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Wie das Konzept der "15-Minuten-Stadt" im Internet Verwirrung stiftete

Städte, in denen alles Notwendige - Geschäfte, Schulen, Parks - innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind, werden als großartige Initiative zur Förderung eines gesünderen und nachhaltigeren Lebensstils gepriesen. Das Konzept der 15-Minuten-Stadt wurde 2015 von einem Stadtplaner in Frankreich entwickelt.

Die Idee hat weltweit Anklang gefunden: Paris, Melbourne und Kopenhagen versuchen, ihre Viertel lebenswerter zu gestalten, den Autoverkehr zu reduzieren und damit die Umweltverschmutzung zu verringern.

Für einige andere klingt diese Idee jedoch wie ein Komplott, das die Menschen an ihre Häuser fesselt und ihre Bewegungsfreiheit und individuellen Freiheiten einschränkt. Die 15-Minuten-Städte sind zu einer Quelle von Falschinformationen und Verschwörungstheorien im Internet geworden.

Flut von Falschinformationen überschwemmt die sozialen Netzwerke

Eine einfache Suche auf Twitter führt zu unzähligen Beiträgen. Dieser Twitter-Nutzer nannte die Idee "eine 15-Minuten-Dystopie". Während eine andere twitterte: "15-Minuten-Viertel sind Klima-Gefängnisse".

Andere behaupteten sogar, dass diese angeblichen Lockdowns bereits begonnen hätten, und posteten ein Video einer Frau in Kanada, die protestiert, weil sie ihre 15-Minuten-Stadt nicht verlassen darf.

Nachdem wir eine Bildersuche durchgeführt hatten, fanden wir heraus, dass dieser Clip aus einem kanadischen Dokumentarfilm aus dem Jahr 1993 stammt - mehr als 20 Jahre, bevor das Konzept der 15-Minuten-Stadt überhaupt entwickelt wurde.

Der Dokumentarfilm handelt von der Oka-Krise im Jahr 1990 - einem Landstreit zwischen der indigenen Mohawk-Gemeinschaft und einer Stadt in Quebec, Kanada - hat also nichts mit 15-Minuten-Städten zu tun.

Wie kam es also dazu, dass diese recht harmlose Strategie so viele klimabezogene Verschwörungstheorien auslöste? Nun, die Debatte war in der Stadt Oxford in Großbritannien besonders ausgeprägt.

Oxford - ein Zentrum der Falschinformation zu 15-Minuten-Städten

Die Stadtverwaltung hatte einen Verkehrskontrollplan angekündigt, um die Zahl der Autos, die durch das Stadtzentrum fahren, zu verringern.

Dieser sieht vor, dass die Anwohner:innen eine Genehmigung für das Befahren bestimmter Straßen beantragen müssen. Dies führte zu Gerüchten und schürte die Falschinformation, dass die Menschen in ihren Vierteln eingesperrt würden und dass sie eine Genehmigung der Regierung bräuchten, um diese zu verlassen.

Es ging so weit, dass sich sogar Demonstrierende in Oxford versammelten, um gegen die Initiative zu protestieren. Die örtlichen Behörden mussten eine Erklärung abgeben, dass sie die Menschen nicht physisch einsperren würden.

In einem Video erklärte Liz Leffman, Angestellte des Bezirks, dass Mitglieder des Gemeinderats von zahlreichen Morddrohungen berichtet hatten.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie Online-Hass in der realen Welt Schaden anrichten kann.