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Katastrophe Kachowka-Damm: Kiew bereitet einmaligen Fall von Ökozid gegen Russland vor

Der Kachowka-Staudamm in der Ukraine war im Juni dieses Jahres nach einer Bombardierung gebrochen. Es folgte eine ökologische Katastrophe, verheerende Überschwemmungen und die Austrocknung eines lebenswichtigen Stausees. Kiew gibt Russland die Schuld und spricht von einer absichtlichen Sprenung des Damms.

Es ist ein ein Beispiel dafür, wie sich der Krieg auch auf die Umwelt auswirkt. Ermittler graben im Boden, sammeln Proben, machen Fotos. Wladislaw Ignatenko, ein ukrainischer Staatsanwalt, führt eine weltweit einmalige Untersuchung von Kriegsverbrechen durch: die des Ökozids. Kiew will den Fall des Umweltmords vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) bringen.

"Alle Stoffe, die sich auf der Oberfläche befanden, wurden durch die Strömung des Wassers weiter flussabwärts getragen, wodurch sie sich im Boden verteilten. In Zukunft werden alle diese Schadstoffe, die sich auf dem Boden abgesetzt haben, vom Boden und den Nutztieren aufgenommen", so Staatsanwalt Wladislaw Ignatenko.

Ein Ökozid bezeichnet ist die vorsätzliche Zerstörung der natürlichen Umwelt. Etwa 300 Kilometer flussaufwärts, am Rande von Saporischschja, läuft der Biologe Vadym Maniuk über das trockene Bett des Kachowka-Stausees voller Muschelschalen.

"Früher stand das Wasser hier vier Meter hoch. Milliarden Lebewesen wurden plötzlich, innerhalb weniger Tage, getötet, als sich der Stausee leerte", erklärt der Biologe an der Oles-Hontschar-Universität in Dnipro.

Obwohl der Internationale Strafgerichtshof die Umweltzerstörung nicht als eigenständiges Verbrechen anerkennt, kann eine großflächige Umweltzerstörung als Teil eines Kriegsverbrechens angesehen werden.

Für die ukrainischen Ermittler ist der Vorwurf des Ökozids unbestreitbar - Russland weist die Verantwortung zurück.