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Iran: Wieder zwei Menschen wegen "Blasphemie" hingerichtet

Im Iran sind zwei Männer wegen des Vorwurfs der Blasphemie hingerichtet worden. Das gab die Justizbehörde Mizan am Montag auf ihrem Webportal bekannt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenseite Irna wurden die Angeklagten frühmorgens gehängt.

Die Justiz hatte den Männern namens Jusuf Mehrdad und Sadrollah Faseli Sare vorgeworfen, unter anderem in Chatgruppen gotteslästerliche Beleidigungen gegen den Islam und den Propheten verbreitet zu haben. Auch sollen die Angeklagten Kontakt zu anti-religiösen Netzwerken gehabt haben. Die Justizbehörde Mizan erwähnt zudem ein Video über eine Koranverbrennung auf dem Handy Mehrdads.

Vorwurf der Gotteslästerung

Im Iran werden Todesurteile wegen des Vorwurfs der Blasphemie äußerst selten vollstreckt. Es ist zunächst nicht bekannt geworden, wann im Iran die letzte Hinrichtung wegen Blasphemie vollstreckt wurde. Auch in anderen Ländern des Nahen Ostens, wie Saudi-Arabien, können Todesurteile wegen Gotteslästerung verhängt werden.

Erst am Wochenende richteten die iranischen Behörde einen schwedisch-iranischen Staatsbürger. Habib Farajollah Chaab waren terroristische Aktivitäten zur Last gelegt worden. Wie das Justizportal Misan mitteilte, wurde ihm unter anderem vorgeworfen, 2018 als Anführer einer Separatistengruppe an einem Terroranschlag auf eine Militärparade in der Stadt Ahwas im Südwesten des Landes mit mehreren Toten und Verletzten beteiligt gewesen zu sein.

Internationale Kritik

Die Hinrichtung Chaabs im Iran hat international Empörung ausgelöst. Die Todesstrafe sei unmenschlich und unumkehrbar und Schweden verurteile deren Anwendung ebenso wie die übrigen EU-Länder, teilte das Außenministerium in Stockholm am Samstag mit. Zudem bestellte es den iranischen Botschafter ein. Die Europäische Union verurteilte die Exekution aufs Schärfste und forderte Teheran auf, die Todesstrafe nicht mehr anzuwenden und sie abzuschaffen.

Die Anwendung der Todesstrafe im Iran kritisieren Menschenrechtler seit Jahren. Wie die Menschenrechtsorganisation Hengaw erst vor wenigen Tagen meldete, wurden im Iran in diesem Jahr bereits 199 Gefangene hingerichtet. Das Land ist somit eines der Länder weltweit, wo die meisten Menschen hingerichtet werden.

Todesurteil gegen Deutsch-Iraner

Im April hatte der Oberste Gerichtshof im Iran das umstrittene Todesurteil gegen den Deutsch-Iraner Djamshid Sharmahd bestätigt. Damit steht einer Vollstreckung des Urteils formal nichts mehr im Weg. Ein Revolutionsgericht hatte den 68-Jährigen im Februar unter anderem für einen Terroranschlag verantwortlich gemacht. Familienangehörige und Menschenrechtler bezeichneten die Vorwürfe als haltlos und kritisierten das Verfahren als grob unfair.

Die Europäische Union hat die iranische Justiz aufgefordert, das Todesurteil gegen Sharmahd aufzuheben. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) rief den Iran ebenfalls erneut auf, das "absolut inakzeptable" und willkürliche Urteil rückgängig zu machen. Der 68-Jährige habe zu keinem Zeitpunkt den Ansatz eines fairen Prozesses erhalten.