Konzertkritik: Die heilende Wirkung der Musik

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Trotz Corona-Krise hatten die Philharmoniker im November viel vorgehabt: zunächst eine Konzertreise in die USA, dann ersatzweise eine Deutschland-Tournee. Umso bitterer trifft sie jetzt die Realität. Und so kommt es, dass die Philharmoniker ihr letztes Konzert bis auf Weiteres unter Chefdirigent Kirill Petrenko spielen. Passenderweise mit Richard Strauss‘ „Metamorphosen“ für 23 Solostreicher in der Mitte, einem Werk des Abschieds aus dem Jahre 1945. Erfüllt von so labyrinthisch anmutender Harmonik, dass man sich darin verlieren kann. Der Tod ist allgegenwärtig, doch auch die heilende Wirkung der Musik.

Aus den unendlich gespannten Melodiebögen ragen Haken heraus

Strauss‘ Trick, um den Zuhörer im spätromantischen Klangmeer bei Laune zu halten: kleine prägnante Motive, die häufig wiederkehren – und wie Haken aus den unendlich gespannten Melodiebögen herausragen. Lustig dabei, dass ein Teil des Hauptthemas stark an den Beginn von Schostakowitschs Jazz-Walzer Nr. 2 erinnert. Das ist natürlich ein Zufall, obwohl Petrenko an diesem Abend tatsächlich Strauss mit Schostakowitsch koppelt. Doch Petrenko geht es eher darum, wie unterschiedlich zwei Komponisten im Jahr 1945 auf den Zweiten Weltkrieg reagieren: Strauss zieht sich zurück in eine Kunstwelt des Erinnerns und intimen Schwelgens.

Petrenko und die Philharmoniker setzen eher auf Wucht als auf Schärfe

Schostakowitsch dagegen fährt in seiner Sinfonie Nr. 9 drastische Geschütze auf. Und haut dem Publikum gleich zu Beginn mit betont sch...

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