Werbung

Mehr als 50 Tote bei Waldbränden in Chile - Flammen bedrohen Siedlungen

In Chile ist die Zahl der Todesopfer bei den verheerenden Waldbränden auf über 50 gestiegen. Die Flammen dringen immer weiter in einen der am dichtesten besiedelten Teile Chiles vor. Rund 4.000 Häuser sind bereits zerstört worden.

In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Ansprache warnte Staatspräsident Gabriel Boric, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen könnte, da in der Region Valparaiso vier große Brände lodern. Hier hatten Feuerwehrleute Mühe, die am stärksten bedrohten Viertel zu erreichen.

Boric forderte die Chilenen auf, mit den Rettungskräften zusammenzuarbeiten.

„Wenn Sie zur Evakuierung aufgefordert werden, zögern Sie nicht, dies zu tun“, sagte er. „Die Brände breiten sich schnell aus und sind aufgrund der klimatischen Bedingungen nur schwer unter Kontrolle zu bringen. Es herrschen hohe Temperaturen, starker Wind und niedrige Luftfeuchtigkeit.“

Das Innenministerium zählte 92 Brände. Die verheerendsten wüten in der Region Valparaíso, wo die Behörden Tausende Menschen aufforderten, ihre Häuser zu räumen.

Die Brände breiten sich schnell aus und sind aufgrund der klimatischen Bedingungen nur schwer unter Kontrolle zu bringen

Hingegen wurden Anwohner in weiter von den Bränden entfernten Gebieten aufgefordert, zu Hause zu bleiben, damit sich Feuerwehrfahrzeuge, Krankenwagen und andere Einsatzfahrzeuge leichter auf den Straßen fortbewegen können.

Nach Angaben von Innenministerin Carolina Tohá zerstörten zwei Brände in der Nähe der Städte Quilpué und Villa Alemana seit Freitag mindestens 8.000 Hektar. Einer der Brände bedrohte den Küstenort Viña del Mar. Dort sind einige Stadtviertel bereits schwer getroffen.

In Villa Independencia, einem an einem Hang am östlichen Stadtrand gelegenen Viertel, wurden mehrere Wohn- und Geschäftsblöcke zerstört. Verbrannte Autos mit zerbrochenen Scheiben säumten die mit Asche bedeckten Straßen.

„Ich lebe seit 32 Jahren hier und hätte nie gedacht, dass so etwas passieren würde“, sagte Rolando Fernández, einer der Bewohner, der sein Zuhause verloren hat.

Fernández sagte, er habe das Feuer am Freitagnachmittag zum ersten Mal auf einem nahe gelegenen Hügel brennen sehen, und innerhalb von 15 Minuten sei die Gegend in Flammen und Rauch gehüllt gewesen, sodass alle gezwungen gewesen seien, um ihr Leben zu rennen.

„Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, und jetzt habe ich nichts mehr“, sagte Fernández.

In der Region Valparaíso wurden drei Notunterkünfte errichtet und 19 Hubschrauber und mehr als 450 Feuerwehrleute in die Gegend gebracht, um bei der Bekämpfung der Brände zu helfen, teilte Innenministerin Tohá mit.

Nach ihren Angaben mussten in der Region Valparaíso vier Krankenhäuser und drei Pflegeheime für ältere Menschen evakuiert werden. Auch zwei Busbahnhöfe wurden ein Raub der Flammen.

Das Wetterphänomen El Niño hat in diesem Jahr im Westen Südamerikas zu Dürren und überdurchschnittlich hohen Temperaturen geführt, was die Gefahr von Waldbränden erhöht. Im Januar wurden in Kolumbien mehr als 17.000 Hektar Wald durch Brände zerstört, die auf mehrwöchiges Trockenwetter folgten.