Kurt Krömer spricht im ZDF über Alkohol und Depressionen: "Habe schon aufgehört, Miete zu zahlen"

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 Der notorisch übellaunige Entertainer Kurt Krömer ist eine Kunstfigur - auch wenn sie viel mit dem echten Menschen Kurt Krömer zu tun hat. In der ZDF-Reihe "Heroes", in der Comedians porträtiert werden, sprach der 46-Jährige so offen über dramatische Details seiner Biografie wie selten zuvor.

Alkohol, Depressionen, Kinder: Im biografischen ZDF-Doku-Format
Alkohol, Depressionen, Kinder: Im biografischen ZDF-Doku-Format

Im ZDF-Format "Heroes - Aus dem Leben von Comedians" treffen Nachwuchs-Comedians auf ihre Idole. Die halbstündigen Folgen (auch in der ZDF-Mediathek) sind eine Mischung aus Doku, Improvisation und Stand-up-Auftritt der beiden Künstler. Zum Auftakt der zweiten Staffel am Freitagabend im ZDF, untersuchte Moritz Neumeier (33) die Biografie seines "Helden" Kurt Krömer. Den traf er zum Spaziergang durch Berlin.

Lange Jahre gab sich der Berliner Komiker, was das Private betrifft, sehr zugeknöpft. In diesem kleinen, aber durchaus feinen Format, äußert er jedoch einige Sätze, die lange nachhallen dürften.

Noch einmal redete Krömer über seine Depressionen. Wohl deshalb, weil auch Fragensteller Neumeier mit Episoden der psychischen Krankheit zu kämpfen hatte. Offenbart hatte Krömer sein jahrzehntelanges Leiden erstmals in der eigenen Sendung "Chez Krömer" - am 22. März im Zwiegespräch mit dem Comedy-Kollegen Torsten Sträter, ebenfalls einem Leidensgenossen.

Depressionen: Was man virtuell tun kann

Die Sendung - unter anderem bei YouTube zu finden - wird mittlerweile von Hilfeorganisationen empfohlen, weil dort so authentisch, persönlich und positiv über Krankheit und Hilfe bei Depressionen gesprochen wird wie an wenigen öffentlich zugänglichen Orten sonst.

Im ZDF-Format
Im ZDF-Format

 

Kurt Krömer will seine Kinder nicht "verkaufen"

Auf die Frage Neumeiers, warum er erst seit Kurzem über Privates und vor allem private Dämonen rede, sagt Krömer in "Heroes": "Weil mich das einfach beschäftigt hat. Mit dem Alkohol damals, jetzt mit der Depression - das hat sich so ein bisschen angefühlt wie ein Coming-out. Als würde man sagen, ich bin schwul und ich rede jetzt öffentlich darüber. Weil ... ich habe keinen Bock mehr, mich zu verstecken."

Der auf einer Berliner Parkbank entspannende Krömer ist sich sicher, seit dem "Coming-out" auch wieder offener für seine Kunst zu sein. "Als Depressiver ist es in deinem Gehirn wie in einer Messi-Wohnung: Alles voll. Und jetzt ist die Messi-Wohnung komplett entrümpelt worden. Es ist aufgeräumt, und man muss eben lernen, wie es in einer aufgeräumten Wohnung so läuft. Aber für mich ist das äußerst befreiend." Nach seinem Depressions-Outing, so Krömer, habe er "Tausende Nachrichten bekommen. Und hundert davon waren so geil, weil darin stand: 'Ich gehe morgen zum Arzt.' Leuten zu helfen, einfach nur indem man darüber spricht, finde ich total geil."

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Was wohl die meisten bis vor Kurzem nicht wussten: Kurt Krömer ist ein Familienmensch und Vater mehrerer Kinder. Auch Comedian Neumeier hat drei Kinder. Er fragt Krömer, warum sein Familienleben nie Teil seines Bühnenprogramms war. Auch die Antwort darauf fällt erstaunlich offen aus: "Es wäre das dritte Ding in der Trilogie, dass ich auch noch über meine Kinder spreche. Aber ich will die nicht verkaufen. Ich will die nicht nutzen, dass die Leute sagen: 'Mensch, der Krömer, das ist so ein toller Typ, der redet über seine Alkoholsucht, seine Depressionen und ist auch noch ein guter Vater zu Hause.' Ich würde sagen, ich bin ein guter Vater, aber ich mache nicht alles richtig."

Offener Talk über Depressionen im März 2021: Schriftsteller und Comedian Torsten Sträter war zu Gast bei
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"Ich habe mich darauf eingestellt, dass ich nicht älter werde als 30"

Trotzdem hält Krömer im Interview ein fast schon flammendes Plädoyer fürs Familienleben, das durchaus mit seinem früheren Alkoholismus und den Depressionen zu tun hat. "Mein Familie, meine Kinder - das ist meine Gruppe. Ich sage jetzt schon immer zu den Kindern: 'Wenn ihr hier auszieht irgendwann und mich nicht zu Weihnachten besucht, kriegt ihr alle einen Tritt in den Arsch von mir.' Also da weiß ich, dass diese Bande hält, bis ich tot in die Kiste falle. Ich habe ja ein starkes Alkoholproblem gehabt damals ... "

Moritz Neumeier hakt ein: "Als du schon Kinder hattest?" - "Ja", gibt Krömer zu. "Das war dann so die richtig heiße Phase. Ich habe mich fest darauf eingestellt, dass ich nicht älter werde als 30. Ich habe schon aufgehört, Miete zu bezahlen. Und dann habe ich gedacht, vielleicht kriegst du doch noch mal einen Move hin - und da war so ganz verschärft der Wunsch und der Gedanke da, Kinder zu haben. Und die geben mir bis heute Halt."

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In "Heroes" lernt man einen anderen Kurt Krömer kennen, der mit Wuschelfrisur und Parka durch Berlin läuft - unter anderem durch ein Viertel, in dem er früher wohnte - und dabei, wie er erzählt, fast nie erkannt wird. Es ist eine Gegend der Stadt, die alte Erinnerungen in ihm wachruft. "Ich wollte damals zu den Punks ziehen, auf die Wagenburg. Ich hatte keine Kohle und auch keine Aussicht, Kohle zu verdienen."

"Ich bin ein Menschen liebender Misanthrop"

Der junge Krömer traf damals eine Wagenburg-Bewohnerin, die in einem Wohnwagen lebte, der 5.000 D-Mark gekostet hatte. Das Geld kam von ihren Eltern, die sie aber scharf kritisierte und verachtete. Das irritierte den jungen Krömer. "Die meisten waren so drauf. Haben große Reden geschwunden, waren aber scheinheilig. Ich habe damals meine erste Show im rbb bekommen, die "Kurt Krömer Show". Die hat keiner gesehen und alle fanden sie scheiße - aber dann haben mich die Punks vom Hof gejagt, weil ich Kapitalist geworden bin."

Wer Kurt Krömer als neuen, ziemlich privaten und von der knodderigen Bühnenfigur abgelösten Menschen kennenlernen möchte, für den oder die ist die Auftaktfolge von "Heroes - Aus dem Leben von Comedians" ein lohnendes Seh-Stück von schlanken 30 Minuten. Der vielleicht schönste Satz, den der Befragte mal so zwischendurch raushaut, fasst das neue Positive in Krömers Leben wie folgt zusammen: "Ich mag Menschen unheimlich gerne, aber mit so ein bisschen Abstand. Ein Menschen liebender Misanthrop - schizophren, aber geil."

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