Keine gute Sommernachricht: Immer mehr Freibäder machen dicht

In ganz Deutschland müssen Freibäder dicht machen: Den Kommunen ist ihr Erhalt zu teuer. (Symbolbild: ddp images)

Die Zahl der Freibäder sinkt, immer mehr Betriebe schließen. Der Grund: Der Spardruck der Kommunen trifft die Bäder besonders hart – sie sind schlichtweg nicht profitabel genug.

Das Freibad gehört für viele Deutsche zu ihrer Ortschaft wie der Kiosk zum Stadtviertel. Doch seit Jahren wird immer mehr Freibädern der Geldhahn abgedreht. Allein in Bayern schlossen im letzten Jahr 16 Freibäder ihre Pforten. In Nordrhein-Westfalen waren es elf. In ganz Deutschland belief sich die Zahl 2017 auf 62. Der Grund für die Schließungen ist so traurig wie simpel: Freibäder sind selten profitabel – eine schlechte Wetterlage kann in einer Saison bereits für enorme Einbußen sorgen. Um sie zu erhalten, müssen die Kommunen viel Geld beisteuern.

Laut Städte- und Gemeindebund ist ein Freibad nur zu etwa einem Viertel bis einem Drittel kostendeckend. Das bedeutet, dass der Rest der entstehenden Kosten von der Kommune geschultert werden muss. Umgerechnet auf den Eintrittspreis bedeutet das, dass zu einem Eintritt von vier Euro noch zwischen acht und zwölf Euro hinzukommen, die das Freibad braucht, um die laufenden Kosten zu decken. Außerdem müssten viele Freibäder, deren Bausubstanz noch aus den 60er- und 70er-Jahren stammt, dringend renoviert werden.

Für viele Gemeinden ist das schlicht zu viel. „Es ist alarmierend“, sagte Achim Wiese der „Welt“ über das Ausmaß, in dem Kommunen den Sparstift bei Freibädern ansetzen. Er ist der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), der größten gemeinnützigen Wasserrettungsorganisation Deutschlands. Die Schließung der Freibäder durch den Spardruck der Kommunen ist für die DLRG eine sehr bedenkliche Entwicklung, da somit die Sozialisierung im Wasser wegfällt, immer weniger Kinder gut schwimmen können und somit auch im Erwachsenenalter für sich selbst eine Gefahr darstellen.

Viele Bäder wurden in den 60er- und 70er-Jahren erbaut. Die notwendigen Modernisierungsarbeiten stellen eine weitere finanzielle Belastung für die Kommunen dar. (Symbolbild: Getty Images/Brandi Markham/Eyeem)

Doch warum trifft der Spardruck ausgerechnet die Freibäder? Sie zählen für die Kommunen zu den „freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben“. Anders als die „pflichtigen Selbstverwaltungsaufgaben“ wie Brandschutz, Abfallentsorgung, Schulentwicklungsplanung oder die Energie- und Wasserversorgung sind die freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben immer dann gefährdet, sobald eine Kommune ihre Ausgaben drosseln muss. Neben den Freibädern zählen auch Bibliotheken, Museen, Sportstätten und Theater, aber auch Suchtberatung und Armenfürsorge zu den freiwilligen Aufgaben.

Unter den freiwilligen Aufgaben in Kommunen sind Freibäder oft unter jenen Budgetposten, die schneller gestrichen werden als andere. Man könne doch auf Seen ausweichen, lautet ein beliebtes Argument. Auch teurere und noch weniger kostendeckende Institutionen wie die Theater bleiben eher erhalten: Bei ihnen wird es schon als Erfolg gewertet, wenn sie ihre Kosten zu 15 Prozent selbst tragen können – und dadurch prozentual mehr Fördermittel einbringen als die Freibäder. Das bemängelt auch Achim Wiese in der „Welt“: „Bei den Theatern käme niemand auf die Idee, sie zu streichen. Da ist eine ganz andere Lobby hinter.“

Dabei sind genau die Freibäder ein Ort, an dem sich Menschen unterschiedlichster Altersgruppen, Herkünfte und Einkommensschichten treffen. Als solche sind sie auch wichtige Orte der Begegnung und können das Gemeinschaftsgefühl in Kommunen stärken. Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen neue Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden: Den Kommunen unter die Arme greifen könnten etwa die Länder, die auch bei der Finanzierung von Hallenbädern helfen. Ohne neue Finanzierungsmöglichkeiten wird es laut Achim Wiese knapp: „Wir brauchen dringend Unterstützung der Länder, vom Bund, vielleicht auch von der EU.“