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Heftige Kämpfe um Chan Junis - erneut viele Tote

Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach Hamas-Angaben 20 Menschen getötet worden, als sie in einem Vorort von Gaza-Stadt für humanitäre Hilfe anstanden. Damit seien allein in den letzten 24 Stunden 200 Menschen in dem Küstengebiet getötet und 370 weitere verletzt worden.

Somit stieg von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde veröffentlichte Zahl der Toten seit Kriegsbeginn am 7. Oktober auf 25.900, die der Verletzten auf mehr als 64.000.

Häuserkämpfe in Chan Junis

Unterdessen flohen tausende Menschen aus Chan Junis im südlichen Gazastreifen, wo es weiter zu schweren Kämpfen im Westen der Stadt kommt.

Das israelische Militär hatte zu Wochenbeginn eine Offensive im Westteil von Chan Junis gestartet, in den es bislang noch nicht vorgedrungen war. Die größte Stadt im südlichen Gazastreifen gilt als eine Hochburg der Hamas.

Zwei Frauen erzählten, die israelische Armee habe sie gezwungen, die Faisal-Schule, in der sie Zuflucht gesucht hatten, zu räumen. Sie hätten viele der jungen Männer festgenommen- im Internet kursierten Videos von jungen Männern in Unterhosen, die von der israelischen Armee festgehalten werden.

Am Mittwoch hatte die israelische Armee die Palästinensern vor Ort aufgerufen, die Stadt zu verlassen, nachdem sie am Dienstag verkündet hatte, die Streitkräfte hätten die Stadt vollständig eingekreist.

Die Palästinensischer Roter Halbmond teilte mit, dass sowohl die Umgebung des Amal-Krankenhauses, als auch des Nasser-Krankenhauses bombadiert und beschossen wurde. Die Kliniken seien umstellt, Rettungskräfte und Hilfesuchende könnten sie nicht mehr erreichen.

Die israelische Armee, die Bilder von den Kämpfen in Chan Yunis veröffentlicht hat, wirft der Hamas immer wieder vor, sich in Krankenhäusern zu verschanzen.

Die israelische Armee gab an, dass sie die Kontrolle im Al-Amal-Viertel von Chan Junis trotz "herrausfordernder Kämpfe" ausbauen konnten und dutzende Hamas-Kämpfer getötet oder verletzt worden seien. Dabei seien große Mengen an Waffen beschlagnahmt worden.

Entscheidung von UN-Gericht wird erwartet

Ein hochrangiger Hamas-Beamter in Berut sagte, die militaten Gruppe werde sich an einen Waffenstillstand halten, falls das oberste Gericht der Vereinten Nationen einen solchen fordere.

Das Gericht in Den Haag wird am Freitag eine Entscheidung über den Antrag Südafrikas auf einstweilige Anordnungen in einem Völkermordverfahren gegen Israel treffen, einschließlich der Aufforderung, dass Israel seine Offensive in Gaza stoppt.

„Die Hamas wird sich an den Waffenstillstand halten und bereit sein, die von ihr festgehaltenen zionistischen Gefangenen freizulassen, wenn die Besatzer auch Gefangene freilassen“, sagte Osama Hamdan, ein Hamas-Führer im Exil, in Beirut.

Bei der erwarteten Entscheidung am Freitag geht es noch nicht um den Hauptvorwurf des Völkermordes, den Israel zurückweist, sondern zunächst um einen Eilantrag über Schutzmaßnahmen für die Palästinenser. Dieser ruft die UN-Richter zu einer Anordnung an Israel auf, die militärischen Handlungen im Gazastreifen sofort einzustellen.

Entscheidungen des Gerichtshofs sind bindend. Auch wenn er keine Machtmittel hat, diese durchzusetzen, wäre eine Zurechtweisung durch das höchste UN-Gericht doch eine Schlappe für Israel. Der internationale Druck würde wohl weiter zunehmen. Die Richter können auch anordnen, dass Israel Bericht erstatten muss über Maßnahmen zum Schutz der Palästinenser. Auch das hätte eine beträchtliche Außenwirkung

Demonstrationen für Geiseln in Israel

In Israel demonstrieren weiter Familienangehörige von den im Gazastreifen festgehaltenen Hamas-Geiseln und ihre Unterstützer. Sie blockierten Straßen in Tel Aviv und forderten von der Regierung eine Einigung mit der Hamas für deren Freilassung.

Die Geisel-Familien haben in den letzten Tagen den Druck auf die Regierung erhöht, während internationale Forderungen nach einer Zweistaatenlösung immer lauter werden.

Bei dem Überfall der Hamas am 7. Oktober wurden etwa 1.200 Menschen getötet und 250 Menschen von den radikalen Islamisten aus Israel entführt.

Rund 100 Geiseln wurden im November im Rahmen eines einwöchigen Waffenstillstandsabkommens freigelassen, als Gegenleistung für die Freilassung von durch Israel inhaftierte Palästinenser.

Nach israelischen Informationen dürften von zuletzt mehr als 130 Geiseln nur noch etwas über 100 am Leben sein. Gespräche über eine Freilassung nahmen zuletzt wieder Fahrt aufgenommen.