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Hidden Headlines: Schwere Anschuldigungen wegen Firmen-Umzug in abgelegene Gegend

In China soll ein Unternehmen viele Mitarbeiter*innen durch einen Umzug in eine entlegene Region zur Kündigung getrieben haben. Das berichtet eine Hongkonger Zeitung.

Ein Unternehmen aus der Millionenstadt Xi'an, hier im Bild, soll einen Umzug auf sich genommen haben, um Mitarbeiter*innen zur Kündigung zu bewegen. Das berichtet ein ehemaliger Angestellter. (Foto: Getty Images)
Ein Unternehmen aus der Millionenstadt Xi'an, hier im Bild, soll einen Umzug auf sich genommen haben, um Mitarbeiter*innen zur Kündigung zu bewegen. Das berichtet ein ehemaliger Angestellter. (Foto: Getty Images)

Ein chinesisches Unternehmen hat Medienberichten zufolge Mitarbeiter*innen mit einem Trick dazu bewegt, zu kündigen. Damit sollten offenbar Abfindungszahlungen gespart werden, die bei Entlassungen fällig geworden wären.

Was ist passiert?

Ein chinesisches Unternehmen ist umgezogen. Es hat den Standort gewechselt, raus aus der Millionenstadt Xi'an ins Umland. Genauer: In eine entlegene Bergregion. Das berichtet unter anderem die South China Morning Post (SCMP). Die englischsprachige Zeitung mit Sitz in Hongkong gilt als Peking-kritisch – obwohl sie 2015 vom Alibaba-Gründer Jack Ma aufgekauft wurde und manche die chinesische Regierung hinter dem Deal vermuteten, um "die kritische Stimme im aufmüpfigen Hongkong" zu zähmen. China steht im Pressefreiheitsranking der Reporter ohne Grenzen auf Rang 179 von 180.

In dem Artikel der SCMP aus der vergangenen Woche kommt ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens zu Wort. Er hat die ganze Geschichte öffentlich gemacht. Der Mann, der nur den Namen Chang bekommt, beschreibt den neuen Standort als "extrem abgelegen" und nur durch eine zweistündige Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: "Meine Kollegen, die kein Auto hatten, mussten sich auf den Bus verlassen, der nur alle drei Stunden fuhr. Danach mussten sie drei Kilometer über bergige Pfade laufen, um ins Büro zu gelangen." Für eine Taxifahrt für diese Strecke soll das Unternehmen nicht bereit gewesen sein, aufzukommen.

Und es gab weitere Probleme: So soll es am neuen Standort keine Toiletten für Frauen gegeben haben, die deshalb einen "längeren Fußmarsch" zu öffentlichen Einrichtungen im nächsten Dorf auf sich nehmen mussten. Aufgrund der schlechten Bedingungen haben der SCMP zufolge 14 von 20 Beschäftigten gekündigt – nach erfolglosen Protesten gegen den Umzug.

Welche Positionen gibt es?

Nur vier Tage später entdeckten ehemalige Mitarbeiter*innen, dass das Unternehmen zurück in Xi'an war und offene Stellen neu besetzen wollte. Deshalb äußerten sie die Vermutung, ihr ehemaliger Arbeitgeber habe das alles getan, um Kündigungen herbeizuführen

In der SCMP kommt auch ein Sprecher des Unternehmens zu Wort. Ihm zufolge ging es bei dem vorübergehenden Umzug darum, Kosten zu senken. Denn: "Die Miete im Central Business District war hoch und das neue Büro noch nicht fertig renoviert." Man sei deshalb für eine Woche umgezogen und habe das Geschäft vorübergehend an einen günstigeren Standort verlagert. Aufgrund der Veröffentlichung erwäge man zudem rechtliche Schritte gegen die ehemaligen Mitarbeiter*innen um Chang, weil sie "den Ruf des Unternehmens geschädigt und mögliche Umsatzverluste" verursacht hätten.

Chinas Rolle in der Welt - mehr dazu im Video:

Die widersprachen den Äußerungen des Unternehmenssprechers, dass der Umzug nur für eine Woche geplant gewesen sei. Vielmehr sei kommuniziert worden, dass der Standwortwechsel in die Bergregion "sehr lang sein könnte, möglicherweise bis zum kommenden Jahr".

Das sind die Reaktionen

Online haben viele User*innen den ehemaligen Beschäftigten ihre Solidarität ausgesprochen. Jemand schreibt beispielsweise, dass es sich um eine "gerissene und manipulative" Masche des Arbeitgebers handeln würde.

Andere äußerten Zweifel, ob der Arbeitgeber nicht doch vertragsbrüchig geworden sei. Denn: "In einem Vertrag ist üblicherweise der Arbeitsort festgelegt. Ein Umzug stellt einen Bruch dar." Deshalb könnten die ehemaligen Arbeitnehmer*innen doch noch Entschädigung verlangen.

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