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Hidden Headlines: Notruf in Wales wegen Döner gewählt – das sorgt für Ärger

Oft wählen Menschen den Notruf ohne triftigen Grund. Das ist ein Problem für die Notfallversorgung.

Die Notrufnummer wird auch häufig gewählt, wenn kein Notfall vorliegt
Die Notrufnummer wird auch häufig gewählt, wenn kein Notfall vorliegt. (Foto: Symbolbild / Getty Images)

Das Telefon in der Rettungsleitstelle klingelt.

"Sagen Sie mir genau, was passiert ist."

"Gestern Abend haben wir uns Döner geholt und ich habe vielleicht ein bisschen mehr gegessen als normalerweise. Heute Morgen bin ich dann mit sehr starken Magenschmerzen aufgewacht."

Das ist ein echter Notruf, aufgezeichnet in Wales.

Nicht das einzige Beispiel

Immer öfter wählen Menschen den Notruf – ohne Notfall, wie die Nachrichtenseite Sky News in einem Artikel schreibt. Darin werden drei Beispiele aufgeführt, eines davon war die Person, die zu viel Döner gegessen hatte.

Eine Person hatte zu viel Döner gegessen - und wählte den Notruf. (Symbolbild: Getty)
Eine Person hatte zu viel Döner gegessen - und wählte den Notruf. (Symbolbild: Getty)

Eine andere Person wählte demnach die 999, das ist die Notrufnummer in Wales, weil ihre Hand im Briefkasten feststeckte. Eine dritte hatte ihre falschen Zähne verlegt und sorgte sich nun darum, ob sie die Prothese möglicherweise verschluckt habe.

Das sind die Hintergründe

Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Im vergangenen Jahr sind in Wales über 400.000 Notrufe eingegangen. Knapp 70.000 davon waren aber nicht im Ansatz lebensbedrohlich.

Diese Anrufe würden, so erklärt es ein Verantwortlicher beim Rettungsdienst, eine große zusätzliche Belastung für einen ohnehin überlasteten Dienst darstellen. Er appelliere deshalb an die Öffentlichkeit, vor einem Anruf zu entscheiden, ob es sich um einen echten Notfall oder um eine ärgerliche Situation handle.

Das Problem ist auch in anderen Ländern bekannt

In Deutschland zeigen sich seit einigen Jahren ähnliche Entwicklungen. Der RBB berichtete Anfang des Jahres über eine Kampagne der Feuerwehr und der Kassenärztlichen Vereinigung in Berlin, die "für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Notrufnummer 112" werben wollte. Der Notruf sei nur für "echte Notfälle und lebensgefährliche Situationen".

Im Rahmen der Kampagne wurde der Film "Die richtige Nummer, im richtigen Moment" veröffentlicht. Darin wird erklärt, wann Sanitäter:innen oder Bereitschaftsärzt:innen gerufen werden sollten und wann nicht.

In Deutschland gilt: Wer krank ist, soll bei seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin anrufen. Hat die Praxis geschlossen, gibt es die 116 117. Das ist die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdiensts, der eine Lösung für diesen Fall finden soll. Er sucht beispielsweise die zuständige Praxis in der Gegend mit Notfallsprechstunde heraus. Wer sich aber tatsächlich "in einer lebensgefährlichen Situation" befindet, soll natürlich die 112 wählen.

Notruf wegen leichter Krankheiten

Die Kampagne wurde gestartet, schreibt der RBB, weil in Berlin seit 2011 die Zahl der Einsätze im Rettungsdienst der Feuerwehr um fast 50 Prozent gestiegen sei – während gleichzeitig die Bevölkerung nur um zehn Prozent wuchs. Der Grund: "Immer mehr Menschen rufen bei leichteren Krankheiten wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, kleineren Brand- oder Schnittwunden den Rettungswagen, anstatt zum Arzt zu gehen."

Warum das ein Problem ist, haben die Stuttgarter Nachrichten erklärt. Im Bundesland Baden-Württemberg gilt die sogenannte Hilfsfrist von zwölf Minuten. Das ist die Zeit, bis ein Krankenwagen am Notfallort eintreffen soll. Wenn aber die Notrufzentrale ständig überlastet oder besetzt ist, können echte Notrufe langsamer bearbeitet werden. Denn abweisen darf die Leitstelle Anrufer:innen nicht. Es herrscht Versorgungspflicht, selbst wenn die Fälle das Rettungssystem blockieren.

Trotzdem, das wird in dem SN-Artikel betont, ist die Notfallversorgung gesichert, ein Rettungswagen rücke immer aus. Nur langsamer, weil die Leitstellen die vielen Anrufe erst bewerten und Notfälle dann priorisieren müssten.

Infografik: Wo Krankenhauszugang zur Zeitfrage wird | Statista
Infografik: Wo Krankenhauszugang zur Zeitfrage wird | Statista

So verhalten Sie sich im Notfall

Das Rote Kreuz hat eine Liste veröffentlicht, welche Fragen Sie im Notfall beantworten können sollten. Die wichtigste ist:

  • Wo ist der Notfall?

Geben Sie eine möglichst exakte Standortangabe des Notfalls. Selbst bei Verbindungsproblemen oder Störungen ist die Leitstelle nun in der Lage, auf diesen zu reagieren. Orientieren Sie sich, denn hier sind exakte Angaben zwingend notwendig. Machen Sie möglichst genaue Angaben über den Notfallort: Ort, Straße, Hausnummer, Fabrikgebäude, Zufahrtswege, Stockwerk... Weitere Fragen sind:

  • Was ist genau geschehen?

  • Wie viele Personen sind betroffen?

  • Welche Verletzungen oder Symptome liegen vor?

  • Ist die betroffene Person ansprechbar und besteht Lebensgefahr?

Alle weiteren relevanten Informationen werden vom geschulten Personal der Leitstelle gezielt abgefragt.