"Der letzte Pyjama hat keine Taschen"

Seit 65 Jahren im Showgeschäft: Roberto Blanco wird am 7. Juni 85 Jahre alt. (Bild: 2015 Getty Images/Thomas Lohnes)
Seit 65 Jahren im Showgeschäft: Roberto Blanco wird am 7. Juni 85 Jahre alt. (Bild: 2015 Getty Images/Thomas Lohnes)

Er ist seit 65 Jahren im Showgeschäft, wurde mit Stimmungsliedern wie "Heute so, morgen so", "Ich komm' zurück nach Amarillo", "Ein bisschen Spaß muss sein" und "Der Puppenspieler von Mexiko" zum Schlagerstar und zur lebenden Legende: Roberto Blanco wird am 7. Juni 85 Jahre alt.

Gleich dreifachen Grund zum Feiern hat Entertainer Roberto Blanco in diesen Tagen: Gerade erschien sein neues Album "Jetzt erst recht", am 7. Juni feiert er seinen 85. Geburtstag - und sein Mega-Hit "Ein bisschen Spaß muss sein" wird in diesem Jahr 50. Ein Gespräch mit einem Mann, den heute immer noch jedes Kind kennt, über Heimat, Lebensfreude und das Singen in grausamen Momenten ...

teleschau: Herzlichen Glückwunsch - zunächst mal zu Ihrem neuen Album! Mit Liedern wie "Lass dir die Freude nicht verderben" knüpfen Sie weiter an das Prinzip von "Ein bisschen Spaß muss sein" an, das Lied, das heuer 50 Jahre alt wird und das jeder mit Ihnen verbindet. Haben Sie ein Gute-Laune-Geheimrezept?

Roberto Blanco: Wenn das so wäre, hätte ich vermutlich drei Yachten, zehn Privatflugzeuge und so weiter (lacht). Nein, nein - es ist einfach so: Manche sind eher zurückhaltend, ich bin offen und gehe nach vorn. Schon im Internat im Libanon, in dem ich als Kind aufwuchs, war das so. Das liegt einfach in meiner Natur.

teleschau: "Singen öffnet manche Wege", heißt es in Ihrem Song "Es gibt immer ein Lied". Hat die Musik sie auch manchmal vor dem Traurigsein gerettet?

Blanco: Ach nein. Singen ist mein Beruf, mein Leben. Klar habe ich dabei gute Laune - aber ich bin ein Mensch, kein Roboter. Wenn im Studio zum Beispiel mal was schiefgeht, bin ich auch mal traurig oder sauer. Aber das zeige ich nicht. Warum sollte ich auch? Ich ziehe mich lieber zurück, nach einer Weile geht es weiter - und ich habe etwas gelernt. Denn das passiert ja bei negativen Erfahrungen: Man lernt dazu, macht es beim nächsten Mal besser. Erfahrung kann man nicht kaufen.

teleschau: Sie sind sogar auf die Bühne gegangen, nachdem Sie ganz kurz zuvor vom Tod Ihres Vaters erfahren hatten ...

Blanco: Dass ich Trottel damals auch das Telegramm gelesen habe! Normalerweise tue ich so was kurz vor einem Auftritt nicht. Aber was sollte ich machen? Rausgehen und sagen: "Mein Vater ist tot, ich singe nicht"? Nein: Ich bin raus und habe eine richtig tolle Show geboten - für ihn, so wie er es mir einst beigebracht hat. Zusammengebrochen bin ich erst danach.

teleschau: Puh, das klingt nach einer unglaublich schwierigen Zeit.

Blanco: Das kann nur verstehen, wer einen solchen Beruf hat: ein Clown, ein Sänger, ein Tänzer ... The show must go on! - Das ist im Showbusiness Gesetz. Das hat mich neben meiner Mentorin Josephine Baker auch mein Vater gelehrt.

Roberto Blanco beim Interview für die ZDF-History-Ausgabe "Roberto Blanco - Eine deutsche Legende" anlässlich seines 85. Geburtstags am 07. Juni. Der sehenswerte Beitrag ist in der ZDF-Mediathek verfügbar. (Bild: ZDF / ZDF)
Roberto Blanco beim Interview für die ZDF-History-Ausgabe "Roberto Blanco - Eine deutsche Legende" anlässlich seines 85. Geburtstags am 07. Juni. Der sehenswerte Beitrag ist in der ZDF-Mediathek verfügbar. (Bild: ZDF / ZDF)

"Die Deutschen waren immer die Bösen"

teleschau: Der war, genau wie Ihre sehr früh verstorbene Mutter, ein Varieté-Star, durch ihn lernten Sie die Welt kennen. Warum wurde ausgerechnet Deutschland irgendwann Ihr Zuhause? Das Land ist ja nicht gerade für seine Frohnaturen bekannt.

Blanco: Das wusste ich ja nicht, ich bin kein Hellseher. (lacht) Im Ernst: Als ich 1953 oder 1954 erstmals nach Deutschland kam, weil mein Vater dort gerade gastierte, war ich durchaus nervös und hatte Angst. Während in Europa der Krieg tobte, war ich ja im libanesischen Internat bei den katholischen Nonnen gewesen. In den Nachrichten und Filmen, die ich in dieser Zeit zu sehen bekommen hatte, waren die Deutschen immer die Bösen. Auch wenn wir Kinder Krieg gespielt hatten, waren die Rollen klar verteilt: Der Böse war der Deutsche, der Nazi. Hoffentlich sind die nicht alle wie in den Filmen, dachte ich, als ich Jahre später nach Deutschland kam.

teleschau: Und dann?

Blanco: Nach einer Woche meinte ich zu meinem Vater: So schlimm sind die doch alle gar nicht. Langsam fielen die Angst und Nervosität weg - und da bin ich! (lacht) 99 Prozent der Deutschen kennen mich!

teleschau: Und möchten Sie weiter auf der Bühne sehen.

Blanco: Ja, ich bin nur dank des Publikums immer noch da. Stufe um Stufe nach oben geklettert, ohne dass mich irgendein Sender oder Ähnliches gesponsert hat. Sie können Millionen in einen Künstler stecken - wenn das Publikum ihn nicht sehen will, sind Ihre Millionen weg. Auf die Leute kommt es an.

teleschau: Nach all den Jahrzehnten in Deutschland: Gibt es Momente, in denen Sie sich typisch deutsch fühlen?

Blanco: Sollte ich das? Ich habe einen deutschen Pass, aber kubanisches Blut! (überlegt) Vielleicht fühle ich mich deutsch, wenn ich ein schönes, kühles Bierchen trinke.

teleschau: Immerhin! Was bedeutet Ihnen der Begriff Heimat?

Blanco: Heimat ist dort, wo meine Möbel, meine Frau und mein Schlafzimmer sind - zurzeit also in der Schweiz. Wir leben aber auch mal in Spanien und haben ein Haus auf Kuba ... Ich sage es mal anders: Die Welt ist mein Haus, die Schweiz mein Esszimmer, Deutschland mein Schlafzimmer und Europa mein Salon.

teleschau: Der Salon, in dem das Publikum wartet ... Vieles hat sich ja in den letzten Jahren in der Unterhaltungsbranche verändert.

Blanco: Sehr vieles!

teleschau: Sie haben zum Beispiel einen Instagram-Account. Tun Sie sich schwer mit solchen Umstellungen?

Blanco: Also bitte - man muss doch mit der Zeit gehen! Meine Frau (die Kubanerin Luzandra Strassburg, das Paar ist seit 2013 verheiratet, d. Red.) ist jung, die kennt sich zum Glück sehr gut aus. Soll ich jetzt noch so leben wie in der Pharaonenzeit oder in den 1950er-Jahren? Die Welt wird eben moderner.

teleschau: Manche bedauern das ja.

Blanco: Ich bin nicht manche. Ich bin Roberto Blanco.

Roberto Blanco: "Solange das Publikum mich hören will, werde ich singen." (Bild: Getty Images/Hannes Magerstaedt)
Roberto Blanco: "Solange das Publikum mich hören will, werde ich singen." (Bild: Getty Images/Hannes Magerstaedt)

"Ich danke Gott jeden Tag."

teleschau: Gucken Sie dennoch gerne mal zurück? Ein halbrunder wie der 85. Geburtstag ist ja ein Anlass dafür.

Blanco: Natürlich blättere ich mal in alten Fotoalben, gucke mir alte Videos an, denke an meine Reisen, wer tut so was nicht? Es war eine schöne Zeit, und ich danke Gott jeden Tag dafür. Aber in erster Linie blicke ich nach vorn.

teleschau: Und da wartet als nächstes erst mal eine Party zum Geburtstag?

Blanco: Natürlich! Ich werde hier in Berlin erst mal im Schlosspark Theater meines langjährigen Freundes Dieter Hallervorden spielen, und danach gibt's im Saal ein Fest, zu dem Freunde, Kollegen und Familie aus aller Welt kommen: Kuba, Frankreich, der Schweiz ...

teleschau: Das klingt toll! Und nach jeder Menge Rummel. Schlafen Sie auch mal?

Blanco: Und ob, ich schlafe sehr gerne! Optimalerweise acht bis neun Stunden täglich, dann fühle ich mich wohl.

teleschau: An Ruhestand denken Sie aber offenbar noch lange nicht?

Blanco: Überhaupt nicht! Solange ich singen kann und das Publikum mich hören will, singe ich.

teleschau: Der Albumtitel "Jetzt erst recht" ist diesbezüglich ja schon eine Ansage.

Blanco: Und ob! Aber das war im Prinzip immer meine Devise, in den ganzen 65 Jahren, die ich nun im Showbusiness tätig bin: Jetzt erst recht!

Geboren, um im Rampenlicht zu stehen: "Das ist meine Natur!", sagt Roberto Blanco.  (Bild: 2017 Getty Images/Andreas Rentz)
Geboren, um im Rampenlicht zu stehen: "Das ist meine Natur!", sagt Roberto Blanco. (Bild: 2017 Getty Images/Andreas Rentz)

"Wir sind alle nur zu Besuch auf diesem Planeten"

teleschau: Sie wirken ja auch immer noch sehr fit. Achten Sie auf Ihre Gesundheit?

Blanco: Natürlich! Wenn Sie bei Ihrem Auto ein ungewöhnliches Geräusch hören, gehen Sie in die Werkstatt, richtig? So halte ich es auch mit meinem Körper: Ich achte auf ihn und gehe im Zweifel zum Arzt, lasse mich untersuchen. Aber bitte so, dass er mir nicht einfach eine Tablette für meine Kopfschmerzen oder Ähnliches verschreibt, sondern mir auch sagt, warum ich diese Kopfschmerzen habe.

teleschau: Denken Sie trotz Ihrer Fitness manchmal auch an den Tod?

Blanco: Nein. Sie etwa? Ich nicht! Klar, jeder kommt mal dran. Ich wünsche jedem einfach einen schmerzfreien, friedlichen Tod. Keinen Kriegstod. Aber man weiß es nie.

teleschau: Der Krieg ist aktuell wieder ein großes Thema ...

Blanco: Schrecklich! Es wäre so schön, wenn der ganze Planet endlich ohne Krieg und Hass wäre! Wenn die Menschen Menschen bleiben würden, die leben und leben lassen. Man muss nicht jeden lieben, aber respektieren sollten wir einander alle - und nicht vergessen: "Wir sind alle nur zu Besuch auf diesem Planeten." Der letzte Pyjama hat keine Taschen.

(TV-Tipp für alle Fans: In der ZDF-Mediathek ist das spannende Doku-Porträt "Roberto Blanco - Eine deutsche Legende" aus der Reihe "ZDF-History" zu sehen.)

Hat noch viele Pläne: Roberto Blanco (Bild: 2015 Getty Images/Sascha Steinbach)
Hat noch viele Pläne: Roberto Blanco (Bild: 2015 Getty Images/Sascha Steinbach)
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