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In der Ukraine entsteht eine besondere Schule

Eine Studie des Projekts The Hive. So soll die 3D-gedruckte Schule im ukrainischen Lwiw einmal aussehen. (Foto: Cobod)
So soll die 3D-gedruckte Schule im ukrainischen Lwiw einmal aussehen. (Foto: Cobod)

Vor einiger Zeit veröffentlichte das ukrainische Bildungsministerium die folgenden Zahlen: Über 2.000 Schulen sollen seit Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffs durch Kriegshandlungen im ganzen Land beschädigt, rund 330 sogar vollständig zerstört worden sein.

Deshalb hat sich im September 2022 ein internationales Team zusammengetan, um ein Pilotprojekt in der Ukraine umzusetzen: Es wollte eine knapp 370 Quadratmeter große Schule mit einem 3D-Drucker bauen. Die sollte dann zum Vorbild für weitere Projekte werden, um die Ukraine nach Ende des Kriegs schnellstmöglich wieder aufzubauen. Das Projekt trägt den Namen: Hive.

Schneller Druck, lange Pausen

Umgesetzt wird Hive in der Stadt Lwiw, nahe einer bestehenden Schule und soll für insgesamt vier zusätzliche Klassenzimmer sorgen. Angestoßen hatte das Projekt die gemeinnützige Organisation "Team4UA". Auf ihrer Webseite erklären sie die eigenen Ziele so: "Wir setzen auf Technologien für die humanitäre Nothilfe in der Ukraine, angefangen bei der Koordinierung bis hin zum Start eines Programms zum Wiederaufbau von Häusern, Schulen und Infrastruktur mit Hilfe von 3D-Drucktechnologie."

Der Gründer von "Team4UA", Jean-Christophe Bonis, erklärte kürzlich in einem Interview mit "CNN", wieso sie auf 3D-Druck setzen wollten: "Ich bin kein Bauunternehmer oder Architekt. Aber mithilfe von Robotik und KI können wir Prozesse erheblich beschleunigen." Und das ist wahr – zumindest teilweise. So benötige der reine Mauerbau für die neue Schule laut "CNN" nur 40 Stunden. Gedruckt wird aber nicht am Stück, sondern in Abschnitten auf sechs Wochen verteilt. Das Ziel ist, Ukrainer*innen vor Ort mit dem 3D-Druck vertraut zu machen, damit sie die Technologie in Zukunft selbst beherrschen und umsetzen können.

Bauen im Kriegsgebiet: Gefährlich und wenig planbar

Auch das ganze Projekt, das Anfangs auf nur drei Monate angesetzt war, zieht sich sehr viel länger hin als geplant – und es ist aktuell noch immer nicht beendet. Ein Grund: Russische Angriffe hatten immer wieder kritische Infrastrukturen in Lwiw zerstört. Es kam dadurch zu Stromausfällen. Auch die Lieferung des großen 3D-Druckers hatte sich verzögert, weil der Hersteller Cobod die Situation als zu gefährlich einstufte.

Erst im vergangenen Sommer fiel deshalb der Startschuss. Eröffnet werden sollte The Hive dann diesen Januar. Nach erfolgreichem Druck gab es aber ein weiteres Problem: zu wenig Geld. Baukosten sind auch in der Ukraine in den vergangenen Monaten und Jahren stark gestiegen. Für den Innenausbau, Fenster, das Dach und alle weiteren notwendigen Baumaßnahmen fehlen derzeit umgerechnet rund 370.000 Euro.

Teure Nischentechnologie

Der Preis zeigt: 3D-Druck ist eine teure Technologie. Das liegt daran, dass bislang vor allem experimentelle oder Einzel-Projekte umgesetzt wurden. Von einer Serienreife, die möglicherweise die Kosten senken würde, ist die Technologie noch weit entfernt.

Im Gespräch mit "CNN" zeigt sich der Professor für Architektur Christian Lange deshalb skeptisch. Zwar habe die Technologie Potenzial, billiger als konventionelle Baumethoden zu sein, aber die Drucker seien sehr teuer und schwer zu transportieren. Aktuell sei es deshalb auf jeden Fall schneller und billiger, vorgefertigte und modulare Gebäude zu bauen. Beispielsweise seien modulare Fertighäuser, die in Fabriken hergestellt und vor Ort zusammengebaut wurden, für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg sehr beliebt gewesen. 3D-Drucker eignen sich Lange zufolge eher für besondere Ansprüche: "Dem Roboter oder der Maschine ist es egal, ob man eine gerade oder eine gebogene Wand baut, deshalb ist man völlig frei und kann spezielle Geometrien und Formen umsetzen."

Dem gegenüber steht Olga Gavura, die mit der 7CI Group an The Hive beteiligt ist. Sie sagt, dass in der Ukraine viele Bauarbeiter*innen und Branchenexpert*innen an der Front kämpfen würden. Die Automatisierung durch den 3D-Druck könne deshalb helfen, dem großen Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken.