Kinder im Herzen: Männer spielen seit 23 Jahren Fangen

Vor einer Sache fürchten sich zehn Männer in den USA besonders: "dran" zu sein. Damit ist nicht etwa die Angst vor dem Tod gemeint. Die Freunde haben sich trotz ihres Alters dem Spiel "Fangen" verschrieben. Einmal im Jahr begeben sie sich vier Wochen lang auf die Lauer, um einen Kameraden zu überrumpeln und ihm bei einer Berührung ein triumphierendes "Du bist!" entgegenzuschmettern – und schrecken dabei nicht vor außergewöhnlichen Situation zurück.

Vier der zehn Freunde, die sich dem Fangen verschrieben haben (Screenshot: The Wall Street Journal)Ein einschneidendes Erlebnis in der High School verfolgt Joe Tombari den Rest seines Lebens. Beim Fangenspielen war es ihm nicht gelungen, die Rolle des Fängers an einen seiner Schulkameraden abzugeben, berichtet "The Wall Street Journal". Seine Klasse hatte das Spiel das ganze letzte Schuljahr über gespielt, das letzte "Du bist!" blieb an Tombari kleben. Das war 1982.

Bei einem Wiedersehen mit Schulkameraden acht Jahre später beschlossen die mittlerweile erwachsenen Männer, das Spiel wieder aufleben zu lassen. Einer der Freunde, damals ein angehender Anwalt, legte die Regeln fest: Unter anderem sei es nicht erlaubt, den Fänger wieder zu berühren – also zu fangen - wenn man gerade selbst von ihm abgeklatscht wurde. Die Dauer des Spiels wurde auf einen kompletten Monat anberaumt. Der zehnköpfige Freundeskreis, alle Mann ursprünglich aus Spokane, Washington, erkor den Februar zur "Jagdsaison“ aus.  

Seit nunmehr 23 Jahren muss jeder einzelne von ihnen in diesen vier Wochen besonders wachsam sein. Heißt: Bevor man sich seinem Auto nähert, guckt man lieber darunter, um sicher zu gehen, dass nicht ein alter Bekannter hervorspringt und einen "abklatscht". Um die Rolle des Fängers loszuwerden, werden die Freunde in dieser Zeit zu erbitterten Gegnern, deren Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt sind.

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Mitte der 1990er klopfte beispielsweie ein Bekannter an die Tür Tombaris, der damals zusammen mit seiner Frau in Kalifornien lebten. "Hey Joe, das musst du dir ansehen. Du glaubst nicht, was ich gerade gekauft habe", so der Mann, der Tombari und seine Gattin daraufhin zu seinem Auto führte. Was das Paar nicht wusste: Sean Raftis, damals derjenige der "dran" war, war extra für das Spiel aus Seattle eingeflogen und hatte sich im Kofferraum des Mannes versteckt. Als sich die Tür des Wagens öffnete, sprang Raftis hervor und klatschte Tombari ab. Vor lauter Schreck stürzte Tombaris Frau und zog sich dabei einen Bänderriss zu.  "Das tut mir heute noch Leid", erzählte Raftis, der heute als Priester in Montana lebt, dem Magazin. "Aber ich habe Joe gekriegt."

Um die ungeliebte Rolle des Fängers loszuwerden, brachen die Freunde unter anderem bereits in die Häuser ihrer Gegner ein und legten sich auf die Lauer, solange bis sie den "Feind" überraschten. Einer der Männer soll sich auch schon geweigert haben, einem Kollegen beim Reifenwechsel zu helfen, aus Angst, das Ganze sei eine Falle. Ein anderer wiederum postiert den ganzen Februar über eine Wache vor seinem Büro, damit ja keiner überraschend den Raum betritt.

Derzeit ist Michael Konesky "dran" , der sich auf die angehende Jagdsaison im Februar schon freut. Er will jemanden ins Visier nehmen, der schon länger nicht mehr fangen musste – wie Pastor Raftis. Der sei seit seinem Umzug nach Montana zwar schwer zu kriegen, aber gerade sonntags auch leichte Beute.




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