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Kreislaufwirtschaft: Streit um geplantes schottisches Pfandsystem

Kreislaufwirtschaft: Streit um geplantes schottisches Pfandsystem

In Großbritannien bahnt sich ein Kampf um Schottlands Pläne für ein Einwegpfand-System an.

Das Pfandrücknahmesystem (DRS) soll im August anlaufen und wird es den Geschäften in Schottland ermöglichen, auf den Preis von Einwegflaschen - und -dosen - 20 Pence (0,23 €) aufzuschlagen. Die Kunden können dann dieses Geld zurückerhalten, wenn sie die Flaschen und Dosen zum Recycling zurückbringen.

Ziel ist es, bis 2024 eine Sammelquote von 90 Prozent der Flaschen und Dosen zu erreichen.

Doch das Problem hierbei ist natürlich, dass für ein und dasselbe Produkt in Großbritannien eigentlich keine unterschiedlichen Vorschriften gelten dürfen.

Damit das geplante System funktioniert, muss es also eine Ausnahmeregelung geben, die besagt, dass für eine in Schottland verkaufte Einwegflasche oder Dose das Pfand erhoben werden darf, der In England nicht erhoben wird.

Der Minister für Schottland der Zentralregierung in London, Alister Jack, hat bereits angekündigt, einen Antrag der Scottish National Party auf eine solche Ausnahmegenehmigung abzulehnen, was ein Aus für den Plan bedeuten würde. Jack argumentiert, dass die Regelung sowohl für die Verbraucher als auch für die Unternehmen von Nachteil sei.

"Die Hürde für eine Ausnahmeregelung ist sehr hoch", sagte er vor dem Unterhaus.

Dabei gibt es auch in England, Nordirland und Wales Pläne für ein Rücknahmesystem. Es wurde erstmals 2018 angekündigt, aber aufgrund von Verzögerungen soll es nun erst im Oktober 2025 eingeführt werden. Der Plan in Nordirland und England umfasst auch keine Glasflaschen, während die Pläne in Schottland und Wales dies tun.

Zero Waste Scotland schätzt, dass dieser kleine Unterschied es ihnen ermöglichen würde, mehr als 500 Millionen Glasbehälter pro Jahr zu recyceln. Das entspricht einer Einsparung von mehr als 1,2 Millionen Tonnen CO2 in den nächsten 25 Jahren.

Welche anderen europäischen Länder haben Rückgabesysteme?

In einer Reihe von europäischen Ländern gibt es bereits ein DRS, darunter in Norwegen, das eines der ältesten Systeme der Welt hat.

Ein System für wiederverwendbare Glasbehälter wurde dort erstmals 1902 eingeführt. In den frühen 1970er Jahren wurden automatische Rücknahmeautomaten aufgestellt, die es den Verbraucher:innen ermöglichen, Einwegbehälter zurückzugeben.

Die Kund:innen zahlen 2 NOK (etwa 0,20 €) für Behälter bis 0,5 Liter und 3 NOK (etwa 0,30 €) für Behälter über 0,5 Liter. Sie können Kunststoff- und Metallbehälter für alle Arten von Getränken zurückgeben.

Im Jahr 2021 wurden durchschnittlich 92,3 Prozent der Behälter zurückgegeben - 91,5 Prozent der Dosen und 92,8 Prozent der Plastikflaschen.

Deutschland ist ein weiteres Land mit einem sehr erfolgreichen Pfandsystem. Im Jahr 2002 wurde nach dem Vorbild der skandinavischen Länder das Einwegpfand eingeführt.

DAVID GANNON/AFP or licensors
Ein Mann schiebt einen Einkaufswagen voll mit Flaschen, die er für das Pfand gesammelt hat. - DAVID GANNON/AFP or licensors

Es verpflichtet alle Geschäfte, die in dem Land Getränke verkaufen, deren Behälter zurückzunehmen und den Kund:innen ein Pfand zu geben.

Wegen der hohen Umweltbelastung ist das Pfand auf Plastikflaschen mit 0,25 € hoch. Die Kosten für leichter wiederverwendbare Materialien wie Glas sind viel niedriger, um die Menschen zum Kauf dieser Materialien zu ermutigen und den Einwohnern einen Anreiz zu bieten, Plastikbehälter zurückzugeben.

Ähnlich wie in Norwegen liegt die Rückgabequote sowohl bei Plastik als auch bei Metall bei über 90 %.

Dänemark hat eines der erfolgreichsten Pfandsysteme der Welt mit 1,9 Milliarden zurückgebrachten Flaschen und Dosen im Jahr 2021. Die Rückgabequote für Plastikflaschen ist mit 96 Prozent die höchste in Europa.

Es kann ohne Überrtreibung als ein Triumph für die Kreislaufwirtschaft bezeichnet werden, das in Dänemark 93 Prozent der Flaschen und Dosen zu neuen Behältern recycelt werden.

Warum ist das schottische Einlagenrückgabesystem so umstritten?

Trotz des Erfolgs ähnlicher Systeme in ganz Europa haben eine Reihe von Politiker:innen den schottischen Plan kritisiert.

Alle drei Kandidaten für den Parteivorsitz der Scottish National Party haben angedeutet, dass das System in seiner jetzigen Form nicht wie gepant eingeführt werden soll. Kate Forbes sagte, sie würde die Regelung "aussetzen", Ash Regan will sie ganz abschaffen und Humza Yousaf hat sich für eine einjährige Ausnahme für kleine Unternehmen ausgesprochen.

Ein Teil des Problems besteht eben darin, dass die Regelungen in Schottland, England, Nordirland und Wales nicht aufeinander abgestimmt sind.

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Auch in Deutschland war das "Dosenpfand" bei seiner Einführung stark umstritten, hat sich aber mittlerweile als erfolgreich erwiesen. - Pexels

Die Unternehmen befürchten, dass dies ihre ohnehin schon steigenden Kosten weiter in die Höhe treiben wird. Die Hersteller müssten Artikel, die für den Verkauf in Schottland bestimmt sind, mit speziellen schottischen Strichcodes versehen, was zu zusätzlichen Kosten führen könnte.

Handelsverbände haben auch behauptet, dass dies dazu führen könnte, dass Produkte in Schottland aus den Regalen verschwinden. Die Unternehmen sagen, sie bräuchten eine längere Anpassungszeit.

Die schottische Ministerin für Kreislaufwirtschaft, Lorna Slater, ist jedoch weiterhin zuversichtlich, dass der geplante 16. August als Starttermin eingehalten werden kann.

Sie sagte der BBC, dass es bereits eine einjährige Verzögerung gegeben habe, um den Unternehmen zu helfen, sich von der COVID-19-Pandemie zu erholen, und dass bereits Millionen in das Projekt investiert worden seien.