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"Ich mag das Miteinander": Was "Stralsund"-Star Sophie Pfennigstorf an ihrer ostdeutschen Heimat schätzt

Als Kommissarin Jule Zabek hat Sophie Pfennigstorf in "Stralsund - Der lange Schatten" (Samstag, 2. September, 20.15 Uhr, ZDF) ihren ersten Auftritt. (Bild: ZDF/Sandra Hoever)
Als Kommissarin Jule Zabek hat Sophie Pfennigstorf in "Stralsund - Der lange Schatten" (Samstag, 2. September, 20.15 Uhr, ZDF) ihren ersten Auftritt. (Bild: ZDF/Sandra Hoever)

Sie ist die neue Kollegin von Alexander Held in "Stralsund - Der lange Schatten": Sophie Pfennigstorf ersetzt Katharina Wackernagel, die der ZDF-Krimireihe nach 13 Jahren den Rücken kehrte. Im Interview berichtet Pfennigstorf von nass-kalten Drehtagen und der Bedeutung von Filmen für die Beziehung zwischen Ost und West.

Wer in die Vita von Sophie Pfennigstorf blickt, staunt nicht schlecht: Mit "Babylon Berlin" (2017), "Pelikanblut" (2019) und "Survivors" (2022) kann die 34-Jährige gleich drei internationale Dreherfahrungen vorweisen, während gleichzeitig weder ihr Gesicht noch ihr Name der breiten Masse auf den ersten Blick bekannt vorkommen dürften. Das dürfte sich bald ändern, wenn Pfennigstorf die Hauptrolle in einer beliebten deutschen TV-Krimi-Reihe übernimmt: In "Stralsund - Der lange Schatten" (Samstag, 2. September, 20.15 Uhr, ZDF) ist sie erstmals als Kommissarin Jule Zabek an der Seite von Hauptkommissar Karl Hidde (Alexander Held) zu sehen. Sie rückt damit an die Stelle von Katharina Wackernagel, die das Format nach 20 Folgen in 13 Jahren verließ. Im Interview erzählt Pfennigstorf von nass-kalten Dreharbeiten und einem herzlichen Empfang am Set. Außerdem spricht die gebürtige Leipzigerin über die noch immer schwierige Beziehung zwischen Ost- und Westdeutschland.

teleschau: Katharina Wackernagel war als Kriminalkommissarin Nina Petersen 13 Jahre lang Teil der Reihe. Wie fühlt es sich an, als "die Neue" dazuzustoßen?

Pfenningstorf: Ach, das war toll! Ich wurde mit offenen Armen und einer großen Offenherzigkeit empfangen. Ehrlich gesagt hatte ich von Anfang an große Lust auf die Geschichte und die Auseinandersetzung.

teleschau: Ihr erster "Stralsund"-Einsatz endet im wahrsten Sinne des Wortes mit einer Schlammschlacht. Wie lange hat es gedauert, bis Sie wieder trocken waren?

Sophie Pfenningstorf: Sehr lange - bis ich den gesamten Schlamm von mir gewaschen hatte und davon wirklich befreit war. Ich habe geschrubbt! (lacht)

teleschau: Ihre Vorgängerin Katharina Wackernagel klagte, dass es "während der Dreharbeiten manchmal arg kalt war". Wie oft haben Sie in den vergangenen Drehmonaten schon gefroren?

Pfennigstorf: Sehr oft! "Stralsund - Der lange Schatten" haben wir glücklicherweise im Frühling gedreht. Während der Regenszenen haben wir natürlich auch gefroren. Als ich das erste Mal ins Wasser fiel, hatte ich auch kurz eine kleine Schockstarre. Aber die Kälte kroch nicht so in den Körper. Die zwei Winterfilme, die wir jetzt gemacht haben, waren schon noch mal eine andere Nummer, weil wir einfach über so lange Zeit konstant draußen waren. Aber die Garderobierinnen sind wahnsinnig gut ausgestattet. Sie unterstützen einen, wo es nur geht, mit wärmender Kleidung, teilweise auch Wärmepflastern etc. Meine Figur Jule kann zum Glück etwas anhaben, deswegen haben wir versucht, wetterfeste Kleidung zu finden. Immer wenn man in Bewegung ist, ist es sowieso besser.

Im Film begegnet Karl Hidde (Alexander Held) seiner neuen Kollegin Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) mit anfänglicher Skepsis. Die Realität am Set sah anders aus: "Ich wurde mit offenen Armen und einer großen Offenherzigkeit empfangen", schwärmt Pfennigstorf im Interview. (Bild: ZDF/Sandra Hoever)
Im Film begegnet Karl Hidde (Alexander Held) seiner neuen Kollegin Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) mit anfänglicher Skepsis. Die Realität am Set sah anders aus: "Ich wurde mit offenen Armen und einer großen Offenherzigkeit empfangen", schwärmt Pfennigstorf im Interview. (Bild: ZDF/Sandra Hoever)

"Wenn ich in einer Rolle körperlich sein kann, empfinde ich das als großes Glück"

teleschau: Glücklicherweise ist Jule auch eine sehr körperliche Figur. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Pfennigstorf: Ich habe eine relativ gute Grundlage: Ich bin ein fitter Mensch, ich bewege mich gerne. In Rostock habe ich eine gute Ausbildung genossen. Das hilft ungemein. Kurz vor Beginn der Dreharbeiten konnte ich mich aber gar nicht explizit darauf vorbereiten, weil ich eine Corona-Infektion hatte. Deswegen musste ich einfach reinspringen. Für die Kampfszenen haben wir natürlich Stunt-Coordiantors am Set, die uns unterstützen. Was ich viel mache, ist schwimmen. Ich fahre Ski, ich fahre Snowboard, ich surfe, ich fahre Inlineskater ...

teleschau: Würden Sie eine dieser Sportarten auch gerne mal im Film zeigen?

Pfennigstorf: Jedesmal, wenn ich in einer Rolle körperlich sein kann, empfinde ich das als großes Glück. Natürlich muss man sagen: Gerade beim Dreh ist das noch mal eine ganz andere Challenge, diese Fertigkeit auch in der Wiederholbarkeit, immer auf den Punkt rüberzubringen. Es war eine tolle Erfahrung, dass ich in dem Film "Pelikanblut" reiten konnte, wobei durch den Umgang mit dem Tier natürlich andere Herausforderungen hinzukommen.

Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) muss schon in ihrem ersten Fall eine Menge einstecken.  (Bild: ZDF/Sandra Hoever)
Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) muss schon in ihrem ersten Fall eine Menge einstecken. (Bild: ZDF/Sandra Hoever)

"Ich bin ein Fan von guten Geschichten"

teleschau: TV-Krimis gibt es wie Sand am Meer. Was fasziniert das Publikum so an diesem Genre?

Pfenningstorf: Ich glaube, es ist die Spannung, die die Menschen packt. Es ist das Ermitteln und das Suchen. Es ist dieses Puzzle, das sich zusammensetzt, das Menschen interessiert. Ein Krimi zeigt Ausnahmesituationen und Taten, die unvorstellbar sind. Diese Distanz zum eigenen Leben, auch wenn es eine Routine ist, erzeugt eine gewisse Spannung.

teleschau: Haben Sie keine Sorgen, dass dieses Interesse bald abgenutzt sein könnte? Immerhin wird Gewalt in den Nachrichten immer präsenter?

Pfenningstorf: Natürlich gibt es Menschen, die der Meinung sind, dass man gerade in Zeiten von Corona oder des Ukraine-Kriegs mehr positive Unterhaltung braucht. Ich weiß nicht, ob es wirklich was damit zu tun hat.

teleschau: Wie gehen Sie mit den anhaltend schlechten Nachrichten um?

Pfennigstorf: Natürlich kenne ich dieses Ohnmachtsgefühl angesichts der aktuellen Krisen, sei es der Klimawandel oder der Krieg in der Ukraine. Ich habe gemerkt, dass es mir hilft, ganz konkret zu bleiben. Sehr oft gibt es die Ausrede: "Ja, das ist einfach kompliziert." Aber ich habe gemerkt, wenn ich mich informiere und wenn ich in das Thema reingehe und mir sehr konkret verschiedene Perspektiven anschaue, dann ist es gar nicht so kompliziert, und dann überfordert mich das auch nicht.

teleschau: Sind Sie ein Krimi-Fan?

Pfennigstorf: Ich bin ein Fan von guten Geschichten. Das kann ein Krimi sein, das kann aber auch ein anderes Genre sein. Sehr gerne mag ich zum Beispiel Science Fiction, weil ich es liebe, andere Gesellschaftsstrukturen zu sehen. Sehr oft haben diese Geschichten einen kritischen Ansatz und zeigen andere Gesellschaften mit anderen Regeln. Und daran dann zu sehen, wie ein Gefüge funktioniert, finde ich spannend.

In "Stralsund - Der lange Schatten" müssen Karl Hidde (Alexander Held, links) Karim Uthman (Karim Günes)  und Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) erstmals zusammenarbeiten, um den Mörder eines Mädchens zu finden. (Bild: ZDF/Sandra Hoever)
In "Stralsund - Der lange Schatten" müssen Karl Hidde (Alexander Held, links) Karim Uthman (Karim Günes) und Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) erstmals zusammenarbeiten, um den Mörder eines Mädchens zu finden. (Bild: ZDF/Sandra Hoever)

"Ich mag das Miteinander im Osten"

teleschau: Sie wurden in Leipzig geboren, haben in Rostock studiert und drehen nun in Stralsund. Was macht für Sie den besonderen Reiz Ostdeutschlands aus?

Pfennigstorf: Ich mag das Miteinander. Ich bin natürlich im ehemaligen Osten sozialisiert, deswegen ist das immer ein sozialer Code, den ich verstehe. Ich mag die Hilfsbereitschaft und die Offenheit, die ich erlebe, auch wenn das schwierig ist, das immer so zu pauschalisieren. Und ich mag die gewisse Bodenständigkeit. Die ist mir nah.

teleschau: Die Spaltung zwischen Ost und West wird derzeit wieder viel diskutiert. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?

Pfennigstorf: Gerade wird viel im Zusammenhang mit der AfD diskutiert, was noch mal eine ganz andere Diskussion ist. Sehr oft wird gesagt: "Okay, aber das ist doch jetzt ein Deutschland." Auf der anderen Seite merkt man aber auch, dass diese Missstände, die im Osten vorherrschen, in Westdeutschland gar nicht so präsent sind. Deswegen denke ich mir manchmal: "Ja, aber die Menschen im Osten spüren die Spaltung vielleicht noch anders." Es würde sich lohnen, da mal genauer hinzuhören. Ich glaube, dass es viel um soziale Fragen geht. Wenn die nicht gelöst sind, und das dann dazu führt, dass die AfD gewählt wird, ist das eine große Katastrophe. Trotzdem muss ich ganz klar sagen: Die AfD ist kein ostdeutsches Phänomen! Die Partei ist leider auch in anderen Regionen erfolgreich.

Auch international ist Sophie Pfennigstorf keine Unbekannte: In der deutsch-italienischen Mystery-Thriller-Serie "Survivors" (2022) ist sie derzeit an der Seite von 
Giacomo Giorgio in der ZDFmediathek zu sehen.  (Bild: ZDF/Cristina Di Paolo Antonio)
Auch international ist Sophie Pfennigstorf keine Unbekannte: In der deutsch-italienischen Mystery-Thriller-Serie "Survivors" (2022) ist sie derzeit an der Seite von Giacomo Giorgio in der ZDFmediathek zu sehen. (Bild: ZDF/Cristina Di Paolo Antonio)

"Es ist schwierig, wenn nur das Narrativ gepflegt wird, dass der Osten rechts ist"

teleschau: In welchen konkreten Bereichen spüren Sie, dass der Osten vom Westen abgehängt wird?

Pfennigstorf: Ein Beispiel sind höhere Beamtenpositionen: Wie viele Menschen, die in Ostdeutschland ein solches Amt bekleiden, sind wirklich Ostdeutsche? Welche Aufstiegschancen gibt es? Es ist schwierig, wenn im Prinzip immer nur das Narrativ gepflegt wird, dass der Osten rechts ist. Denn natürlich gibt es Wahlkreise, in denen rechte Parteien gewinnen, die repräsentieren aber nicht den gesamten Osten.

teleschau: Welche Verantwortung tragen fiktionale Filme, wenn es um das Gefühl der Zusammengehörigkeit geht? Wie wäre es mit einer populären Kinoreihe aus dem Osten, sagen wir einem sächsischer Eberhofer?

Pfennigstorf: Ich würde es wahnsinnig interessant finden, was damit passiert. Denn es gibt einen Dialekt, es gibt eine Mentalität, und es gibt eine Kultur, die darin mit einfließt. Gerade der sächsische Dialekt ist, glaube ich, nicht so akzeptiert wie das Bairisch. Deswegen würde mich so ein Format sehr interessieren. Ich weiß nicht, welche Auswirkungen ein solches Projekt hätte, aber als Experiment fände ich es sehr interessant.

"Ich mag es total gerne, im Ausland zu drehen"

teleschau: Sie sind eine erfolgreiche Theaterschauspielerin, spielen in vielen deutschen, aber auch internationalen Film- und Serienproduktionen. Was wollen Sie als Nächstes erreichen?

Pfennigstorf: (überlegt) Was möchte ich als Nächstes erreichen? Ich glaube, ich möchte Theater und Film verbinden. Das kann auch abwechselnd sein. Ich möchte in beidem bleiben. Ich mag es total gerne, im Ausland zu drehen. Das ist immer eine tolle und interessante Erfahrung. Mein Wunsch sind inhaltlich qualitativ hochwertige Produktionen. Da geht es dann gar nicht so sehr darum, welches Format, sondern um die Aussage.

teleschau: Also ein politischer Film?

Pfennigstorf: Eine Aussage kann alles sein: Es kann eine politische Aussage sein, es kann eine soziale Kritik sein, es kann eine Umgangsform sein, die man darstellt. Es sind immer kleine Punkte, wir haben keinen direkten Einfluss. Aber wir zeigen Narrative. Ich wünsche mir, dass wir verantwortungsbewusst mit den Bildern umgehen, die wir als Normalität präsentieren. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man nicht nur die Liebesgeschichten zeigt, sondern eine ganz enge Freundschaft, also eine andere Form von Verbindung. Das kann in ganz unterschiedliche Richtungen gehen. Ich habe Lust, viele verschiedene Menschen darzustellen.