Kommentar: Diese Fußball-EM führt zum Ende der alten Garde

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Kein Fußballturnier war jemals politischer wie die Euro 2020. Damit macht sich der Fußball auf den Weg – und entledigt sich der Gangster, die ihn kaperten.

Ein Flitzer der anderen Art - beim EM-Spiel Deutschland-Ungarn (Bild: REUTERS/Matthias Hangst)
Ein Flitzer der anderen Art - beim EM-Spiel Deutschland-Ungarn (Bild: REUTERS/Matthias Hangst)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Natürlich ist das Turnierfieber dann doch gekommen. Keine Coronaspritze hat es ausgelöst, sondern die traditionelle Begeisterung für das Runde auf dem Grün, das ins Eckige will.

Spannende Spiele voller Leidenschaft. Drama und Tragik. Aufatmen. Wie haben wir das vermisst.

Mit dem Impfen kommt die alte Normalität Stück für Stück näher, und dazu gehört auch die Erinnerung an die großen Turniere. Und doch ist etwas diesmal anders. Was uns bewegte, der Lockdown oder politische Debatten, schwappt mit aufs Spielfeld. Der Fußball ist jetzt kein extraterritorialer Ort, sondern mit ihm wird verhandelt, wo wir als Gesellschaften stehen. Mal wird hingekniet, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, mal nicht – und beides ist ok. Die politischen Debatten in der Fußballarena sind nicht eckig und kantig, sondern rund.

Wen man am Tische hat

Das ist gut für den Sport – und schlecht für die alten Verbandsfuzzis, die ihn verwalten. Denn die Wandlung des Turniers läutet ihren Abschied ein.

Alt war zum Beispiel die Entscheidung der UEFA, das Turnier auch in Aserbaidschan spielen zu lassen. Dort herrscht ein mieser Autokrat, der mit dem Sport, der keinerlei große Tradition in seinem Land hat, sein schlechtes Image überregional aufpolieren will; ein billiger Taschenspielertrick, den sich die Fußballbosse des Westens gern bezahlen lassen.

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Alt war auch die Weigerung der UEFA, das Münchener Olympiastadion in Regenbogenfarben anstrahlen zu lassen – als sei für die Ballhausmeister ein Engagement für unveräußerliche Menschenrechte eine komische parteiische Angelegenheit.

Und wirklich aus der Zeit gefallen war die Entscheidung von Europas Kickverwaltern, sich nicht gegen eine Fußball-WM in Qatar zu stemmen. Dort herrscht, richtig: autokratisch durchdrungenes Fußballmarketing, siehe Aserbaidschan.

Alte Reflexe

Die Verbandsfunktionäre haben den Fußball gekapert und wollen ihn nicht hergeben. Und ihrer Verharrungsmentalität kriegen sie nicht mit, dass Fußball zwar immer Fußball bleiben wird, aber die Umstände sich ändern. Diktatorenkuscheln ist out. Und dass die UEFA-Spitze offensichtlich darauf drängt, für das EM-Finale in London Ausnahmeregelungen für ihre Kader und Sponsoren zu erhalten, spricht Bände. Sie können nicht anders. Großbritannien macht die Delta-Variante von Corona zu schaffen, weitere Restriktionen drohen, damit die Infektionsrate kleingehalten wird – doch die UEFA will volle Zuschauerbänke und keinen Stress bei der Einreise, ganz nach dem Motto: Was uns erlaubt ist, ist euch noch lange nicht erlaubt.

Dies ist altes Gangstertum. Doch der Zeitgeist ist längst am Weiterziehen. Er wird diese Funktionäre links liegen lassen.

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