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Kommentar: Elise Stefanik – wird sie die Kandidatin an der Seite Donald Trumps?

Elise Stefanik und Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Januar (Bild: REUTERS/Elizabeth Frantz)
Elise Stefanik und Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Januar (Bild: REUTERS/Elizabeth Frantz)

Die Republikanerin hält ihre Fahne in den Wind von „The Don“. Die mögliche Belohnung: Sollte Donald Trump wieder Kandidat für die US-Präsidentschaftswahlen werden, könnte Elise Stefanik seine Anwärterin als Vizepräsidentin sein. Wer ist sie?

Ein Kommentar von Jan Rübel

Leuten aus dem Umfeld von Donald Trump fehlendes Rückgrat vorzuwerfen, fällt leicht und wäre ein wenig ungerecht. Sicherlich gibt es komplett überzeugte Anhänger seiner Alles-wird-groß-gemacht-Politik. Aber es gab sie einmal, jene Republikaner in der Partei, die Lügen für schlecht hielten. Die Spalten und Polarisieren als letztendlich unkonstruktiv fürs Land ansahen und einem Personenkult skeptisch gegenüberstanden – als Patrioten, die sie waren.

Mit Donald Trump ist das Vergangenheit. Seine Partei ließ sich von ihm essen. Und auch Elise Stefanik, die sich einmal im liberalen Umfeld der Republikaner tummelte, ist mit seinem Aufstieg eine andere politische Person geworden. Diese Loyalität eignet sich aus Trumps Sicht für Höheres. Bei den Buchmachern jedenfalls ist sie die am stärksten gehandelte Kandidatin für die Vize an seiner Seite – sollte er sich bei den Vorwahlen der Republikaner für die US-Präsidentschaftswahlen am 5. November durchsetzen. Stefanik gehört zu den Leuten ohne Rückgrat. Echte Überzeugung treibt sie nicht an, nur persönliches Fortkommen.

Immerhin ist sie ein Vollprofi in Sachen Politik. 2015 zog die damals 30-Jährige als jüngste Abgeordnete in das Repräsentantenhaus ein und verteidigte in mehreren Wahlgängen ihr Mandat. Vorher hatte Stefanik in der Regierung des moderateren Präsidenten George Bush gearbeitet und sich für den auch moderateren Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney engagiert. Romney ist bis heute ein scharfer Kritiker Trumps; ein Gespräch zwischen ihm und seiner früheren Angestellten wäre interessant.

Elise Stefanik - hier im Jahr 2016 - hat trotz ihres jungen Alters viel politische Erfahrung (Bild: Tom Williams/CQ Roll Call)
Elise Stefanik - hier im Jahr 2016 - hat trotz ihres jungen Alters viel politische Erfahrung (Bild: Tom Williams/CQ Roll Call)

Stefanik änderte ihre politischen Grundhaltungen, als die Nation im November 2016 verwundert aufwachte und feststellte, dass sie den bisherigen Witzbold und Maulheld Trump zum Präsidenten gewählt hatte. Nun hatte der New Yorker Machthäppchen zu verteilen und Stefanik griff zu. Die Abgeordnete stimmte stets im Sinne des Weißen Hauses, sah im Vorfeld der Wahl von 2016 keine Zusammenarbeit zwischen dem Team Trumps und Russland. 2021 vermutete sie in einem Werbespot, die Demokraten würden einen Umsturz planen – was eine erfundene Lüge war. Und als der Demokrat Joe Biden die Wahl 2021 gewann, war die natürlich in ihren Augen gestohlen.

Ernte wird eingefahren

Solche Treue wird belohnt. Als der drittwichtigste Posten in der Fraktion der Republikaner im Repräsentantenhaus frei wurde, erhielt ihn Stefanik; sie ersetzte damit Liz Cheney, eine aufrichtigere konservative Republikanerin, die sich gegen Trump gestellt hatte. Um Gewissen ging es da in der Partei längst nicht mehr.

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Infografik: Trump liegt in Umfragen vor Biden | Statista
Infografik: Trump liegt in Umfragen vor Biden | Statista

Und weil sie halt mit dem Lügen angefangen hatte, wird sich Stefanik gedacht haben, dass nun auch alles egal ist. Sie gehört seitdem zu jenen Apologeten eines „Great Reset“, die tatsächlich behaupten, eine liberale Elite würde in den USA den Austausch der Bevölkerung anstreben, um die armen weißen Ex-Siedler durch korrupte „Ausländer“ zu ersetzen. Es ist die amerikanische Lügenversion der Rechtspopulistensaga in Deutschland, nach der auch hierzulande eine Elite versucht, die Eingeborenen zu vertreiben und mit „Migranten“ aufzufüllen. Eine Schlussfolgerung aus diesem Wahn ist die Forderung nach „Remigration“, die gerade durch den Blätterwald rauscht – nachdem das Recherchenetzwerk Correctiv über das Treffen von Rechten berichtet hatte, welches genau dies zum Thema hatte.

Heruntergebrochen handelt es sich bei „Remigration“ schlicht um Rassismus.

Abteilung Attacke: funktioniert

„Ich liefere immer Resultate“, hat Stefanik jüngst gesagt. Damit spielte sie auf die Rücktritte von Unipräsidentinnen an, die sich bei einer Ausschussanhörung blamiert hatten. Stefanik hatte sie, völlig zurecht, zu judenfeindlichen Vorfällen auf dem Campus befragt. Und die beiden konnten sich nicht dazu hinreißen lassen, Aufrufe zum Völkermord an Juden als einen Verstoß gegen die Uniregeln zu bezeichnen. Die Rücktritte waren konsequent. Zurück bleibt indes ein fader Beigeschmack, denn Stefanik ging es bei der Anhörung nicht um Aufklärung oder Demaskierung, sondern um Inquisition. Sie wollte Resultate liefern. Wie sie fragte, ist mit unangenehm noch viel zu höflich beschrieben.

Mit Trump würde sie ein Alptraumteam bilden. Ihm ergeben, immer in Angriffsmodus. Sie ist derzeit die Kandidatin mit den größten Chancen - denn kaum jemand steht Trump näher und agiert verlässlich. Stefanik ist eine sichere Bank. Mit ihr erlebt Trump keine Überraschungen - wie am Schluss mit Mike Pence, der sich gegen Trumps Umsturzpläne stellte. Nur könnten sich die Konservativen Amerikas langsam fragen, was ihnen Rückgrat wirklich wert ist.

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