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Berlin-Chaos! Fanprotest erreicht neue Dimension

Berlin-Chaos! Fanprotest erreicht neue Dimension
Berlin-Chaos! Fanprotest erreicht neue Dimension

Mehr oder weniger kreative Proteste gegen die DFL gehören bei Fußballspielen in Deutschland mittlerweile schon zum gewohnten Bild: Beim Topspiel der 2. Bundesliga zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV (1:2) haben die Ausmaße nun aber eine neue Dimension angenommen.

Unzählige Tennisbälle aus der Hertha-Kurve sorgten in der zweiten Hälfte dafür, dass die Partie zunächst 20 Minuten unterbrochen wurde, ehe Schiedsrichter Daniel Schlager beide Mannschaften beim Stand von 0:0 nach 75 Minuten in die Kabine schickte - nur bis zur 53. Minute war gespielt worden.

Dardai kann Hertha-Fans nicht stoppen

Ab diesem Zeitpunkt waren aus der Berliner Ostkurve Hunderte Tennisbälle geworfen worden, sowohl Hertha-Kapitän Toni Leistner als auch Trainer Pal Dardai suchten das Gespräch mit Vertretern der Fans, Schiedsrichter Schlager wartete lange Zeit geduldig. Nach 32 (!) langen Minuten Pause pfiff Schlager dann die Partie wieder an.

„Es kamen immer mehr Bälle von der einen und anderen Seite“, schilderte Schlager bei SPORT1 die Situation: „Und unten standen Leute, die nur drauf gewartet haben, um wieder zu werfen.“ Man habe sich letztlich für die Unterbrechung entschieden, „um den Ernst der Lage zu signalisieren“. Ein Spielabbruch wäre „die letzte Konsequenz“ gewesen - so weit kam es letztlich doch nicht.

„Protest ist in Ordnung, das muss man aushalten. Aber das geht zu weit, das dauert zu lange und bringt uns auch aus dem Spiel raus“, sagte Hertha-Geschäftsführer Thomas Herrich während der Unterbrechung im Gespräch mit SPORT1.

TV-Experte Harnik: „Das ging zu weit heute“

Auch SPORT1-Experte Martin Harnik befand am Kommentatoren-Mikrofon: „Damit lenken die Fans am Ende mehr ab davon, worum es ihnen eigentlich geht.“ Der frühere Bundesliga-Profi zog nach dem Spiel das Fazit: „Das ging zu weit heute. Die Message ist verloren gegangen, die Leute gehen genervt nach Hause.“

Harnik wies auch darauf hin, dass die lange Unterbrechung auch für die Spieler ein Problem war - ebenso wie HSV-Trainer Tim Walter: „Es war nicht einfach für beide Mannschaften. Die lange Unterbrechung hat es schwierig gemacht für die Jungs.“

Herthas Coach Pal Dardai nahm die Vorkommnisse derweil am Ende mit Gleichmut hin: „Man muss auch die Fans verstehen. Es gibt auf der ganzen Welt Politik und Streit - heute war es hier eben so.“

Schon in den vergangenen Wochen hatten Fans in sämtlichen Bundesliga-Stadien durch das Werfen von Schokoladentalern, Flummis und Tennisbällen immer wieder für Unterbrechungen gesorgt, die aber bislang nie ein solches Ausmaß erreichten. Die Anhänger protestieren damit gegen die Kommerzialisierung und die jüngsten Pläne der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die Zusammenarbeit mit einem Investor.

Hamburgs Führung durch Miro Muheim (57.) glich Herthas Haris Tabakovic (62.) sehr schnell aus, das letzte Wort hatte aber der Gast: Ludovit Reis (82.) traf zum Sieg. Der siegreiche HSV sprang im Aufstiegskampf wieder auf Rang zwei der Tabelle hinter St. Pauli.

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mit Sport-Informations-Dienst (SID)