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"Hafermilchgesellschaft"? Lanz und Precht schlagen zur "Generation Z" neue Töne an

Richard David Precht (links) und Markus Lanz sprechen in ihrer aktuellen Podcast-Folge über Migration und Mentalitäten. (Bild: ZDF / Christian Bruch)
Richard David Precht (links) und Markus Lanz sprechen in ihrer aktuellen Podcast-Folge über Migration und Mentalitäten. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

"Die Deutschen träumen von der Vier-Tage-Woche und vom Beamtentum": Markus Lanz und Richard David Precht machen sich in einer neuen Podcast-Ausgabe Sorgen um die Arbeitswelt von morgen. Mit der jungen Generation und ihren Bedürfnissen gehen sie überraschend milde ins Gericht.

Wie war das gleich mit der "gefühligen Gesellschaft", zu der wir uns entwickelt hätten? Mit der "Hafermilchgesellschaft" und der "Guavendicksafttruppe", die - laut Markus Lanz - "wirklich die ganze Zeit auf der Suche nach der idealen Work-Life-Balance ist"? Und die - laut Richard David Precht - mit der Vorstellung herumläuft, "das Leben ist ein Wunschkonzert"?

Im August hatten sich die Stimmen des ZDF-Podcasts "Lanz & Precht" mit ihrer (einige Monate zuvor geäußerten) Generalkritik an der jüngeren Generation einen Shitstorm eingehandelt. In der aktuellen Folge (Ausgabe 117) ihrer Gesprächsreihe schlagen der ZDF-Talker und der Bestsellerautor nun versöhnlichere Töne an.

Hintergrund ist eine Diskussion über Migration, Automatisierung und den Fachkräftemangel, der die deutsche Wirtschaft aufgrund des zu erwartenden demografischen Wandels erheblich schwächen könnte. Wie passt dazu der Wunsch der jüngeren Jahrgänge nach kürzeren Wochenarbeitszeiten? Lanz bringt in dem Zusammenhang das Beispiel einer jungen Frau an, die sich in einem millionenfach gesehenen Webvideo über ihre Arbeitsbelastung beschwert hatte und nun für viele als Beleg dafür gelte, "wie unglaublich faul diese 'Generation Z' ist".

"Die Deutschen träumen von der Vier-Tage-Woche und vom Beamtentum"

Eine neue "Hafermilch"-Invektive lässt Lanz, der fest vom Siegeszug der 32-Stunden-Woche ausgeht, diesmal nicht folgen. Nur das fatalistische Eingeständnis: "Ob wir das nun gut finden oder nicht, diese Generation hat eine andere Vorstellung vom Leben." Precht hakt ein: "Das kriegst du auch nicht zurückgedreht." Der TV-Philosoph bricht sogar eine Lanze für die Jüngeren im Land: Etwas Sinnvollles im Leben tun zu wollen, Zeit für Kinder und Freunde haben zu wollen, "das alles sind gute und völlig nachvollziehbare Ziele, und deswegen wird es so kommen, dass wir im Durchschnitt weniger arbeiten".

Ein Blick zurück auf den Beginn der Industriellen Revolution zeige zudem: "Das Arbeiten ist immer weniger geworden und das wird es dauerhaft." Problematisch sei allein, dass die jüngere Generation in ihrem "Mindset" 20 Jahre weiter sei als die gegenwärtige ökonomische Situation. Denn noch sei die Automatisierung von Arbeitsprozessen nicht so weit fortgeschritten, dass menschliche Kräfte in entsprechendem Ausmaß entbehrlich seien. "Das ist der große Gap, den wir heute haben."

Zum Thema "Mindset" stichelt Lanz: "Die Deutschen träumen von der Vier-Tage-Woche und vom Beamtentum." Jedoch sei ihm aus Kalifornien zu Ohren gekommen, dass Firmen, die auf die Vier-Tage-Woche umgestellt haben, nicht zwingend unter reduzierter Produktivität litten. "Da siehst du, wo der Zeitgeist hingeht." Precht geht ebenfalls davon aus, dass die Vier-Tage-Woche kommen wird, allerdings vornehmlich in bestimmten Bereichen, die für dieses Modell prädestiniert seien.

Ukrainer sind in Deutschland "in Schulungen", statt in Arbeit

Dass das Abwerben ausländischer Fachkräfte den Mangel in Deutschland beseitigen kann, glauben beide Podcast-Partner nur bedingt. "Diese Vorstellung, da gibt's da draußen den Top-ITler, und der träumt Tag und Nacht davon, endlich nach Hamburg, Paderborn oder Osnabrück zu kommen: Den gibt es nicht", macht sich Markus Lanz keine Illusionen. Sein Gegenvorschlag: "Lass uns doch mit den Leuten ernsthaft arbeiten, die hier sind!"

Dem ZDF-Talker stößt sauer auf, dass in den Niederlanden 50 Prozent der dorthin geflohenen Ukrainer arbeiten würden, in Deutschland aber nur 20 Prozent. "Warum?", fragt Lanz und kriegt von Richard David Precht postwendend die Antwort: "Weil die bei uns in Schulungen sind. Und in Ruhe die Sprache lernen."

Dabei seien, so Lanz, aus dem Ausland stammende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon jetzt eine tragende Säule für die Gesellschaft. Aus der Wirtschaft höre er, junge Migranten brächten "einen anderen Spirit" mit, seien risikobereiter und belastbarer. Dass sie belastbarer sind als die Work-Life-Balance-beseelten Deutschen, muss man sich zum Satz selbst dazudenken. Lanz sagt lediglich: "Wir sind nicht gut darin, diese Kräfte zu entfesseln."