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Hidden Headlines: Mattels indigene Barbie sorgt für Kritik

Mit seiner neuen, indigenen Barbie will Spielzeughersteller Mattel der einstigen Cherokee-Anführerin Wilma Mankiller Tribut zollen. Doch die Puppe kommt nicht bei allen Mitgliedern des indigenen Volksstamms gut an.

Barbies gibt es inzwischen viele.
Barbies gibt es inzwischen viele.

Auch Spielzeughersteller Mattel geht mit der Zeit. Eines der beliebtesten Produkte des US-Konzerns, die Puppe Barbie, früher gerne blond und immer makellos, hat heute mal dunkle Hautfarbe, mal trägt sie ihr Haar kurz, oder sie sitzt im Rollstuhl. Mit dem neuen, indigenen Produkt aus seiner "diverseste Puppen-Reihe der Welt" sorgt der Konzern allerdings für Ärger.

Die Puppe aus der Serie "Inspirierende Frauen" ist Wilma Mankiller nachempfunden, mit dem Produkt verbeugt sich Mattel also vor der ersten Anführerin des indigenen Volks Cherokee. Wilma sei eine "vehemente Verfechterin der Rechte der amerikanischen Ureinwohner, der Frauen und der Kinder" gewesen, umschreibt der Konzern auf Instagram mit Worten, was die Puppe bildlich zum Ausdruck bringen soll.

Gute Idee schlecht umgesetzt

Jedoch: Zwischen Absicht und Umsetzung herrscht eine tiefe Kluft, wie jedenfalls manche Kritiker aus den Reihen der Cherokee beklagen. Zu ihnen gehört auch die Korbflechterin Regina Thompson. "Nichts an der Puppe ist Wilma, rein gar nichts", sagt sie der Nachrichtenagentur AP. "Wilmas Name ist das Einzige, was auf der Schachtel Cherokee ist."

Thompson kritisiert, dass die Puppe anstelle traditioneller Mokassins schwarze Schuhen trage. Außerdem fehlten am Korb, der ihr als Attribut beigegeben ist, die charakteristischen Sprachsymbole des Volksstamms. Und von den Symbolen, die es gebe, sei eines falsch. Es bedeute auf Englisch "Chicken" (Hühnchen) statt "Cherokee".

Noch mehr Tadel und etwas Lob

Bei der Herstellung der Puppe arbeitete Mattel mit Mankillers Ehemann Charlie Soap und einer Freundin der einstigen Stammesführerin zusammen, nicht jedoch mit der offiziellen Vertretung der Cherokee oder mit Mankillers Tochter Felicia Olaya, die von der Puppe bis eine Woche vor Verkaufsstart nichts gewusst haben will – auch das ein Kritikpunkt vieler Cherokee-Mitglieder

Wilma Mankiller setzte sich nicht nur für die Rechte indigener Völker in Nordamerika ein.
Wilma Mankiller setzte sich nicht nur für die Rechte indigener Völker in Nordamerika ein.

Es gibt aber auch Befürworter der Mankiller-Barbie. Positiv über die Initiative Puppe hat sich beispielsweise der aktuelle Anführer des Volksstamms, Chuck Hoskin Jr., geäußert. "Wenn indigene Mädchen [die Puppe] sehen, können sie es [sic!] auch erreichen", erklärt er in einer Stellungnahme. Mankiller habe "zahllosen jungen Fragen" gezeigt, "furchtlos zu sein und sich für indigene und Menschenrechte einzusetzen."

Wer war Wilma Mankiller?

Wilma Mankiller wird 1945 in Tahlequah, einer Stadt im US-Bundesstaat Oklahoma, geboren. Sie ist knapp elf Jahre alt, als ihre Familie im Rahmen eines Umsiedlungsprogramms und angelockt von nicht erfüllten Versprechen der Behörden nach Kalifornien zieht. Ende der 1970er Jahre, nach ihrer Scheidung und mittlerweile Mutter zweier Töchter, kehrt Mankiller nach Oklahoma zurück.

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1985 wird sie zur Cherokee-Anführerin gewählt, das Amt hat sie bis 1995 inne. Drei Jahre später wird die Schriftstellerin und Aktivistin mit der Presidential Medal Of Freedom geehrt, einer Auszeichnung für Menschen, die einen "bedeutenden Beitrag für die Sicherheit oder das nationale Interesse der USA, den Weltfrieden und kulturelle oder andere bedeutsame öffentliche oder private Belange" geleistet haben. Im April 2010 erliegt Mankiller ihrer Krebserkrankung.

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