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"Wir sind geschockt": In Extremo bedauert Band-Aus von Russkaya

Der Sänger und Gründungsmitglied Georgij Makazaria (Mitte) von Russkaya performte an der Seite seiner Kollegen 18 Jahre lang auf der Bühne. Nun kündigte die Band ihr Aus an. (Bild: ALEX HALADA)
Der Sänger und Gründungsmitglied Georgij Makazaria (Mitte) von Russkaya performte an der Seite seiner Kollegen 18 Jahre lang auf der Bühne. Nun kündigte die Band ihr Aus an. (Bild: ALEX HALADA)

Nach 18 Jahren endet die Bandgeschichte von Russkaya: Ihr Stil, auf satirische Art und Weise die Sowjet-Thematik und -Sprache in die Songs einzubauen, sei in Anbetracht des Ukraine-Krieges nicht mehr vertretbar, erklärte die Band. Unter anderem drückte In Extremo großes Bedauern über die Entscheidung aus.

Eine ebenso überraschende wie traurige Nachricht aus der Musikbranche fand sich am Wochenende auf Facebook: "Die Band Russkaya hat sich dazu entschlossen, sich aufzulösen", schreiben die Musiker in einem Statement, das sie auf der Social-Media-Plattform veröffentlichten. Ihr neues Album "Turbo Polka Party" sei gleichzeitig auch ihre letzte Platte, eine Art "Abschiedsgeschenk".

18 Jahre lang stand die zuletzt siebenköpfige Truppe für den schwungvollen Mix aus traditioneller russischer Musik, Ska, Rock und Polkabeats auf der Bühne. Seit 2005 waren die Gründungsmitglieder, der Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria und der E-Bassist Dimitrij Miller, die Gesichter von Russkaya. Jetzt mache es ihnen der "wütende Krieg" in der Ukraine "unmöglich, mit einem Image und Style weiterzumachen, der sich auf satirische Art und Weise der Sowjet-Thematik und -Sprache bedient", heißt es unter dem Abschieds-Post.

In Extremo um Frontmann Michael Robert Rhein alias "Das Letzte Einhorn" bedauerte das Band-Aus von Russkaya. (Bild: Christian Thiele / Universal)
In Extremo um Frontmann Michael Robert Rhein alias "Das Letzte Einhorn" bedauerte das Band-Aus von Russkaya. (Bild: Christian Thiele / Universal)

"Wir haben Angst um die Sicherheit unserer Crew"

Sie schreiben weiter: "Was vor dem 24. Februar 2022 noch lustige Satire in der Musik war, ist jetzt nur noch tragisch mit einem sehr bitteren Beigeschmack." Die Bandmitglieder würden es nicht mehr über sich bringen, auf die Bühne zu gehen, ohne diese "Tragik in jeder Note und jedem Wort zu spüren". Der Krieg habe sich negativ auf die Bedeutung der Texte ausgewirkt: "Niemand in dieser Band will etwas repräsentieren, das in Zeiten wie diesen ausschließlich mit Krieg, Tod, Verbrechen und Blutvergießen assoziiert wird." Deshalb sei es Zeit, aufzuhören.

Die Fans der Band zeigen sich auf Social Media ebenso geschockt wie verständnisvoll. Kommentare wie "Ihr wart mein Lieblings-Gegenbeispiel" oder "Das ist eine harte Entscheidung, aber total verständlich" spiegeln die innere Zerrissenheit der Künstler wider.

Ein weiterer Grund für die Auflösung seien die vermehrten Shitstorms sowie Hasskommentare, mit denen die Mitglieder zu kämpfen hatten, erklärten die Musiker: "Die Band wird als russischer Terrorist hingestellt, obwohl wir genau das Gegenteil davon sind." Immerhin habe die Truppe selbst einen multikulturellen Hintergrund und zählte Musiker aus Ukraine, Italien, Deutschland und Österreich. Russkaya ließ verlauten: "Wir stehen für Frieden, Diversität und Zusammenhalt." Mittlerweile habe sich sogar die Angst vor gewalttätigen Übergriffen breit gemacht. "Wir haben Angst um die Sicherheit unserer Crew und aller anderen Beteiligten", heißt es in der Erklärung.

"Freundschaft, Toleranz und der gemeinsame Spaß standen im Vordergrund"

Ganz ist der Online-Support jedoch noch nicht verschwunden. Ihre Kollegen von In Extremo bedauern die Entscheidung auf Facebook: "Wir sind geschockt und traurig. Es gibt nur wenige Bands, die uns in den letzten Jahren so oft supportet haben wie Russkaja, und wenn sie uns nicht supportet haben, dann haben wir sie auf diversen Festivals getroffen", heißt es unter einem Post der sechsköpfigen Truppe vom Sonntag.

"Bei ihren Konzerten standen Freundschaft, Toleranz und der gemeinsame Spaß im Vordergrund", betonen die Musiker außerdem und knüpfen damit an die Friedensbotschaft von Russkaya an. "Über alle Grenzen hinweg brachten sie die Menschen zum gemeinsamen Tanzen, Singen und Feiern." Man solle sie genau so in Erinnerung behalten.