Markus Lanz: Migrationsexperte spricht Klartext über die Flüchtlingskrise

In der Runde dominierten die Themen Asyl und Flüchtlingskrise. (Bild: ZDF/Screenshot)

Ankerzentren, Fluchtrouten, Abschiebepraxis – diese Begriffe dominieren den Asyl-Diskurs. Doch wie sieht eigentlich die Realität aus? Der Vordenker des Flüchtlingspaktes mit der Türkei gab in der Sendung von Markus Lanz verstörende Einsichten.

Gerald Knaus ist Politikberater, Experte für Südosteuropa und zentraler Akteur in der aktuellen Flüchtlingskrise. Wenn er über den Status quo des Asyl-Dramas spricht, dessen Ursachen und mögliche Auswege aufzeigt, wird er sowohl von linken als auch von rechten Ideologen kritisiert. Was vermutlich daran liegt, dass der Österreicher unbequeme Wahrheiten ausspricht.

Bei Markus Lanz erzählte der 47-Jährige, der als Ideengeber für das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei gilt, über die katastrophalen Zustände der Migration: „In den letzten Jahren sind 600.000 Menschen auf Booten von Nordafrika nach Italien unterwegs gewesen. Es sind fast 14.000 Menschen ertrunken.“ Knaus lieferte einen heftigen Vergleich: „Das waren so viele wie im ganzen Ukraine-Krieg. Zahlen wie in einer Schlacht.“

Dabei seien das nur die Toten im Mittelmeer. Noch einmal so viele seien auf dem Weg in die Sahara und in Libyen gestorben.

Gerald Knaus lebte sieben Jahre in Istanbul. (Bild: ZDF/Screenshot)

Doch das ist nur die eine Seite des Dramas. Auf der anderen Seite stehen jene Flüchtlinge, die es zwar lebend nach Italien oder Griechenland schaffen, womöglich auch nach Deutschland, Frankreich oder Nordeuropa weiterreisen, die aber keine Zukunftsperspektiven haben. Ein Grund ist unter anderem die lange Bearbeitungszeit von Asylanträgen. In Italien dauert ein solches Verfahren derzeit 1.800 Tage.

Auch die kaum durchgeführten Abschiebungen von Menschen aus sicheren Herkunftsländern tragen zur Flüchtlingskrise bei. „2016 kamen 100.000 aus sechs westafrikanischen Ländern mit dem Boot nach Italien“, erzählte Knaus. Und fügte hinzu: „In dem Jahr sind 265 Menschen aus diesen sechs Nationen freiwillig oder unter Zwang zurückgegangen.“ Die meisten Menschen bleiben also, völlig gleich, ob sie das Recht auf Asyl haben oder nicht.

Die anderen Gäste hörten den Ausführungen von Knaus gebannt zu. (Bild: ZDF/Screenshot)

Um die Situation in den Griff zu bekommen, gibt es laut Knaus nur eine Möglichkeit: Schnellere Asylverfahren, die nur einige Wochen benötigen, und die bereits in den Ankunftsländern Italien und Griechenland angewandt würden. Zudem braucht es Knaus zufolge mehr Einigungen mit Herkunftsländern, damit diese abgeschobene Migranten wieder aufnehmen. Darüber hinaus empfahl der Experte legale Wege, um Menschen aus ärmeren Ländern eine Perspektive zu bieten. Etwa durch die Vergabe von Arbeitsvisa oder den Einsatz von Einwanderungslotterien, wie sie in Australien, den USA und Kanada praktiziert werden.

So können europäische Länder laut Knaus kontrollieren, wer kommt – ohne, dass jemand sterben muss.