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Johnny Depp und sein königliches Comeback: Das sind die Kino-Highlights der Woche

Johnny Depp feiert mit "Jeanne du Barry" sein Kino-Comeback. Bei der Festivaleröffnung in Cannes erntete er minutenlange stehende Ovationen. (Bild: Wild Bunch Germany)
Johnny Depp feiert mit "Jeanne du Barry" sein Kino-Comeback. Bei der Festivaleröffnung in Cannes erntete er minutenlange stehende Ovationen. (Bild: Wild Bunch Germany)

"The Inspection", "Joy Ride - The Trip" und der Historienfilm "Jeanne du Barry", mit dem Johnny Depp nach dem großen Gerichtszoff im Sommers 2022 sein Leinwand-Comeback feiert: Das sind die Kino-Neustarts am 24. August.

Sieben Minuten stehender Applaus, noch dazu in Cannes, dieser höchsten Hochburg der Filmwelt: Die Genugtuung war Johnny Depp anzusehen. Zwischendurch schien es, als wische er sich eine Träne aus dem Gesicht. Der Beifall galt nicht nur ihm, sondern auch seiner Kollegin Maïwenn, aber natürlich: Hinterher las man immer wieder von Depps großem "Comeback". "Jeanne du Barry - Die Favoritin des Königs" ist sein erster Film nach dem spektakulären Verleumdungsprozess gegen Amber Heard im Sommer 2022. Nach der Festivaleröffnung in Cannes und dem französischen Kinostart im Mai findet das opulente Historiendrama jetzt auch hierzulande den Weg auf die große Leinwand.

Außerdem neu im Kino: Elegance Bratton erzählt in "The Inspction" seine eigene Geschichte als schwarzer, schwuler Mann beim US-Militär, und in "Joy Ride - The Trip" begeben sich vier Freundinnen auf eine abenteuerliche Reise nach China.

Jeanne du Barry (Maïwenn) stellt sich König Ludwig XV. (Johnny Depp) vor. Man hatte ihr vorher zwar gesagt, sie solle ihm keinesfalls direkt in die Augen schauen. Der Herrscher verzeiht ihr den kleinen "Fauxpas" aber umgehend. (Bild: Wild Bunch Germany/Stéphanie Branchu/Why Not Productions)
Jeanne du Barry (Maïwenn) stellt sich König Ludwig XV. (Johnny Depp) vor. Man hatte ihr vorher zwar gesagt, sie solle ihm keinesfalls direkt in die Augen schauen. Der Herrscher verzeiht ihr den kleinen "Fauxpas" aber umgehend. (Bild: Wild Bunch Germany/Stéphanie Branchu/Why Not Productions)

Jeanne du Barry - Die Favoritin des Königs

Johnny Depp stand bei der Berichterstattung rund um "Jeanne du Barry" von Beginn an im Fokus. Streng genommen spielt er in der französischen Produktion aber nur die zweite Geige, und "sein" Film ist das hier sowieso nicht. Die Französin Maïwenn führte Regie, schrieb (gemeinsam mit Teddy Lussi-Modeste und Nicolas Livecchi) das Drehbuch und übernahm selbst die Titelrolle. Im Zentrum der Romanze steht eine außergewöhnliche historische Persönlichkeit, deren Geschichte in der Vergangenheit auch schon mehrfach adaptiert wurde: Jeanne du Barry, die letzte offizielle Geliebte von König Ludwig XV.

"Ein Engel, der vom Himmel fiel. Ich habe auf dich gewartet!": Solche Schmeicheleien hört Jeanne Vaubernier (Maïwenn) immer wieder von immer anderen Herren. Wenn einer von Liebe spricht, verdreht sie die Augen. Jeanne stammt aus ärmlichen Verhältnissen, mit großen Ambitionen und einigem Geschick hat sie sich aus den Bordellen Frankreichs nach oben gearbeitet bis in die höchsten gesellschaftlichen Kreise. Im Hintergrund zieht ein gewisser Graf du Barry (Melvin Poupaud) die Fäden. Er ist so etwas wie Jeannes Zuhälter.

Geld, Macht, Einfluss: Jeannes romantische Abenteuer sind höchst profitabel, einerseits für sie, andererseits auch für den Comte du Barry. Irgendwann setzt der sich dann die ultimative Kuppelei in den Kopf: seine Jeanne mit Ludwig XV. (Johnny Depp) zusammenbringen, dem König von Frankreich.

Kleiner Knigge für derartige Abenteuer am Hofe: Direkten Augenkontakt soll Jeanne beim ersten Treffen mit dem König (übrigens der Urenkel von "Sonnenkönig" Ludwig XIV.) tunlichst vermeiden, das könne man sonst als Einladung zu "Frivolitäten" deuten. Jeanne macht für sich das Beste daraus und schaut dem Monarchen sofort tief in die Augen. Die Frau weiß genau, was sie will und was sie tut, der König verfällt ihr augenblicklich. Wenig später macht Ludwig XV. die Kurtisane zu seiner Mätresse, bald spricht auch er von "Liebe". Im Versailles des späten 18. Jahrhunderts ist diese Verbindung aber nicht weniger als ein Skandal. Der König und ein "Straßenmädchen"? Mon dieu, das darf nicht sein!

"The Inspection" basiert auf der Lebensgeschichte von Elegance Bratton. Die Hauptrolle im Film spielt Jeremy Pope (Bild). (Bild: Patti Perret/A24/X Verleih)
"The Inspection" basiert auf der Lebensgeschichte von Elegance Bratton. Die Hauptrolle im Film spielt Jeremy Pope (Bild). (Bild: Patti Perret/A24/X Verleih)

The Inspection

"Black, gay Rocky" - ein "schwarzer, schwuler Rocky" sei dieser Film. Das ist mal eine Ansage. Aber das Recht, große Töne zu spucken, hat sich Elegance Bratton mehr als verdient. Als 16-Jähriger wurde er von seiner Mutter vor die Tür gesetzt. Beim US-Militär ging er als schwarzer, homosexueller Mann durch die härteste Schule, die man sich wohl vorstellen kann. Zwischendurch lebte er zehn Jahre lang als Obdachloser auf der Straße. Und jetzt? Ist er ein gefeierter Fotograf und Filmemacher. In "The Inspection", jenem Film, den er in eine Reihe mit "Rocky" stellt, erzählt Bratton seine eigene Lebensgeschichte.

Bratton schrieb selbst das Drehbuch zu "The Inspection" und führte Regie. Die Hauptrolle - er nennt seinen Protagonisten Ellis French - besetzte er mit Sänger und Schauspieler Jeremy Pope, seinerseits ebenfalls eine große Persönlichkeit der queeren Community und bereits mehrfach für einen Tony Award nominiert.

Dieser Ellis French geht in etwa denselben schweren Weg, den auch Elegance Bratton ging. Das Zerwürfnis mit der Mutter, die Nächte in Unterkünften für Obdachlose, die Zeit bei den Marines. Da ist ein muslimischer Rekrut, Ismael (Eman Esfandi), mit dem Ellis sich gut versteht. Drill Sergeant Rosales (Raúl Castillo) wird für den jungen Soldaten zum Objekt der Begierde. Für Romantik bleibt in "The Inspection" aber nicht viel Raum. Die Mehrheit der Marines begegnen Ellis mit Ablehnung, die irgendwann in offene Feindseligkeit umschlägt.

Niedergeschlagen werden, immer wieder, und dann doch wieder aufstehen: Der Vergleich mit Rocky Balboa ist vielleicht etwas grob, aber doch nachvollziehbar. Elegance Bratton jedenfalls hat seinen Weg trotz aller Hindernisse gemacht und übersetzt seine eigenen Erfahrungen hier in ein Drama, das viele Menschen inspirieren wird. Bemerkenswerte Randnotiz: Bratton widmete den Film, der bereits für zahlreiche Preise nominiert war, seiner Mutter (in "The Inspection" verkörpert von Gabrielle Union).

Ellis French (Jeremy Pope, links) sucht beim Militär nach Anerkennung. Dort begegnet ihm aber nicht jeder so respektvoll wie Drill Seargent Rosales (Raúl Castillo). (Bild: Patti Perret/A24/X Verleih)
Ellis French (Jeremy Pope, links) sucht beim Militär nach Anerkennung. Dort begegnet ihm aber nicht jeder so respektvoll wie Drill Seargent Rosales (Raúl Castillo). (Bild: Patti Perret/A24/X Verleih)

Joy Ride - The Trip

"Die Verantwortungsbewusste", "Die irgendwie Berühmte", "Die Labertasche", "Die Chaotische": Wenn vier solche Typen gemeinsam um die halbe Welt reisen, dann ist eigentlich schon vorher klar, dass es wild wird. Die naheliegendsten Ziele sind bei solchen Kino-Roadtrips üblicherweise Highlife-Hotspots wie Las Vegas oder der Ballermann. In "Joy Ride - The Trip" ist der Schauplatz etwas "exotischer": die Volksrepublik China.

Audrey (Ashley Park) arbeitet als Anwältin in den USA, sie ist in dieser Geschichte "Die Verantwortungsbewusste" und zugleich die Nummer-eins-Progatonistin. Audrey wurde als Kind adoptiert, zu ihrer chinesischen Heimat hat sie wenig bis keinen Bezug. Chinesisch spricht sie auch nicht. Trotzdem schickt man sie nach China, um dort einen sehr wichtigen Deal abzuschießen. Als mentale Verstärkung oder warum auch immer sind drei weitere, ebenfalls asiatische oder asiatisch-stämmige junge Frauen dabei: Audreys beste Freundin Lolo (Sherry Cola), deren Cousine Deadeye (Sabrina Wu) und Kat (Stephanie Hsu, "Everything Everywhere All At Once"), eine alte College-Freundin, begleiten die junge Juristin. Was Regisseurin Adele Lim (Drehbuch: Cherry Chevapravatdumrong, Teresa Hsiao) daraus machen, endet im puren Chaos.

Schon bei der Anreise werden Audrey und ihre Begleiterinnen zu Drogenkurierinnen wider Willen - nach einem Aufeinandertreffen mit einer blonden Amerikanerin, ausgerechnet. Mit reichlich Kokain im Anus versuchen die vier jungen Frauen, die chinesischen Sicherheitsbehörden auszutricksen, zum Beispiel, indem sie sich als große K-Pop-Stars ausgeben. Ziemlich pikant, das alles, und teilweise auch recht derb umgesetzt. Neben dem größtmöglichen "Culture Clash" und einigem Tohuwabohu geht es in "Joy Ride" letzthin aber auch noch um andere, ernstere Dinge. "Alle denken immer, ich hätte ein perfektes Leben. Aber ich gehöre nirgendwo hin!", klagt Audrey im Verlauf des Films. Aber vielleicht ändert sich das ja, wenn sie in China ihre leibliche Mutter findet ..?

In "Joy Ride - The Trip" begeben sich vier Freundinnen auf eine abenteuerliche Reise nach China. Von links: Sabrina Wu, Ashley Park, Sherry Cola, Stephanie Hsu. (Bild: 2023 Lionsgate/Leonine)
In "Joy Ride - The Trip" begeben sich vier Freundinnen auf eine abenteuerliche Reise nach China. Von links: Sabrina Wu, Ashley Park, Sherry Cola, Stephanie Hsu. (Bild: 2023 Lionsgate/Leonine)