliegen, zeigten sich die letzten Sekunden der Touristin aus Florida. Die 63-Jährige wollte die Zuganzeige lesen und ging deshalb einige Schritt rückwärts. Dabei stürzte sie auf das Gleis. Ihr Lebensgefährte griff bereits nach ihrer Hand, um sie wieder hochzuziehen. Doch in diesem Moment fuhr eine U-Bahn ein und erfasste die Frau. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Auf dem Bahnsteig befanden sich an diesem Vormittag zahlreiche Fahrgäste. 15 Personen mussten den Unfall mit eigenen Augen sehen und erlitten einen Schock. Der Lebensgefährte der Getöteten und der 36-jährige U-Bahnfahrer standen nach dem Unfall unter Schock und mussten - ebenso wie die Augenzeugen - vom Kriseninterventionsteam der Feuerwehr betreut werden. Die beiden amerikanischen Touristen, die sich auf einer Europa-Reise befanden, wussten nichts von dem Rettungstunnel, der sich unter dem Sicherheitsstreifen des Bahnsteigs befindet. Personen, die aufs Gleis stürzen und es nicht mehr rechtzeitig zurück auf den Bahnsteig schaffen, können sich zur Seite rollen und sich somit vor der einfahrenden U-Bahn in Sicherheit bringen.

Netzgemeinde diskutiert über kaum bekannten Rettungstunnel

Der Pressesprecher des Münchner Verkehrsgesellschaft Matthias Korte betont gegenüber Yahoo, dass immer wieder auf derartige Sicherheitsmaßnahmen aufmerksam gemacht werde. So habe es in der Vergangenheit Sicherheitswochen gegeben, die u.a. auf die sogenannten Sicherheitsnische oder die Notrufsäulen aufmerksam machen. Auch auf den Bildschirmen werde regelmäßig darauf aufmerksam gemacht, versicherte er. Doch auf Facebook beklagen zahlreiche Nutzer ihr Unwissen bezüglich der Sicherheitsnische. Ein Kommentar lautet: "Schön, dass es diesen Rettungstunnel gibt. Weiß da überhaupt jemand von? Haben wir so etwas womöglich auch in Berlin?"

Auch von regelmäßigen Informationen scheinen viele Nutzer nichts bemerkt zu haben. So finden sie, dass kaum über diese wichtige Rettungsmaßnahme berichtet wird: „Vielleicht wäre es eine gute Idee, auf den Videoleinwänden und in den Fahrplankästen und auf den Bildschirmen in der Bahn regelmäßig auf diese Rettungstunnel hinzuweisen, ohne Sprache und damit international verständlich. Sicherheitshinweise sind wichtiger als Aktienkurse. Edit: ich wusste bis eben auch nichts von einem Tunnel.“ Ein anderer Nutzer führt internationale Beispiele an, die ihm zufolge mehr Sicherheit gewährleisten: „Warum man lieber regelmäßige Todesfälle in Kauf nimmt, anstatt sensible und überfüllte Knotenpunkte, wie Sendlinger Tor, Marienplatz oder Hbf. mit Bahngleis-Schutzwänden nach dem Vorbild Tokio oder Hong Kong auszustatten, ist mir schon länger ein unbegreifliches Rätsel.“