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Huthi schießen Öltanker in Brand und greifen US-Zerstörer an

Huthi schießen Öltanker in Brand und greifen US-Zerstörer an

UPDATE 27/01/2024 17:45 UHR

Die Besatzung des Tankers hat nach mehreren Stunden das Feuer an Bord, das durch den Angriff ausgelöst worden war, gelöscht.

Nach einem Huthi-Angriff auf einen Öltanker und ein amerikanisches Kriegsschiff, haben die US-Streitkräfte im Roten Meer am frühen Samstagmorgen Ortszeit einen weiteren Angriff auf eine Huthi-Stellung durchgeführt, in der sich eine auf das Rote Meer gerichtete abschussbereite Schiffsabwehrrakete befand. Dies teilte das Zentralkommando des US-Militärs (CENTCOM) mit.

Die Huthi-Rebellen im Jemen hatten am Freitag eine Rakete auf den Zerstörer USS Carney abgefeuert, der im Golf von Aden patrouillierte, und ihn gezwungen, das Projektil abzuschießen.

Eine weitere Huthi-Rakete traf einen britischen Öltanker. Auf der „Marlin Luanda“, die unter der Flagge der Marshallinseln fährt, ist ein Feuer ausgebrochen. Die Besatzung habe vorsorglich Rettungsboote bestiegen, berichtete NBCNews unter Berufung auf US-Regierungskreise.

Wie die britische Maritime Trade Operations Agency (UKMTO), die das Gebiet überwacht, berichtete, ereignete sich der Vorfall 60 Seemeilen südöstlich von Aden.

Nach Angaben der Reederei gab es unter der Besatzung der Marlin Luanda keine Verletzen oder Verluste.

„Die Besatzung setzt ihre Bemühungen fort, das Feuer in einem der Frachttanks des Schiffes mit Unterstützung von Kriegsschiffen unter Kontrolle zu bringen“, hieß es.

Der Angriff auf das US-Kriegsschiff, den Zerstörer USS Carney, und den britischen Öltanker stellt eine weitere Eskalation in der größten Konfrontation auf See, der sich die US-Marine im Nahen Osten seit Jahrzehnten gegenübersieht, dar.

Der Satellitennachrichtensender Al-Masirah der Huthis meldete, die Angriffe seien in der Nähe der Hafenstadt Hodeida erfolgt. Al-Masirah berichtete jedoch nicht über Schäden.

Angriff auf die USS Carney sei das erste Mal gewesen, dass die Huthis ein US-Kriegsschiff direkt angegriffen hätten, sagte ein US-Beamter unter der Bedingung, anonym zu bleiben, da keine Genehmigung zur Erörterung des Vorfalls erteilt worden sei.

Huthi-Militärsprecher Brigadegeneral General Yahya Saree übernahm keine Verantwortung für den Angriff auf die USS-Carney, erklärte aber, der Raketenangriff auf das Handelsschiff habe es in Brand gesetzt. Er identifizierte das Schiff als den unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Tanker „Marlin Luanda“.

Das Zentralkommando bestätigte am späten Freitag, dass die „Marlin Luanda“ von einer einzigen ballistischen Schiffsabwehrrakete getroffen wurde, die aus dem von den Huthi kontrollierten Jemen abgefeuert wurde. Die USS Carney und andere Koalitionsschiffe hätten reagiert und dem havarierten Schiff Hilfe geleistet. Das Zentralkommando sagte, es seien keine Verletzten gemeldet worden.

Die nun direkten Angriffe der Huthis auf US-Kriegsschiffe sind die aggressivste Eskalation ihres Feldzugs im Roten Meer seit Ausbruch des Krieges zwischen Israel und der Hamas. Die USA haben versucht, Angriffe der Huthis zurückhaltend zu beschreiben, um zu verhindern, dass sich der Konflikt zu einem größeren regionalen Krieg ausweite.

Auch die USA und ihre Verbündeten hatten sich wochenlang mit Angriffen auf Huthi-Stellungen im Jemen zurückgehalten, doch jetzt greifen sie regelmäßig Raketenstellungen an, die als unmittelbare Bedrohung gelten.

Obwohl die USS Carney direkt angegriffen wurde, meldete das Zentralkommando, die Huthis hätten „in Richtung“ der Carney geschossen. Die Carney habe die ballistische Schiffsabwehrrakete abgeschossen, hieß es.

Es sei wichtig, den Angriff vom Freitag als direkten Angriff auf ein US-Kriegsschiff anzuerkennen, sagte Brad Bowman, leitender Direktor der Foundation for the Defense of Democracies.

„Jetzt nennen sie endlich alles beim Namen und sagen, ja, sie versuchen, unsere Streitkräfte anzugreifen, sie versuchen, uns zu töten“, sagte er.

Die amerikanische Mäßigung in Sprache und Reaktion zielte zwar darauf ab, einen größeren Krieg zu verhindern, hatte aber den gegenteiligen Effekt, nämlich die Houthis weiter zu ermutigen, sagte Bowman.

Bei den Angriffen handelte es sich um die jüngsten Angriffe der Rebellen in ihrem Feldzug gegen Schiffe, die durch das Rote Meer und die umliegenden Gewässer fuhren, was den Welthandel während des israelischen Krieges gegen die Hamas im Gazastreifen gestört hat.

Die USA und Großbritannien haben seit Beginn der Huthi-Angriffe mehrere Luftangriffe gegen Huthi-Raketendepots und Abschussanlagen im Jemen durchgeführt.

Seit November haben die Rebellen wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen und dies damit gerechtfertigt, sie würden Vergeltung für Israels Offensive in Gaza gegen die Hamas üben. Sie haben jedoch häufig Schiffe mit schwachen oder keinen klaren Verbindungen zu Israel ins Visier genommen und so die Schifffahrt auf einer wichtigen Route für den Welthandel zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa gefährdet.

Seit Beginn der Luftangriffskampagne sagen die Rebellen nun, dass sie auch amerikanische und britische Schiffe ins Visier nehmen werden. Am Mittwoch wurden zwei unter amerikanischer Flagge fahrende Schiffe, die Fracht für das US-Verteidigungs- und das Außenministerium transportierten, von den Huthis angegriffen, was ein begleitendes Kriegsschiff der US-Marine dazu zwang, einige der Projektile abzuschießen.

Der Oberbefehlshaber der US-Marine im Nahen Osten sagte der Nachrichtenagentur AP am Montag, dass die Huthi-Angriffe die schlimmsten seit dem sogenannten Tankerkrieg in den 80er Jahre seien.

Der gipfelte damals in einer eintägigen Seeschlacht zwischen Washington und Teheran, bei der die US-Marine 1988 versehentlich ein iranisches Passagierflugzeug abschoss, wobei 290 Menschen ums Leben kamen.