Hannelore Elsner: Wenn sie lachte, ging die Sonne auf

Hat mit ihrem Lachen viele Menschen verzaubert: Hannelore Elsner. (Bild: imago/STAR-MEDIA)

Da war dieses hinreißende Lachen, das von den Fältchen um die Augen gekrönt wurde. Es konnte Herzen entflammen oder brechen und war so einnehmend, dass es fast schon wehtat. Diesem Lächeln konnte "niemand, wirklich niemand auf der ganzen weiten Welt widerstehen", so hat es die Regisseurin Doris Dörrie (67) beschrieben.

Es bleibt so lebendig in Erinnerung, als wäre die 2019 verstorbene Schauspielerin Hannelore Elsner, die am 26. Juli ihren 80. Geburtstag feiern würde, immer noch unter uns. Dieses Lächeln wirkte wie ein Kraftfeld und war ihr schönster Schutz gegen Chaos und Verletzbarkeit, mit der Hanni, wie ihre Freunde sie nannten, oft genug leben musste.

So einen Augenblick erlebte der Dramatiker Moritz Rinke (54) im Jahr 2000. Er hatte für die Weltausstellung in Hannover einen Bühnenauftritt mit 2.000 Kindern, den Scorpions, dem Buena Vista Social Club und dem damaligen Bundeskanzler arrangiert, den Hannelore Elsner moderieren sollte, was katastrophal in die Hosen ging. Nicht zuletzt weil der Inspizient "besoffen war", wie es Rinke im "Tagesspiegel" schilderte, und die "alten Herren vom Buena Vista Social Club aus Kuba weinten, nachdem sie über die Musikinstrumente der Scorpions gestürzt waren".

Zur irrsinnigsten Szene kam es, als es eine von Rinke viel zu lang geschriebene Anmoderation für Bundeskanzler Gerhard Schröder (78) gab, dieser aber vom Inspizienten ein falsches Zeichen bekommen hatte und viel zu früh auftrat. Elsner moderierte ihn weiter an, der Kanzler sagte jedoch: "Aber Frau Elsner, ich bin doch schon längst hier! Sie erwiderte darauf: "Das ist mir total egal!"

"Und da war wieder dieses sagenhafte Lächeln"

Dann "demolierten" die Scorpions die Bühne und Mit-Moderator Max Raabe (59) begann seine Texte zu singen. "Hannelore Elsner saß schon in der Garderobe vor einem Spiegel, als ich mit einigen Textänderungen panisch zu ihr lief. 'Ich ruiniere mich gerade', sagte sie leise. Und da war wieder dieses sagenhafte Lächeln, das sie für einen Augenblick über ein verstörtes, wundervoll schönes Gesicht ziehen ließ."

Sie hat sich natürlich nicht ruiniert, im Gegenteil: Vom Jahr 2000 an nahm ihre Karriere noch einmal richtig Fahrt auf. Hannelore Elsner wurde in Filmen mit Kultcharakter neben ihren Kolleginnen Senta Berger (81) und Iris Berben (71) eine der besten Schauspielerinnen. Sie spielte in "Die Unberührbare" (2000) von Oskar Roehler (63) dessen Mutter, die Schriftstellerin Gisela Elsner, die im Film Hanna Flanders heißt.

In "Mein letzter Film" (2002) von Oliver Hirschbiegel (64) glänzte sie in einem 90-minütigen Monolog, in der Komödie "Alles auf Zucker" (2004) von Dani Levy (64) als jüdische Ehefrau eines notorischen Zockers, in "Der große Rudolph" (2018) demonstrierte sie ihre genialische Wandlungsfähigkeit als Mutter des Münchner Modeschöpfers Rudolph Moshammer. Ein weiterer Höhepunkt ihres Lebenswerks war "Kirschblüten - Hanami" (2008), die Geschichte des unheilbar kranken Rudi (Elmar Wepper, 78), dessen Frau Trudi unerwartet noch vor ihm stirbt.

Eine Hommage an ihre Großmutter

Regisseurin Doris Dörries erzählte der "Süddeutschen Zeitung", wie sie mit Elsner verhandelt hat. "Sie kann sich mit der Trudi nicht recht anfreunden, als ich sie bitte, die Rolle bayerisch anzulegen, sagt sie, das kann ich nicht, das geht auf gar keinen Fall. - Aber die Trudi kommt aus Bayern, es muss sein. - Sie schweigt lange, dann lächelt sie ihr berühmtes Blitzlächeln... und sagt: 'Na gut, dann spiele ich meine Oma.'"

Sie ist in Burghausen in der bayerischen Provinz geboren. Als Kind hat sie nur bayrisch geredet, und es war so mühsam gewesen, sich den Dialekt abzugewöhnen. Sie hat dann nie mehr eine bayerische Rolle übernommen. Doch dann kam die Trudi, die wollte sie als Hommage an ihre Großmutter spielen. "Meine Oma war eine Großbauerntochter aus Niederbayern mit einem langen Zopf,", erzählte sie in einem Gespräch mit der "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer (79). Sie habe ihre Oma sehr geliebt. "Bei ihr war alles heil und schön."

Den Geruch von Frühäpfeln habe sie nie vergessen. "Oder wenn Gewitter war. Und wenn die dann so runterplumpsten. Und es gab einen Blumengarten und einen Gemüsegarten und einen Salatgarten. Und die Wiesen. Im Häusl gab es ein Plumpsklo und Ziegen, Hühner und Gänse. Da habe ich lauwarme Ziegenmilch getrunken. Diese Kindheit hatte für mich was Leuchtendes, was Wildes, was ganz Archaisches."

Schwere Schicksalsschläge

Das idyllische Kindheitsbild wird auch durch tragische Momente bestimmt. Da ist der Tod des drei Jahre älteren Bruders Manfred Anfang 1945. Er war sechs und auf dem Weg zur Oma von Burghausen nach Neuötting, als Tiefflieger den Zug angriffen. In Manfreds kleinem Körper fand man sechs Geschosse, die sie in einem Leinensäckchen aufbewahrt hat. Später sagte Hannelore Elsner der "Süddeutschen Zeitung": "Meine Erinnerungen sind verblasst, aber die Gefühle sind da. Ein unglaubliches Verlassensein in meinem Herzen. Es war ein unsagbarer Schmerz in der Familie."

Dann wurde der Vater krank, Tuberkulose. Als er stirbt, ist sie acht. "Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit meinem Erstkommunionskleid an seinem Sterbebett saß, die ganze Nacht. Diese unendliche Sehnsucht bei mir nach dem großen Prinzen ist ja logisch. Mein Bruder war mein Prinz. Und dann war mein Vater mein Prinz. Und die hauen einfach ab...", beschrieb sie ihre Gefühle im Gespräch mit Alice Schwarzer.

Als sie mit ihrer Mutter und dem Abbruch des Gymnasiums nach München zog, wurde sie von einem türkischen Jungregisseur auf der Straße entdeckt: "Er war in mich verliebt, aber der war mir zu alt, er war schon 24. Wir haben wochenlang geprobt, es ist nie ein Film dabei rausgekommen." Immerhin schickte sie die Filmfirma auf eine Schauspielschule, es kamen erste Angebote, sie spielte Theater und hatte Auftritte in Filmen wie "Freddy unter fremden Sternen" (1959), "Allotria in Zell am See" (1963) oder "Die Lümmel von der ersten Bank" (1967).

Ihre Liebschaften

Mit dem Schauspieler Gerd Vespermann war sie von 1964 bis 1966 verheiratet, außerdem soll sie um 1970 eine weitere Ehe mit ihrem Kollegen Michael Miller geführt haben. Sie hatte zudem eine Beziehung mit dem österreichischen Filmemacher Alf Brustellin, die 1981 mit dessen Unfalltod in einem Münchner Taxi endete. Dazwischen hatte sie ein kurzes Verhältnis mit dem erst kürzlich verstorbenen Regisseur Dieter Wedel (1939-2022), von dem sie 1981 ihren Sohn Dominik bekam. Es folgten eine längere Beziehung mit dem Produzenten Bernd Eichinger (1949-2011), eine Ehe mit dem Theaterdramaturgen Uwe B. Carstensen (1973-2000) sowie eine Liebe zum Literaturprofessor Günter Blamberger.

"Der Bernd Eichinger war der Beste", hat sie Alice Schwarzer gesagt. "Der hat mich überhaupt nicht eingeengt. Der liebt es geradezu, wenn man seine Meinung sagt. Der war in mich verliebt und hat mich geachtet. Er hat mich auch nicht mit diesem ganzen Liebeskitsch zugesülzt. Und wenn ich mal gesagt habe: Nein, heute nicht - dann konnte ich das sagen. Ohne Verlustangst."

Wie ihr Sohn Dominik nach ihrem Tod berichtete, litt Hannelore Elsner seit Mitte der 90er-Jahre an Brustkrebs. Die Krankheit hat sie sogar als Schauspielerin in "Ende der Saison" (2001) thematisiert, als sie eine krebskranke Mutter spielte - und niemand am Set ahnte, wie es um die Hauptdarstellerin stand. In ihrem Letzten Film "Lang lebe die Königin" spielte sie auch eine Krebskranke, die stirbt. Sie musste sich sogar in einen Sarg legen. Noch während der Dreharbeiten ist Hannelore Elsner gestorben.

Der Regisseur Dieter Wedel, der mehrfach der Vergewaltigung bezichtigt wurde, hat über die Mutter seines Sohns Dominik gesagt: "Wenn sie lachte, dann wurde der Raum hell. Und alle Männer lagen ihr zu Füßen." Dieses Kompliment hat sie nie zurückgegeben. "Nein, Wedel ist nicht der Vater von Dominik, er ist sein Erzeuger."

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