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KMW zeigt neue Gefechtsfahrzeuge: Feuerkraft auf Rädern

München (dpa) - Der Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) will die Bundeswehr mit schweren bewaffneten Radpanzern mobiler machen. Das Rüstungsunternehmen stellte dazu am Dienstag in München neue Gefechtsfahrzeuge auf Basis des vierachsigen Truppentransporters Boxer vor. Sie sollen künftig Hauptwaffensysteme der sogenannten mittleren Kräfte der Bundeswehr werden. «Technologisch weltweit einzigartig ist dabei auch die Fähigkeit, mit Rohr-Artillerie oder Mörser aus der Fahrt heraus zu feuern», sagte KMW-Geschäftsführer Ralf Ketzel der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Präsentation.

Die Landstreitkräfte der Bundeswehr werden derzeit in leichte, mittlere und schwere Kräfte untergliedert. Dabei rückt die Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Mittelpunkt der Planungen. Zu den leichten und luftbeweglichen Kräften zählen Fallschirmjäger. Schwere Kräfte sind dagegen mit dem Kampfpanzer Leopard 2 und dem Schützenpanzer Puma ausgestattet - kampfstarke Kettenfahrzeuge, deren Verlegung aber länger dauert.

«In der derzeitigen Struktur besteht eine Lücke zwischen den schnellen, aber wenig durchsetzungs- und durchhaltefähigen leichten Kräften und den schweren mechanisierten, aber vergleichsweise aufwendig zu verlegenden Kräften», schreibt die Bundeswehr. «Die radgestützten Mittleren Kräfte sollen künftig diese Lücke schließen.»

Reichweite von 1000 Kilometern

Das Rüstungsunternehmen KMW setzt dafür auf eine Art Baukastenprinzip mit dem Boxer als Basis. Das Fahrzeug sei mit seinem 8x8-Allradantrieb geländegängig und biete Besatzungen großen Schutz, habe aber zugleich eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern und eine Reichweite von 1000 Kilometern. Es sei in der Bundeswehr und bei anderen Staaten bereits im Einsatz und in die Instandhaltung integriert. Das Unternehmen zeigte vor Vertretern von Militär und Industrie die verschiedenen neuen Varianten der Gefechtsfahrzeuge, die in einem Netzwerk digital zusammengeschaltet werden können.

Radpanzer mit großer Kanone: In der Variante RCH 155 wird auf den Boxer die Waffe der Panzerhaubitze 2000 gesetzt. Sie kann nach Angaben des Herstellers aus der Fahrt heraus feuern.

Der Boxer mit Mörser im Kaliber 120 mm: Das Waffensystem soll Feuerunterstützung bieten und so «Duellsituationen» vermeiden.

Der Boxer als Schützenpanzer auf Rädern: In der Variante RCT30 wird der unbemannte Turm des Puma als Modul aufgesetzt. Zusätzlich zu einer 30-mm-Maschinenkanone sind Panzerabwehrraketen integriert.

Radpanzer mit Drohnen: Der Boxer UAV («Unbemannte Luftfahrzeuge») ist Plattform für den Start von Aufklärungsdrohnen. Auch unbemannte Bodenfahrzeuge, die ferngesteuert oder autonom in besonders gefährlichen Situationen eingesetzt und dazu mit Waffen bestückt werden können, gibt es. Vorgestellt wurde dazu das System THeMIS, ein kleines Kettenfahrzeug.

Brückenlegepanzer: Zur Überquerung von Gewässern und anderen Hindernissen können Brücken in den Größen 22 Meter und 14 Meter angeboten werden.

Teil der Abschreckung

«Die jüngsten Beispiele von Landkriegsoperationen in Europa zeigen, welches Risiko von einem Aggressor ausgehen kann, wenn er handstreichartig versucht, durch die schnelle Einnahme von Räumen strategische Fakten zu schaffen», sagte Ketzel. Schnelle Verlegefähigkeit mit hoher Kampfkraft sei Teil der Abschreckung. Gepanzerte Rad-Systeme der mittleren Kräfte seien künftig die Brücke zwischen leichten luftlandefähigen Kräften und schweren Kräften. Ketzel sagte: «Im Verbund mit der Feuerkraft und Aufklärungsfähigkeit unbemannter Systeme auf dem Boden wie auch in der Luft werden sie damit zum «game changer» auf dem Gefechtsfeld.»

Unter den westlichen Verbündeten hat der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eine komplette Neubestimmung des militärpolitischen Kurses ausgelöst. Regierungen sind nun bemüht, lange akzeptierte Lücken in der Ausrüstung ihrer Streitkräfte wieder zu schließen. International fahren Rüstungsunternehmen wieder ihre Produktion hoch. Die Bundesregierung hat dazu einen kreditfinanzierten Topf mit 100 Milliarden Euro aufgelegt («Sondervermögen»). Gefordert wird, auch den regulären Verteidigungshaushalt dauerhaft zu erhöhen.