Kein Ende, nur Schrecken

Andreas Fischer
1 / 10

Kein Ende, nur Schrecken

Eine bunte Truppe Nazi-Jäger will in den 1970er-Jahren in den USA ein Viertes Reich verhindern: Die neue Amazon-Serie "Hunters" ist ein buntes Technicolor-Drama mit sattem Seventies-Look, schnoddrig-jüdischem Witz, hohem Bodycount - und extremer Beklemmung.

Washington ist infiltriert, Killerkommandos durchstreifen New York, eine Grillparty endet mit einer Massenhinrichtung: Die Nazis sind in der Amazon-Original-Serie "Hunters" (ab 21. Februar) längst nicht besiegt. Im Gegenteil, sie arbeiten 1977 daran, in den USA mit tödlicher Brutalität ein Viertes Reich zu gründen und den Genozid an den Juden zu vollenden.

Die wollen sich das allerdings nicht gefallen lassen: Also versammelt der Holocaust-Überlebende Meyer Offermann (Al Pacino) eine bunt zusammengewürfelte Truppe, um Jagd auf die in aller Öffentlichkeit versteckten Nazis zu machen. Weil die Behörden nichts unternehmen, wollen sie selbst dafür sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Allen voran der junge Jonah (Logan Lerman), dessen Großmutter vor seinen Augen von einem untergetauchten Auschwitz-Mörder hingerichtet wurde. Denn ein Ende haben die Nazi-Schrecken in "Hunters" nicht.

Nun ist "Hunters" nicht die erste Amazon-Serie, die sich mit den Nachwehen des Dritten Reiches beschäftigt. In den vier Staffeln von "The Man In The High Castle" hatten die Achsenmächte den Krieg sogar gewonnen: eine beängstigende Vorstellung, aber eben auch nur eine Vorstellung.

In "Hunters" ist es anders. Die Serie kommt daher wie ein bunter Technicolor-Actiontrip für Erwachsene mit sattem 70ies-Look, schnoddrig-jüdischem Witz und fantasievollen Nostalgieeinschüben. Und doch spielt hier die Realität eine viel größere Rolle, auch wenn die zehn Episoden mit einer äußerst knalligen Optik bebildert und die jüdische Rächer wie Superhelden inszeniert wurden.

Die Beklemmung ist allgegenwärtig, weil Serienschöpfer David Weil Geschichten vom Holocaust verarbeitet hat, die ihm seine Großmutter erzählte. Auch dass tausende Nazis unerkannt in den USA untertauchten und dort sogar von der CIA protegiert wurden, entspricht der Wahrheit.

Der Holocaust ist stets präsent

David Weil macht überhaupt keine Anstalten, dem Publikum den Schrecken des Holocaust zu ersparen. Im Gegenteil: Der millionenfache Mord ist stets präsent, immer wieder zeigen Rückblenden die Gräueltaten der Nazis, die die Überlebenden genauso verfolgen wie die Nachgeborenen. "Die Geschichte wiederholt sich immer wieder", gibt der alte Meyer Offermann dem jungen Jonah mit auf dem Weg. "Auch wenn es immer wieder neue Menschen gibt, die auf ein anderes Ende hoffen."

Die Serie zeigt ganz klar Kante - wider die weltweit zu beobachtenden faschistoiden Tendenzen und die zunehmende Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender, Andersglaubender, Andersaussehender, Andersliebender. Was ein junger, smarter US-Nazi in regelmäßigen Monologen über natürliche Auslese und Segregation absondert, sind genau die Gedanken, die heute von Politikern formuliert werden, die vom rechten Rand her die Gesellschaft spalten wollen.

Dass David Weil einen diversen Cast einsetzt, dass seine Protagonisten farbig, homosexuell, alt und jung sind, ist das Beste, was er tun konnte. Denn es sind immer die Minderheiten, die Randgruppen, die Nazi-Pöbel zuerst zum Opfer fallen.

Produziert wurde der zehnteilige Verschwörungsthriller vom visionären Regisseur Jordan Peele, der 2018 für den Horrorfilm "Get Out" den Oscar für das beste Drehbuch erhielt. Neben Schauspiellegende Al Pacino und Logan Lerman gehören unter anderem Lena Olin ("Riviera") und "How I Met Your Mother"-Star Josh Radnor zum hochkarätigen Ensemble.