Heinrich XIII. Reuß: Wer ist der Prinz, der deutscher Kaiser werden wollte?

Nach Bekanntwerden der Festnahme von 25 Personen im Zusammenhang mit einem geplanten Umsturzversuch offenbar gewaltbereiter Terrorverdächtiger in Deutschland hat die Bundesanwaltschaft auf ihrer Internetseite am Mittwoch die Vornamen und abgekürzten Nachnamen der Tatverdächtigen veröffentlicht. Auf der Liste stach eine Person besonders ins Auge: Heinrich XIII. P. R.

Heinrich XIII. Prinz Reuß
Heinrich XIII. Prinz Reuß gilt als bekannter Reichsbürger. (Bild: Euronews)

Heinrich XIII. Prinz Reuß - um ihn geht es, das hatten Medienvertreter schnell erraten. Der Adelige hätte nach einem von Reichsbürgern erzwungenen Putsch in Deutschland eine Art Regierungsoberhaupt werden sollen. Das zumindest sah nach Angaben der Bundesanwaltschaft die Planung einer mutmaßlich terroristischen Vereinigung vor. Nach seiner Festnahme in Frankfurt am Main sitzt der Prinz nun in Untersuchungshaft.

Wer ist P.R.?

Heinrich XIII. ist keiner von diesen falschen, erfundenen oder adoptierten Adeligen die seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit für Namensverwirrung sorgen. Er gehört tatsächlich zu einem Fürstengeschlecht, das seine Wurzeln bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen kann und bis zum Jahr 1918 auf dem Staatsgebiet des heutigen Thüringens regierte, in und um Gera und Greiz: die Fürsten Reuß.

In der Familie, die sich einst in eine jüngere und eine ältere Linie teilte, tragen alle männlichen Nachkommen den Namen Heinrich. Zur Unterscheidung wird durchnummeriert. Deswegen können zwischen Vater und Sohn schon mal mehr als zehn Ordnungsnummern liegen, sofern zwischenzeitlich noch andere männliche Reuß das Licht der Welt erblickten. Die beiden großen Linien gelten heute als "im Mannesstamm" erloschen, wie es in solchen Fällen heißt. Eine weitere besteht fort und hat ihren Sitz auf Schloss Ernstbrunn in Österreich. Hauschef ist derzeit Heinrich XIV.

Sein entfernter Verwandter Heinrich XIII. kam offenbar - so spuckt es die Online-Suche aus - im Jahr 1951 im hessischen Büdingen zur Welt, als Sohn eines der zahlreichen Prinzen Reuß und einer Herzogin zu Mecklenburg. Medienberichten zufolge soll er heute Immobilienunternehmer mit Wohnsitz in Frankfurt am Main sein, wo er am Mittwochmorgen auch festgenommen wurde. Außerdem soll ihm ein Jagdschloss bei Bad Lobenstein in Thüringen gehören.

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

Die Lobenstein-Connection

Die Geschehnisse in dieser kleinen Stadt mit rund 6.000 Einwohnern hatten im Sommer 2022 für Aufsehen gesorgt. Ihr parteiloser Bürgermeister Thomas Weigelt hatte vor laufender Kamera einen Fernsehjournalisten tätlich angegriffen. Die für ihn zuständige Kreisaufsichtsbehörde sah das Maß voll und entfernte ihn vorläufig aus dem Dienst. Vorgeworfen wurden ihm sechs erhebliche Dienstpflichtverletzungen, unter anderem Diffamierung von Verfassungsorganen, finanzielle Schädigung der Stadt Bad Lobenstein und körperlicher Angriff. Letzlich wurde er angeklagt und des Amtes enthoben.

Mit eben diesem damals bereits umstrittenen Bürgermeister und mit dem Thüringer Landtagsabgeordneten der AfD Uwe Thrum hatte sich Heinrich XIII. im Sommer 2022 in Bad Lobenstein blicken lassen. Offenbar war der Adelige, dessen Schloss unweit der Stadt steht, einer Einladung des Stadtoberhauptes gefolgt.

Daraufhin fühlte sich der Chef des Hauses Reuß genötigt, auf die Distanz zwischen dem Namensvetter und der Familie hinzuweisen. Der Mitteldeutsche Rundfunk hatte darüber berichet. Fürst Heinrich XIV. Reuß sagte, der der Reichsbürger-Szene nahestehende entfernte Verwandte sei ein teilweise verwirrter Mann, der "verschwörungstheoretischen Irrmeinungen" aufsitze und seit Jahrzehnten mit der Familie nichts mehr zu tun habe.

Diese "Irrmeinungen" haben Heinrich XIII. nun zumindest vorläufig hinter Gitter gebracht.

Im Video: Wollten Reichsbürger Putsch in Deutschland? Polizei nimmt 25 Personen fest