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Hidden Headlines: Das ist der seltenste Pass der Welt

Lange hielt sich das Gerücht, dass der Malteser-Ritterorden nur drei Pässe verteilt hätte. Das stimmt nicht. Trotzdem dürfte es sich dabei um das seltenste Reisedokument handeln.

Der vermutlich seltenste Pass der Welt ermöglicht es seinen Träger*innen, in über 110 Staaten zu reisen. Im Vergleich dazu erlaubt der deutsche Pass das Reisen in 177 Länder
Der vermutlich seltenste Pass der Welt ermöglicht es seinen Träger*innen, in über 110 Staaten zu reisen. Im Vergleich dazu erlaubt der deutsche Pass das Reisen in 177 Länder. (Foto: Symbolbild / Getty Images)

Keine Straßen, aber eigene Nummernschilder. Kein Territorium, aber eine eigene Verfassung. Keine Grenzen, aber eigene Pässe. Das alles hat der Malteser-Ritterorden.

Dabei handelt es sich um ein "souveränes nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt" mit Sitz in Rom, das aber in der ganzen Welt karitativ agiert. Deshalb entsendet der Orden auch Diplomaten, Botschafter und Beamte. Und die benötigen Pässe für ihre Reisen.

Bei diesen Dokumenten handelt es sich wohl um die seltensten Pässe der Welt. Auch wenn sie nicht ganz so selten sind, wie lange angenommen.

Um was geht es?

Denn im Jahr 2017 titelten viele Medien, dass nur drei Menschen auf der Welt im Besitz eines Passes des Malteser Ritterordens seien.

Ursprünglich hat diese Zahl wohl die britische Sun in die Welt gesetzt. Sie hatte damals behauptet, dass nur die drei höchsten Ämter im Orden den Pass besitzen würden: der Großmeister, sein Stellvertreter und der Großkanzler. Aber das ist falsch, wie der Orten in einer Pressemitteilung klarstellte.

Zunächst ist es wichtig, zu erklären, dass es zwei unterschiedliche Pässe gibt. Das ist, erstens, der Diplomatenpass. Der wird allen 14 Mitgliedern der Regierung, den leitenden und beteiligten Personen an diplomatischen Missionen, inklusive ihren Familien, aber auch weiteren hochrangigen Persönlichkeiten ausgehändigt. Insgesamt sind derzeit etwa 500 dieser Diplomatenpässe im Umlauf. Sie sind an die Gültigkeit der Mandate gebunden und enden immer mit der Amtszeit.

Es gibt aber, zweitens, noch die sogenannten Dienstpässe. Sie werden an humanitäres Personal und an Beamte ausgegeben, die in gefährlichen Gebieten tätig sind. Derzeit sind etwa 50 dieser Pässe in Gebrauch. Insgesamt also gibt es rund 550 Pässe des Malteser-Ritterordens – damit dürfte es sich vermutlich immer noch um das seltenste Reisedokument handeln.

In einem interview mit CNN erzählte kürzlich Eugenio Ajroldi di Robbiate, der frühere Ordensbeauftrage für Öffentlichkeitsarbeit, dass es bei Reisen oft zu komischen Momenten komme: "Die meisten Grenzbeamten haben noch nie so einen Pass gesehen. Als ich einmal auf dem Flughafen von Bangkok ankam, wollten einige Kontrolleure sogar ein Selfie mit dem Pass machen."

Infografik: Diese Reisepässe öffnen/verschließen die Tore zur Welt | Statista
Infografik: Diese Reisepässe öffnen/verschließen die Tore zur Welt | Statista

Das sind die Hintergründe

Derzeit unterhält der Malteser-Ritterorden diplomatische Beziehungen zu 113 Staaten. Alle diese Staaten akzeptieren die Diplomatenpässe des Malteserordens als gültiges Reisedokument. Dazu zählt auch Deutschland. Auf der Seite des Auswärtigen Amts steht dazu:

"Zwischen Deutschland und dem Malteserorden bestehen seit langem enge Arbeitsbeziehungen. Seit Herbst 2017 haben die Bundesrepublik Deutschland und der Souveräne Malteserorden auch diplomatische Beziehungen aufgenommen." Damit würdige man die karitative Arbeit des Ordens. Insbesondere seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 habe der Orden eine wichtige Rolle "bei der Betreuung, Unterbringung und Versorgung von Migranten und Flüchtlingen" inne.

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Lange Geschichte

Hervorgegangen ist der Orden aus dem im 11. Jahrhundert gegründeten Johanniterorden. Er ist damit "eine der ältesten Institutionen der westlichen und christlichen Zivilisation". Der Name kommt von seiner Ansiedlung auf der Insel Malta. Heute befindet sich der Sitz in Rom.

Der Orden ist neutral, unparteiisch und apolitisch. Er begreift seinen Auftrag darin, Menschen in Not durch seine medizinische, soziale und humanitäre Arbeit zu helfen: "Der Orden ist besonders aktiv bei der Nothilfe für Menschen, die inmitten von bewaffneten Konflikten leben, und bei Naturkatastrophen." Dann stelle er die medizinische Versorgung sicher, sorge für Flüchtlinge und verteile Medikamente und Überlebenspakete.