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Feuerhölle in Spanien: Tote bei Brand in Wohnanlage

Ein Großbrand zerstört einen kompletten Wohnblock in Valencia. (Bild: dpa)
Ein Großbrand zerstört einen kompletten Wohnblock in Valencia. (Bild: dpa)

Die Zahl der Toten bei der Brandkatastrophe in Valencia ist auf zehn gestiegen. "Wir können bestätigen, dass die Polizei nach einer ersten Durchsuchung zehn Leichen, zehn Todesopfer festgestellt hat", teilte die Vertreterin der Zentralregierung in der autonomen Gemeinschaft von Valencia, Pilar Bernabé, am Freitag vor Journalisten mit. Bisher war von fünf Toten bei dem Großbrand am Donnerstag berichtet worden.

Bereits in der Nacht waren vier Leichen geborgen worden. Dabei handelte es sich um ein Ehepaar und seine zwei Kinder, wie die Zeitung "La Vanguardia" unter Berufung auf Ermittlungskreise berichtete. Am Freitag war dann der Tod einer fünften Person bestätigt worden. Valencias Bürgermeisterin María José Catalá hatte am Morgen gesagt, es würden noch bis zu 15 Bewohner der am Vortag komplett ausgebrannten Wohnanlage vermisst. Die Zahl der Verletzten wurde mit bis zu 15 angegeben.

"So eine Tragödie hat Valencia noch nicht erlebt"

Das Feuer war aus unbekannter Ursache am späten Donnerstagnachmittag in einer der Wohnungen ausgebrochen und über die Fassade aus brennbarem Material rasend schnell auf die gesamte Anlage übergesprungen. Starker Wind fachte den Brand zusätzlich an. Binnen einer Stunde stand die riesige Anlage komplett in Flammen.

Bis zum frühen Morgen konnte das Feuer weitgehend gelöscht werden. Mit dem ersten Tageslicht wurde dann das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Von der erst vor wenigen Jahren fertiggestellten Wohnanlage, von der ein Flügel 14 Stockwerke und der andere zwölf Stockwerke hoch ist, blieb nur ein schwarzes Gerippe aus Stahlbeton zurück. "So eine Tragödie hat Valencia noch nicht erlebt", sagte die Bürgermeisterin und rief eine dreitägige Trauerzeit für die Stadt aus.

Bestürzung im ganzen Land

Die Brandkatastrophe löste in ganz Spanien Bestürzung aus. TV-Sender berichteten live in Sondersendungen. Regierung und Opposition drückten den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und sagten den Geschädigten Unterstützung zu. Einige der nun obdachlosen Bewohner kamen bei Angehörigen oder Freunden unter, andere wurden in Hotels und Pensionen gebracht.

Im Fernsehen war zu sehen, wie die Fassade des Gebäudes vom Erdgeschoss bis zum Flachdach lichterloh brannte. Die Hochhausanlage stand in kürzester Zeit komplett in Flammen. Zeitweise glich sie einer riesigen Fackel, darüber eine riesige schwarze Qualmwolke. Anwohner berichteten, in dem Stadtteil habe es intensiv nach verbranntem Gummi gerochen. Ein Experte sagte im Fernsehen, die Fassade habe aus Aluminiumpaneelen bestanden, unter denen eine Schicht aus Dämmstoff angebracht war. Brennende Fassadenteile lösten sich vom Gebäude und stürzten in die Tiefe, wo sie auch am Boden weiter brannten.

Rasend schnell breiten sich die Flammen über die Fassade aus. (Bild: dpa)
Rasend schnell breiten sich die Flammen über die Fassade aus. (Bild: dpa)

Das Unglück in Valencia weckt düstere Erinnerungen an die Grenfell-Brandkatastrophe in London im Juni 2017. Bei dem Hochhausbrand im Stadtteil Kensington kamen damals 72 Menschen ums Leben. Das Feuer war in einem der unteren Stockwerke ausgebrochen und breitete sich ebenfalls rasend schnell über die Fassadendämmung des Sozialbaus aus. Die Feuerwehr riet den Menschen damals zunächst, in dem brennenden Gebäude zu bleiben und auf Hilfe zu warten. Für viele wurden ihre Wohnungen zur Todesfalle.

Feuerwehr rettete zwei Menschen von Balkon

Zwei Personen, die bei dem Brand in Valencia von einem Balkon aus um Hilfe riefen, konnten von der Feuerwehr mit einer Drehleiter samt Rettungskorb gerade noch in Sicherheit gebracht werden, wie auf Bildern des Fernsehens zu sehen war. Um sie herum brannten die Wohnungen schon lichterloh und die Feuerwehr musste den Gebäudeteil mit Löschwasser kühlen. Aus dem Haus geflüchtete Bewohner bedachten die Rettungsaktion mit Applaus.

Die Behörden ließen vorsorglich ein Feldlazarett in der Nähe des Unglücksorts aufbauen. Zudem wurden Soldaten der militärischen Nothilfe-Einheit UME zum Kampf gegen die Flammen angefordert, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Die UME wird sonst bei großen Waldbränden eingesetzt.