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"Er lebt doch noch": Kritik an der Berichterstattung rund um König Charles' Krankheit in Großbritannien

Die Nachricht machte weltweit Schlagzeilen und ist noch immer vielerorts Gesprächsthema: Bei König Charles III. wurde Krebs festgestellt. Die Royals hatten ihr Statement am Montag (5. Februar) extra so getimt, dass die Nachricht zu den 18-Uhr-Nachrichten bei der BBC rausging.

König Charles auf allen Kanälen

Dort drehte man sofort auf: Die eigentlich halbstündige Nachrichtensendung verharrte auch 40 Minuten später noch immer beim gleichen Thema, eilends herbeigerufene Expert*innen hatten viele Spekulationen, aber wenig Konkretes beizutragen — wie ernst es um den 75-Jährigen wirklich steht, wissen bislang wohl nur er und seine Familie. Es folgten Live-Schaltungen in andere Teile des Commonwealths wie Kanada und Australien, deren formelles Staatsoberhaupt der König ist. Auch am Folgetag kannte gerade die BBC kaum ein anderes Thema. Dabei sollte die Sendeanstalt eigentlich von der Kritik nach dem Tod der Königin im September 2022 gelernt haben: Schon damals wurden die Öffentlich-Rechtlichen dafür angeprangert, dass sie auf wirklich allen Kanälen dasselbe Program laufen ließen — vom Kinder- über den Jugend- bis zum Kulturkanal. Auf Social Media wiesen jetzt nicht wenige Nutzer*innen auf das Offensichtliche in Sachen Charles hin: "Heh, liebe BBC, er lebt doch noch!"

"Wir sind noch nicht bereit für William"

Die patriotischeren Zeitungen im Vereinigten Königreich standen ihren Kolleg*innen aber in nichts nach. Der 'Daily Telegraph' schrieb von einem "Schock für das Volk", doch "die Unterstützung der Menschen wird seinen Geist stärken… Der Tsunami guten Willens, der ihn durch seine Schlacht trägt, wird enorm sein." In der 'Daily Mail' wurde gefleht: "Charles, du must OK sein, damit wir OK sind. Wir sind noch nicht bereit für William." Letzteres beruht sicher auf Gegenseitigkeit.

Die Nachricht von Charles' Krankheit brachte aber auch eine politische Komponente mit sich: Der englische Gesundheitsdienst NHS steckt in einer tiefen Krise, und es wird Menschen zunehmend schwergemacht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Probleme, die Charles nicht haben wird, und der Kontrast wurde gerade in regierungskritischen Publikationen gern aufgegriffen - Ärger für Premier Sunak. Am gleichen Tag, an dem sich die ganze Nation angeblich um den König sorgte, standen Menschen z.B. in Bristol rund um den Block bei einer neu eröffneten Zahnartzpraxis an, um sich registrieren zu lassen — manche bereits seit mehr als 24 Stunden.

Und schließlich mischten sich auch noch die USA in die Kontroversen ein: Moderatorin Joy Behar war sauer auf die Queen, die bis zu ihrem Tod mit 96 Jahren auf dem Thron saß und ihrer Meinung nach Charles viel zu spät die Geschäfte übergab. "Der arme Kerl, endlich wird er König und jetzt ist er krank. Das ist nicht fair." Die Queen, so Behar, hätte früher zugunsten von König Charles abdanken können.

Bild: Cover Images