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Gaza: Nicht genug Essen - Israel lässt Männer nur mit Windeln bekleidet frei

UN-Vertreter beklagen weiterhin, dass nicht genug Hilfslieferungen die 2,3 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner im Gazastreifen erreichen. Waren es vor dem Krieg etwa 500 LKW pro Tag, die die Menschen in Gaza versorgt haben, kommen zur Zeit nur ein paar Dutzend beim Übergang Rafah an der Grenze zu Gaza durch. Es fehlt den Menschen an Essen, an Medikamenten, an Wasser und an Treibstoff. Viele leiden Hunger.

"Im automatischen Survival-Modus"

Philippe Lazzarini, der Generalkommissar des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), sagte zur Lage der Menschen im Gazastreifen: "Heute scheinen sie sich in einer Art automatischem Survival-Modus (Überlebensmodus) zu befinden. Sie sehen erschöpft aus. Sie können nicht wirklich schlafen. Es ist kalt, man ist auf der Straße. Es gibt Drohnenangriffe. Sie werden bombardiert. Sie sind alle besorgt, nicht nur um das tägliche Überleben, sondern, wie es scheint, auch mehr und mehr um die Zukunft."

An diesem Freitag forderte der niederländische Regierungschef Mark Rutte seinen israelischen Amtskollegen Benjamin Netanjahu am Telefon dazu auf, mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen zu lassen. Rutte sagte auch, Israel müsse die Gewalt gegen die Palästinenser drastisch reduzieren.

Bomben in Gaza und Gefechte an der Grenze zu Libanon

Doch Israels Armee setzt die Bombardierung des Gazastreifens fort. Auch an der Grenze zu Libanon gab es Gefechte. Israels Armee meldete einen Drohnen-Angriff der Hisbollah.

Nach Angaben des von der Hamas geleiteten Gesundheitsministeriums wurden durch die Angriffe in Gaza allein in den vergangenen 24 Stunden mindestens 142 Menschen in Gaza getötet. Die Zahl der Toten seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober ist auf 24.762 gestiegen, verletzt wurden 62.108 weitere Menschen. In den wenigen noch offenen Krankenhäusern in Gaza ist die Versorgung katastrophal.

Die Medikamente, die nach Vermittlung durch Katar und Frankreich nach Gaza gebracht wurden, haben diese Woche die israelischen Kontrollen passiert. Dass die für die israelischen Geiseln bestimmten Arzneien wirklich bei den Festgehaltenen angekommen sind, konnte Katar bisher nicht bestätigen.

Israel entlässt Gefangene nur mit Windeln bekleidet

Aus Rafah berichtet der Leiter des Teams des UN-Menschenrechtsbüros für die Palästinenser-Gebiete, dass die Lage völlig chaotisch und verzweifelt ist. Ajith Sunghay vergleicht die angespannte Situation der Bewohnerinnen und Bewohner, deren Angst und Wut mit einem Schnellkochtopf.

Ajith Sunghay, der sich diese Woche im Gazastreifen aufhielt,hat auch Palästinenser getroffen, die von der israelischen Armee 30 bis 55 Tage lang gefangen gehalten wurden. Schon seit Wochen gibt es Videos aus Gaza von palästinensischen Männern, die oft mit verbundenen Augen und nur in Unterwäsche, gefilmt wurden.

"Es gibt Berichte über Männer, die später freigelassen werden, aber nur in Windeln und ohne angemessene Kleidung bei diesem kalten Wetter", sagte Sunghay bei einer Pressekonferenz. Es sei nicht klar, warum sie Windeln tragen mussten, aber "sie waren sichtlich schockiert und sogar erschüttert, als ich sie traf".

Besonders in pro-palästinensischen sozialen Medien war berichtet worden, dass israelische Soldaten bei ihrem Einsatz in Gaza - besonders als Crew in Panzern - Windeln tragen, damit sie die Fahrzeuge nicht verlassen müssen.

Hamas-Vertreter in Moskau

Offiziellen russischen Angaben zufolge gab es an diesem Freitag Gespräche zwischen Regierungsvertretern und der Hamas - die von den USA und von EU-Staaten als islamistische Terrororganisation eingestuft wird. Dabei ging es auch um die drei noch von der Hamas festgehaltenen Geiseln aus Israel mit russischem Pass.

In einer Erklärung des Kreml hieß es, der stellvertretende Außenminister Michail Bogdanow habe das Hamas-Politbüromitglied Abu Marzouk empfangen.