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Lastenräder boomen in den Städten

Frankfurt/Main (dpa) - Mit ihnen kann man Kinder transportieren, Einkäufe und sogar Möbel: Lastenfahrräder, die vor allem in den größeren Städten boomen. Das Fahren mit den Rädern ist allerdings nicht ohne Tücken, besonders das Bremsen und Anfahren, wie Fahrsicherheitstrainer Axel Simons sagt. Das höhere Gewicht und die anderen Ausmaße unterschieden das Lastenrad deutlich vom herkömmlichen Fahrrad.

Vor dem Transport einer Last im Straßenverkehr sollte man den Umgang mit dem Rad üben, empfiehlt der Trainer, der an der Frankfurter University of Applied Sciences (UAS) eine Reihe von Sicherheitskursen gibt. Interessierte sollen dabei theoretisch und praktisch in die Welt der Lastenräder eingeführt werden.

Die Teilnehmer können verschiedene Pedelecs ausprobieren, darunter eines mit einem großen schwarzen Kasten, in dem man bis zu 100 Kilogramm Last transportieren kann. Die sechs Frauen und Männer bei der Auftaktveranstaltung fahren Slalom um Hütchen und üben eine Vollbremsung. Eine Teilnehmerin ist Madeleine von Behren. Sie habe kein Auto und sei zusammen mit Mann und Sohn auf der Suche nach Möglichkeiten, sich im Stadtverkehr fortzubewegen und Lasten zu transportieren, sagt die Frankfurterin.

Radwege für Lastenräder häufig nicht ausgelegt

Die Radwege seien für Lastenräder häufig nicht ausgelegt, auch fehlten Abstellmöglichkeiten, kritisiert Simons. Wenn es politisch gewollt sei, dass mehr Wege mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückgelegt werden sollen, müsse hier nachgebessert werden.

Regelungsbedarf gebe es auch bei der Frage, was überhaupt noch als Fahrrad gelten sollte, sagt der Unfallexperte Siegfried Brockmann. Die einzige Begrenzung sei derzeit, dass ein möglicher Antrieb nur bis als 25 Stundenkilometer Unterstützung geben dürfe.

Im Sinne des Schutzes anderer Radfahrer und Radfahrerinnen und von Fußgängern und Fußgängerinnen seien klare Reglementierungen nötig, was Gewicht und Maße von Lastenfahrrädern betreffe. Experten seien sich hier einig, politisch sei das Problem aber noch nicht angegangen worden, sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer.

Lastenräder gibt es als Pedelec, also mit Elektroantrieb, oder als mit Muskelkraft betriebene Variante. Madeleine von Behren ist besonders von einem E-Modell angetan, dessen Ladefläche sich zusammenklappen lässt - sie überlegt, ob sich das Rad so auch gut jenseits des Transports von Lasten benutzen lässt.

Immer mehr Menschen kaufen Lastenräder

Nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) gehörten Lastenräder vergangenes Jahr zu den wachstumsstärksten Modellgruppen, vor allem die Modelle mit Elektroantrieb boomten. Sie kosten mehrere Tausend Euro.

Für die Anschaffung gibt es Fördermittel auf Landes- und kommunaler Ebene. Die Nachfrage ist groß: In Frankfurt waren die Mittel zuletzt schon am Vormittag des Starttages ausgeschöpft. Für den gelegentlichen Gebrauch gibt es die Räder auch kostenlos zum Ausleihen, ein Angebot macht hier etwa der ökologischen Verkehrsclub VCD in Hessen. Auch Handwerksbetriebe können Förderung erhalten, wenn sie Lastenräder anschaffen wollen.

«Durch jede mit einem Lastenrad ersetzte Autofahrt werden Lärm, Abgase und schwere Unfälle vermieden», sagt der hessische Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC), Ansgar Hegerfeld. Denn dadurch gebe es mehr Platz auf der Straße für diejenigen, die aufs Auto angewiesen seien. Auf dem Rad bekomme man zudem eine direkte Verbindung zur Umgebung, das sei insbesondere für Kinder wichtig.

«Viele sagen, ich kann doch Radfahren, aber ein Lastenrad ist etwas völlig anderes», sagt Fahrtrainer Simons. Er rät, neben dem Anfahren und Bremsen sollte man auch das Hoch- und Hinunterfahren an Bordsteinen und das Vorbeifahren an Pollern üben. Sein Kurs kam bei den Teilnehmern gut an, teilweise erwägen sie nun eine Anschaffung. Ein anderer Kursteilnehmer bilanziert, er habe nun immerhin weniger Berührungsängste mit den Rädern. Den nächsten Kurs plant die Hochschule am 1. Juli.