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Hidden Headlines: Der Grund, warum Netflix vermeintlich erfolgreiche Serien abrupt beendet

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Das Jahr endet für Netflix, wie es begann: mit einem Shitstorm über eine abgesetzte Serie, die sich offenbar großer Beliebtheit erfreute. Warum setzt Netflix vermeintlich erfolgreiche Sendungen ab?

Netflix-Abonnenten dürfen sich nicht zu sehr an Serien hängen
Netflix-Abonnenten dürfen sich nicht zu sehr an Serien hängen

Serien-Erfolge waren es, die Netflix von einer Online-Videothek zu einem der ersten florierenden Streaming-Riesen machten. Den Anfang machte einst das Polit-Drama "House of Cards", das half, die neue Ära der Streaming-Serien einzuläuten. Es folgten weltweite Erfolgs-Sendungen wie "Orange is the New Black", "Stranger Things", "The Crown" oder der koreanische Hit "Squid Game".

Doch 2023 könnte das Jahr sein, das jenes Image von Netflix als Serien-Erfolgsschmiede zerstören könnte. Denn in Erinnerung bleiben werden nicht die Hits und heißersehnten Staffeln geliebter Shows, sondern die Serien, die von Netflix eiskalt abgesetzt wurden.

Und die gibt es zuhauf. Moviepilot zählte vor Kurzem 27 Serien, die Netflix in diesem Jahr abgesetzt hat. Manchen mögen nur wenige nachweinen - "Sex/Life" schlug nach einem medienwirksamen Start mit seinen Softcore-Hausfrauenfantasien nur noch wenig Wellen, und "Top Boy" mochte nach fünf Staffeln ein wenig die Luft ausgegangen sein.

Netflix beteuert: "Wir setzen keine erfolgreichen Serien ab"

Doch andere Entscheidungen der Netflix-Bosse löst bei Serien-Fans Unverständnis bis blankes Entsetzen aus. Zuletzt war es die Bestseller-Verfilmung "Shadow and Bone", die nach zwei Staffeln abgesetzt werden soll, was von Anhängern auf Social Media unter anderem als "Albtraum" bezeichnet wird. Hunderttausende haben bereits die schnell erstellte Petition zur Rettung der Serie unterzeichnet, und auf diversen Plattformen entlädt sich großer Ärger über Netflix.

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Das Jahr geht damit für Netflix zu Ende, wie es begonnen hat, denn schon Anfang Januar hatte es einen ähnlichen Aufschrei gegeben, als "1899" abgesetzt wurde, der neue Streich der "Dark"-Macher Jantje Friese und Baran Bo Odar. Der Ärger war besonders groß, da die Produzenten ähnlich wie bei "Dark" eine Geschichte über drei Staffeln vorausgeplant hatten, Netflix zudem bereits einen internationalen Hit und Kritiker-Liebling beschert hatten und auf einen extremen Cliffhanger enden mussten.

Aneurin Barnard, Emily Beecham und Andreas Pietschmann (v.l.n.r.) in
Aneurin Barnard, Emily Beecham und Andreas Pietschmann (v.l.n.r.) in "1899". (Bild: Netflix)

Warum also setzt Netflix so rabiat den Rotstift an, wenn einige der abgesetzten Serien doch offenbar eine so treue und - gemessen an den Reaktionen - nicht gerade kleine Fan-Gemeinde haben? Schon nach der "1899"-Absetzung hatten die Netflix-CEOs Ted Sarandos and Greg Peters in einem Interview mit Bloomberg beteuert: "Wir haben nie eine erfolgreiche Serie abgesetzt. Viele dieser Shows hatten gute Aussichten, aber sprachen mit einem großen Budget ein kleines Publikum an." Der Schlüssel sei, mit kleinem Budget kleine Zuschauerzahlen zu bekommen und mit mehr Geld auch mehr Zuschauer zu generieren.

Der wahre Grund, warum Netflix manche Sendungen absetzt

Falls sich damit die Wogen glätten sollten, haben sich die Netflix-Bosse geirrt. Denn woran, so fragten sich Abonnenten danach, würde Erfolg gemessen? Reine Zuschauerzahlen? Abspringende Abonnenten? Die Zahl der Stunden, die eine Serie insgesamt angeschaut wird?

Den wahren Grund für Fortbestehen oder Absetzen einer Serie erklärt das Wirtschaftsmagazin Forbes, demzufolge Netflix eine sogenannte "completion rate" misst - die Zahl der Zuschauer also, die eine Serie tatsächlich bis zum Ende schaut. Diese allein sage schließlich aus, wie viele Menschen auch bei weiteren Staffeln noch zuschauen würden.

Ein Teufelskreis, den Netflix sich selbst schafft

Wie Forbes allerdings ebenfalls bemerkt, passt dieses Kriterium nicht zu einem Streaming-Modell, bei dem - anders als beim linearen TV - nicht wöchentlich eingeschaltet werden muss, sondern jeder jedes Programm nach eigenem Zeitplan und in eigener Geschwindigkeit konsumieren kann.

Nun, da sich Netflix einen Ruf als absetz-wütiges Medium schafft, das ohne Rücksicht auf vielversprechende Talente und Cliffhanger Serien absägt, würden umso mehr Menschen lieber erstmal warten, ob sich einschalten lohnt oder ob man sich nach einer Staffel mit einer unfertigen Geschichte begnügen muss - und je mehr Menschen abwarten, desto niedriger sind die Zahlen.

Ähnlich wie einst die "1899"-Fans hoffen die von "Shadow and Bone" nun auf ein Zurückrudern von Netflix oder dass ein anderer Streaming-Dienst oder TV-Sender sich des Formats annimmt. Die "1899"-Macher bleiben Netflix indes treu - eine neue Serie ist bereits in Arbeit.

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